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»The money is here, the women are here, the beer is here…«

8. Dezember 2010

The Brew - Teaser © Thorsten, Lauschsofa, 2010

Anlässlich des Tourauftakts im Tübinger »Sudhaus« hat uns die britische Ausnahmeband The Brew erlaubt, das Lauschsofa in der Garderobe für ein »Exklusiv-Interview« aufzustellen – ein äußerst entspannter, lustiger und sehr ausführlicher Sofaplausch vor dem Konzert über die Band, ihre Musik und Musik im allgemeinen war die Folge…

Lauschsofa: Ihr startet den zweiten Teil Eurer Deutschlandtour heute abend hier in Tübingen im Sudhaus. Da stellt sich natürlich die Frage: Zufall oder Absicht? Ihr wisst doch, was »Sudhaus« heißt?

The Brew: Äh, nein…

Lauschsofa: »Sudhaus« heißt »Brauerei« (Anm. d. Red.: englisch »brewery«)

The Brew (lachen): Oh wirklich? Das ist ja fantastisch…perfekt!

Lauschsofa: Zuallererst nochmal vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit nehmt für ein Interview mit dem Lauschsofa. Ich will auch gleich ganz vorne anfangen, denn über die Ursprünge der Band findet man komischerweise nirgends etwas. Wie kam es zu The Brew? Es gibt ja nicht viele Rockbands, wo Vater und Sohn zusammenspielen. Fing das alles an als eine Art »Familien-Spaß-Projekt« oder habt Ihr, Kurtis und Jason, eine Band gegründet und Euch fehlte ein Bassist…?

Kurtis: Im Grunde war es so…

Tim: Sie suchen immer noch nen Basser…hey, sagt jetzt nichts Falsches! (lacht)

Kurtis: Es fing wirklich aus Spaß bei uns zuhause an. Aber wir hatten vor Jason erst noch ein paar andere Gitarristen. Als Jason dann irgendwann dazu kam, ging es richtig los.

Jason: Ja, ich hab ja erst bei Led Zeppelin und Pink Floyd gespielt, aber die haben sich ja irgendwann aufgelöst und dann bin halt ich bei den Typen hier gelandet… ;-)

Tim: Stimmt, die Geschichte ist nicht sehr detailliert dargestellt auf der Website, also gerade über die Anfänge der Band. Es gab mal was auf Wikipedia…das letzte Mal, als wir draufgeschaut haben, hatte es jemand komplett ins Spanische übersetzt (lacht)…aus irgendeinem bizarren Grund.

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Jason (links) und Kurtis von The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Lauschsofa: Ich hab gehört, dass Ihr in Spanien sehr erfolgreich seid.

Tim: Ja, es läuft wirklich sehr gut. Gerade Deutschland und Spanien – jedes Mal wenn wir spielen…es ist unglaublich! Wir waren gerade auf Tour in Spanien und überall, auf jedem Radio- oder Fernsehsender, in jeder Zeitung des Landes, war die Rede davon. Wie kommt das? Das ist echt unglaublich…

Lauschsofa: Ich habe auch gehört, dass das britische Publikum offenbar nicht so begeistert von Euch ist wie die britischen Kritiker? Stimmt das?

Tim: Ja, das ist wahr.

Kurtis: Stimmt. Es ist wirklich schwer für neue Bands in England – es sei denn sie haben Sony oder EMI oder so hinter sich. Es gibt viele Möglichkeiten zu spielen, aber kein Publikum. Niemand will Geld bezahlen um eine Band zu sehen – es sei denn es ist eine große Band. Aber woher kommen die großen Bands? Es muss ein Mittelfeld geben…

Lauschsofa: Irgendwo muss man ja anfangen…

Kurtis: Genau. Und in Europa, speziell in Deutschland, gibt es offensichtlich viele Möglichkeiten zu spielen, und viele Menschen wollen neue Musik bzw. Bands auf unserem Level hören… es gibt  einfach viel Unterstützung.

Tim: Das ist in ganz Europa so. Ich meine, in Deutschland läuft es besonders gut für uns, aber der Fairness halber muss man sagen, dass es fast in ganz Europa so ist. Die meisten europäischen Länder scheinen Live-Musik und neue Live-Bands zu unterstützen. Und das ist wohl der Grund warum man die ganzen Künstler aus Amerika, Großbritannien und sonstwo hier findet – jeder kommt nach Europa. Da ist die Szene. Selbst große amerikanische Bands…gut, »groß«…aber z.B. Walter Trout, er ist ein Freund von uns, sagt: »Die Szene in Amerika… es gibt einfach keine.« Und die Szene in England… es ist sehr, sehr schwer in England eine Tour zu machen.

Kurtis: Es ist alles von Simon Cowell (Anm. der Red.: Der Macher von »Britain’s Got Talent«, also die UK-Version von »Deutschland sucht den Superstar«, früher A&R Berater bei Sony) ruiniert, es geht nur um Modetrends, um das, was gerade »in« ist… es ist schwer.

Tim: Den Leuten wird erzählt, was sie hören und was sie gut finden sollen. Und in Europa haben die Menschen noch eine individuelle Meinung, sie treffen die Entscheidung selbst, sie gehen raus und suchen, entdecken die Musik auf eigene Faust. Das ist sehr gut, ich meine, das ist toll für Bands wie uns.

Lauschsofa: Und es ist toll für das Publikum.

Tim: Ja klar! Das ist so wie es sein sollte. Und wie es war, bevor das große Geld ins Spiel kam.

Jason: Das ist das Problem. Alles dreht sich nur ums Geld.

Tim: Es dreht sich alles nur ums Geld in England und Amerika.

Jason: Man erkauft sich seinen Weg zum Ruhm.

Tim: Wir machen’s noch auf die alte Art: Drei Bandmitglieder und zwei Crew-Leute in einem weißen Van raus auf die Strasse. Das ist so, wie’s früher immer war und wie es für uns jetzt ist.

Lauschsofa: Also gibt es (noch) keine Pläne für eine neue »British Invasion«?

Tim: Ach…weißt Du, wir haben darüber gesprochen, aber ich denke, das Problem für Bands wie uns ist: es gibt so viele Orte in Amerika zu spielen und Amerika ist so ein riesiges Land…wo zum Teufel sollten wir anfangen? (lacht)

Kurtis: Und Du brauchst viel Geld im Rücken…

Tim: Ich meine, größere Bands als wir haben es versucht und sind gescheitert. Wir haben Fans in Amerika, wir könnten in die USA gehen und ich bin mir sicher, es würde recht gut laufen für uns. Aber auf der anderen Seite muss man für den Moment auch sagen: Deutschland läuft außerordentlich gut, Spanien läuft sehr gut, Holland und Belgien… Polen, wir hatten zwei Alben in den Charts in Polen… warum denken wir, das Gras wäre grüner auf der anderen Seite? Diese Länder sind fantastisch, unterstützen uns… das Geld ist hier, die Frauen sind hier, das Bier ist hier (lacht), also warum sollten wir nach Amerika?

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Tim Smith von The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Lauschsofa: Sehr gut zusammengefasst! ;-) Ich frage eigentlich nur deshalb, weil ich es schon bei so manch anderem Künstler aus England beobachtet habe, dass eine Tendenz besteht, erst Amerika zu erobern bevor sie sich auf den »Kontinent« begeben.

Tim: Ich glaube, jede Band, die denkt, sie könnte Amerika erobern, wird ein böses Erwachen haben. Ich denke, das ist eine schier unlösbare Aufgabe, es sei denn man trifft auf wirklich einzigartige glückliche Umstände. Und hat genug Geld im Rücken. Oasis haben’s versucht, Robbie Williams hat’s versucht…also, wenn die Jungs es schon nicht geschafft haben mit all dem, was sie hinter sich haben, welche Chance haben dann drei Typen aus Grimsby? Es gibt auch noch andere Plätze auf der Welt, wo man hin kann, Amerika ist nicht das »Mekka«.

Jason: Japan.

Tim: Ja, Japan. Wir werden »Big in Japan« sein.

Jason: Oh ja, die wollen uns.

Tim: Ja, Japan wäre gut, würde mir gefallen. Amerika ist nicht das »Mekka«. Sie denken vielleicht sie wären es… (alle lachen)

Lauschsofa: Lasst uns noch mal zurückkommen auf die Geschichte der Band oder vielmehr Euren musikalischen Hintergrund. Tim, warst Du schon immer Profi-Musiker?

Tim: Nein…nein…nein…nein…also: nein (lacht) Bis vor sechs Jahren war ich reiner Amateur. Ich bin aber immer noch ein ziemlicher Amateur, tut mir leid (lacht)

Lauschsofa: Du hast aber nicht erst vor sechs Jahren angefangen…

Tim: Nein, ich spiele schon mein ganzes Leben lang Bass, aber richtige Profis sind wir vielleicht seit 18 Monaten.

Lauschsofa: Wie hast Du angefangen, Jason?

Jason: Ich war schon immer Musiker. Ich hab mit fünf angefangen Gitarre zu spielen, das war alles, wovon ich immer geträumt habe und zum Glück ist der Traum jetzt wahr geworden. Äh, ich war schon in der Schule wie die meisten Kinder…

Tim: Aber nicht lange…

Jason: …aber nicht sehr erfolgreich. Ja, nicht lange (alle lachen). Ich ging aufs College, wurde rausgeschmissen (alle lachen), denn jedesmal wenn die Zeit für Examen war…Du studierst ein Jahr und jedes mal… oh Mann, auf Tour hab ich für’s Examen gelernt und wenn die Examen waren, war ich wieder auf Tour. Also haben sie gesagt »Tut uns leid, aber wir können Dich nicht länger hier behalten« – und haben mich rausgeschmissen. Und ich glaube, das war der Punkt wo ich gemerkt hab: Hey, es ist mir egal. Denn alles was ich tun will, ist Musik machen. Also bin ich seit ich 15, 16 bin Profi.

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

So sehen erfolgreiche Schulabgänger aus: Kurtis von The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Lauschsofa: Und wie war’s bei Dir, Kurtis?

Kurtis: Ja, ähnlich…ich meine…ich hab mit Schlagzeug angefangen…

Jason: Er ist intelligent… (alle lachen)

Kurtis (lacht): Ja, ich bin zur Schule gegangen, ich bin auch dort geblieben…also, ein bisschen länger…ich bin auch auf’s College gegangen… hab mit Schlagzeug angefangen als ich 14 war, also vor ca. 8 Jahren, und die Band gründete sich auch so um den Dreh herum… das war’s eigentlich. In England ist man mit etwa 18 mit dem College fertig, und ich hab’s bis zum Ende durchgezogen. Aber ich hab nicht Musik oder so studiert, sondern war im Bereich Film, Medien, Photographie unterwegs. Aber ich denke, von jetzt an ist es für uns alle drei nur noch Musik für den Rest des Lebens.

Lauschsofa: In Deutschland ist es so: Normalerweise, wenn Jungs im Teenageralter eine Band gründen und anfangen mit Gitarre oder Bass… dann spielen sie meistens Metal, lassen sich die Haare lang wachsen… Wie kommt es, dass Ihr Euch für diesen klassischen britischen Blues-/Hardrock entschieden habt?

Tim: Also, ich hab mir lange Haare wachsen lassen – aber die sind leider schon ausgefallen (alle lachen)

Kurtis: Ich denke, das liegt an unseren Eltern. Als ich klein war, lief bei uns zu Hause nur Musik von Jimi Hendrix, Led Zeppelin, The Who, Pink Floyd… das ist die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, die ich geliebt habe. Und sobald ich dann Schlagzeug spielen konnte, war das das erste, was ich spielen wollte. Ich wollte spielen wie John Bonham, Keith Moon… Ich hatte eigentlich nie wirkliches Interesse an Metal oder anderem. Bei Dir, Jason, war’s ja ähnlich, Du bist mit Blues aufgewachsen.

Jason: Ja, mein Hintergrund ist hauptsächlich der Blues. Derjenige, der mich auf den Gedanken brachte Gitarre zu spielen – da war ich gerade mal zwei Jahre alt – war Hank Marvin. Irgendwann ging’s dann weiter mit Dire Straits, Gary Moore, Stevie Ray Vaughan… ich hab mich wirklich viel mit Blues beschäftigt, denn bei meinen Eltern lief das die ganze Zeit. Dann wollte ich aber irgendwann raus aus der Blues-Szene –  wenn Du ein Teenager bist, willst Du einfach nur abrocken.

Tim: Frauen wollen nichts wissen von Bluessängern…

Jason: Ja, Frauen stehen nicht auf Bluestypen.

Tim: Viele Männer schon, aber Frauen eher nicht… (alle lachen)

Jason: Also wollte ich mehr Rock machen und zum Glück…

Tim: Er wollte für Leute spielen, die noch keine grauen Haare haben (alle lachen)

Jason: …kam ich auf Led Zeppelin, The Who, diese ganzen großartigen Bands…ja…und dann hab ich mich diesen Typen hier angeschlossen.

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Frauen stehen nicht auf Bluestypen, deshalb macht Jason auch lieber Rock – The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Lauschsofa: Ist es für Euch eigentlich eine Last, wenn man Euch die ganze Zeit vergleicht mit Hendrix, Bonham, Waters…

Kurtis: Ich find’s toll.

Tim: Das kommt zwangsläufig…

Kurtis: Für mich ist es keine Last. Wie ich schon sagte, als ich mit Schlagzeug angefangen hab, wollte ich sein wie John Bonham – und wenn mich die Leute jetzt mit ihm vergleichen, ist das toll, das gibt mir noch Ansporn. Könnte ja auch schlimmer sein, wenn sie einen z.B. mit den Spice Girls vergleichen…

Tim: Ja, aber es ist klar dass so was passiert, egal wer Du bist. Es gab einfach schon so vieles vorher. Als Hendrix lebte, hat ihn niemand verglichen mit… ja mit wem denn? Mit wem haben sie The Who verglichen? Oder Led Zeppelin? Sie waren zu ihrer Zeit einfach unvergleichlich. Aber jetzt ist die Musik so weit fortgeschritten, dass der klingt wie der, und der ein bisschen wie der… dem kann man nicht entkommen. Man muss es akzeptieren und kann nur hoffen, dass man verglichen wird mit den Leuten, die man mag und von denen man beeinflusst wurde. Denn offensichtlich will man denen ja nachfolgen, denke ich.

Kurtis: Hoffentlich meinen sie es positiv…

Tim: Ja, ich denke sie meinen es positiv.

Lauschsofa: Also gibt es keine Stimmen, die Euch vorwerfen dass Ihr nur kopieren würdet?

Tim: Ach, die Stimmen wird es immer geben. Dass es heißt »ach, das ist doch der Song« oder »ach, das ist der Song bloß in ner anderen Weise«. Aber dann kannst Du zurückgehen zu Led Zeppelin und sagen: Led Zeppelin waren mit die größten Plagiatoren, die die Welt der Musik je gesehen hat. Aber hey, es hat sie nicht aufgehalten und sie haben mit die fantastischste Musik aller Zeiten geschrieben. Es gibt halt nur soundsoviele Akkorde, da ist es unvermeidlich… Du kannst heute fast jeden Song nehmen und sagen »das ist doch der Song«… so ist es eben.

Kurtis: Ich denke, was er sagen wollte, ist, dass es naiv ist wenn man einfach sagt »ach, die kopieren doch bloß dies und das«, denn natürlich werden wir ein bisschen wie Hendrix oder Led Zeppelin klingen – schließlich wurden wir sehr von ihnen beeinflusst. Was wir versuchen, ist, diesen Retro-Sound und die Inspiration durch die älteren Bands zu haben und dem ganzen eine Art modernen Anstrich zu geben, moderne Einflüsse wie Wolfmother, Kula Shaker, Rage Against The Machine zu nehmen und diese beiden Dinge miteinander zu kombinieren. Das ist das, was wir versuchen.

Tim: Eines der besten Alben der letzten Jahre war unserer Meinung nach das erste Album von Wolfmother.

Lauschsofa: Oh ja, genau!

Tim: Es ist ein fantastisches Album! Aber…nimm’s mir nicht übel, da hört man auch Black Sabbath raus…

Jason: …die Doooors!

Tim: Genau, die Doors…

Jason: Da ist alles mögliche drin…

Tim: Es ist einfach unvermeidbar, Du kommst nicht drumherum. Heutzutage nicht mehr, denke ich.

Jason: Wie Tim immer sagt: Es gibt keine Zukunft ohne die Vergangenheit.

Tim: Ja, keine Zukunft ohne Vergangenheit, so war’s schon immer in der Musik. Ausgenommen denjenigen, der den ersten 12-taktigen Song geschrieben hat. Das war ein cleverer Typ!

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Irgendjemand, der so nett war, für’s Lauschsofa zu fotografieren

Bei Wolfmother und der Klamottenwahl ist man sich einig: Thorsten und The Brew im Sudhaus, Tübingen © Irgendjemand, der so nett war, für’s Lauschsofa zu fotografieren - danke!

Lauschsofa: Gut dass Ihr das erste Wolfmother-Album ansprecht. Ich finde, man tut Euch unrecht, wenn man sagt Ihr wärt von Wolfmother beeinflusst, denn ich würde eher sagen, The Brew und Wolfmother haben dieselben Wurzeln, sind aber unterschiedliche Neuinterpretationen des alten Stils.

Tim: Ich denke das hängt zum Großteil von Jason ab und seiner Art Gitarre zu spielen. Andrew Stockdale spielt nicht Gitarre wie Jason, sondern eher in so einem Black Sabbath-Stil. Es kommt drauf an, wie man seine Wurzeln interpretiert.

Kurtis: Ja, es sind schon zwei unterschiedliche Interpretationen, genau wie Du sagst. Der Grund, warum ich sagen würde, Wolfmother sind eine Inspiration für uns, ist: als das Album rauskam, haben wir es gehört und es war wie »Wow!«

Tim (reckt die Arme lobpreisend in den Himmel): Jaaa… Es! Gibt! Noch! Rock’n’Roll! (lacht)

Kurtis: Ja! Es geht noch! Es geht noch! (alle lachen) Insofern sind sie schon eine Inspiration.

Tim: Wir haben sie live gesehen, und als ich da vor der Bühne stand, sagte ich mir: Wenn wir jemals die Chance bekommen, auf einer Bühne zu stehen wie die, dann will ich nur dass unsere Band so spielt wie die. Denn die haben eine Show hingelegt…das war traumhaft, die waren so enthusiastisch, das konnte man richtig fühlen!

Kurtis: Die waren live echt fantastisch.

Tim: Und wir haben immer versucht, das bei jeder unserer Shows genau so zu machen. Das ist ja auch eines der Dinge, was die Leute immer über uns sagen, dass die Energie und die Begeisterung der Band ansteckend ist. Und hoffentlich gelingt uns das auch jedes Mal.

Lauschsofa: Ich denke auch, dass das erste Album von Wolfmother eine der besten Scheiben der letzten Jahre ist, aber ich war irgendwie enttäuscht vom zweiten Album. Für sich genommen ist es sicher kein schlechtes Album, aber man hört deutlich, dass zwei Drittel der Band fehlen.

Tim: Ja.

Jason: Oh ja, es ist anders, quasi »Wolfmother Mk II«.

Kurtis: Es ist anders, fast wie eine andere Band… sie hätten sich eigentlich auch nen anderen Namen geben können. Es ist ja eigentlich nur noch »der Sänger von Wolfmother mit ner anderen Band«. Das zweite Album hatte nicht mehr diesen frischen Sound.

Lauschsofa: Und das war mein erster Gedanke, als ich zum ersten mal A Million Dead Stars gehört habe: Das ist genau das, was ich beim zweiten Wolfmother-Album vermisst habe!

Tim: Wirklich?

Lauschsofa: Es ist grob, rau, pur…einfach leidenschaftlich.

Tim: Wow! Sehr freundlich von Dir, danke!

Lauschsofa: Doch, wirklich. Das hat sozusagen in gewisser Weise den Ausgleich hergestellt.

Kurtis: Cool!

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Lauschsofa: Was ich mir auch gedacht habe: Ich höre keinen großen Unterschied zwischen The Joker und A Million Dead Stars. Im positiven Sinn, denn Ihr wisst, manchmal heißt es »ach, jetzt haben sie einen Produzenten mit einem großen Namen, dann wird sich wohl einiges ändern…«. Aber ich dachte mir, ok, es ist jetzt vielleicht ein bisschen geschliffener als The Joker… aber Ihr habt immer noch den originalen »Spirit« vom zweiten Album.

Jason: Wir werden unseren Spirit immer behalten, das ist das was wir wollen.

Kurtis: Das war genau das, was unsere Absicht war. Wir wollten keine hochglanzpolierte Über-…

Jason: …-Produktion im US-Stil werden, mit 20 Bläsern im Hintergrund, Orchester…

Kurtis: Chris West war fantastisch in dem, was er tat, denn er wollte wirklich nur die reine Musik einfangen. Er wollte nichts daraus machen, was es nicht war…

Tim: Denn wir spielen, was wir aufnehmen. Wir spielen es live, wir müssen es vom Album auf die Bühne bringen können und auch von der Bühne auf das Album. Und so funktioniert es für uns. Also, was auf der Platte ist, das spielen wir auch. So funktioniert es für uns. Es gibt viele Bands, die Material aufnehmen, das sie kaum als Drei-Mann-Band auf der Bühne umsetzen könnten, zumindest nicht ohne Leute hinter den Kulissen oder Backing Tracks. Selbst The Who könnte man das vorwerfen, mit drei, vier Gitarren… Pete’s Bruder spielt jetzt ja auch noch mit… für mich waren The Who vier Leute auf einer Bühne, sonst nichts, nur sie, das war für mich alles, worum es bei The Who ging. Nicht wie jetzt, mit Bläsern, Backgroundsängern und sonstwem hinter den Kulissen… und das ist der einzige Weg, wie sie jetzt das reproduzieren können, was sie aufgenommen haben. Das ist nichts für uns.

Lauschsofa: Und wie seid Ihr mit Chris West zusammengekommen? Seid Ihr auf ihn zugegangen oder kam er und wollte mit Euch arbeiten?

Tim: Nun, man hat uns bei einem Festival in England Chris vorgestellt, er hat sich die Band angehört und am Ende des Festivals meinte er »Ok, Jungs, wann immer Ihr Euer nächstes Album aufnehmen wollt, ruft mich an und vielleicht können wir zusammenkommen und was miteinander machen.«. Also fand er die Band wohl richtig gut.

Jason: Das war vor zwei, drei Jahren…

Tim (lacht): Ja, das war dann doch schon ne ganze Weile her. Letztes Jahr kamen wir dann dazu, das neue Album aufzunehmen, und irgendwie hat es sich dann doch ergeben, dass wir ihn angerufen haben und gefragt: »Chris, gilt das Angebot noch?« Und er meinte »Ja, liebend gerne!«… und der Rest ist Geschichte. Und jetzt planen wir ein zweites Album mit ihm, so für den Herbst nächsten Jahres.

Lauschsofa: Inwiefern hat sich durch die Zusammenarbeit mit Chris Euer üblicher Aufnahme- bzw. Produktionsprozess verändert? Oder gab es da gar keine so großen Veränderungen?

Kurtis: Es hat sich nichts verändert.

Tim: Es hat sich sehr stark verändert…

Kurtis (lacht):

Tim: …was »Produktion« angeht.

Kurtis: Also, was ich sagen wollte: Die Art, wie wir aufnehmen, hat sich nicht groß verändert.

Jason: Ja, wir haben eigentlich in derselben Art und Weise wie bisher aufgenommen, aber es gab eine gewisse Routine… alles war einfach professioneller.

Kurtis: Er hat uns viel mehr angetrieben, er hat so viel mehr aus uns herausgeholt. Wir haben morgens um zehn angefangen und erst so gegen zwei, drei Uhr morgens ging’s dann so langsam in’s Bett.

Tim: Chris hat uns angetrieben, uns »bearbeitet« und er hat den Sound produziert – ohne ihn zu zerstören. Und ohne uns zu »zerstören«. Aber er half uns zu erkennen, dass da mehr dahintersteckt – hinter dem, was wir geschrieben haben, mehr als wir selbst wussten, weil er einfach den größeren Überblick hatte, über das »große Ganze«. Und das ist ja der Grund, warum man einen Produzenten hat, das ist der springende Punkt.

Jason: Die hören es, bevor Du es selbst hörst.

Tim: Ja, sie kennen das Endergebnis schon, bevor Du es selber kennst. Deswegen arbeitet man ja mit diesen Jungs, weil sie Erfahrung und Wissen mit ins Studio bringen.

Kurtis: Er war das vierte Bandmitglied.

Tim: Genau, für diese Zeit ist er ein viertes Bandmitglied.

Jason: Chris’ Arbeit hat sich ausgezahlt.

Lauschsofa: Und die ersten beiden Alben habt Ihr selbst produziert?

Kurtis: Ja.

Tim: Produziert ja.

Kurtis: Wir hatten jemanden, der sich um die Aufnahmen und so kümmerte, aber er hat nicht viel eingebracht was die Produktion angeht, das hatten wir so ziemlich allein in der Hand.

Tim: Es waren alles unsere eigenen Gedanken, im Grunde sind wir oft einfach auf was gekommen und sagten »oh, das funktioniert vielleicht, probieren wir’s aus«.

Lauschsofa: Und das neue Album kommt dann also im Herbst nächsten Jahres?

Tim: Ja. Also, das ist der Plan. Die Chancen stehen gerade sehr gut, dass wir nächstes Jahr eine neue Live-DVD von unserer Spanien-Tour rausbringen und auch eine Live-CD, worauf die Leute ziemlich heiß sind. Und natürlich hält das für uns den Ball am Laufen.

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Das neue Album kommt im Herbst 2011: Kurtis von The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Lauschsofa: Ok, zum Abschluss möchte ich Euch noch fragen, was Ihr gerade so an neuer Musik hört (alle lachen)

Tim: Nun, heute haben wir den ganzen Tag The Who Live angehört. Ist das neu? Ich meine, immerhin war es eine neue Tour… (alle lachen)

Lauschsofa: Gut, sagen wir es so: Gibt es neue Acts, die Ihr als »heiß« bezeichnen würdet? Die Ihr gut findet?

Jason: Wolfmother natürlich, wie schon gesagt… Kula Shaker, die sehr besonders waren, als sie vor zehn Jahren…

Kurtis (lacht): Na, das ist nicht wirklich neu, oder?

Jason: Ja, ok…

Tim: 22-20s…

Jason: Stimmt, 22-20s!

Lauschsofa: Haben Kula Shaker sich nicht aufgelöst?

Tim: Nein, nein, die spielen immer noch!

Jason: Kula Shaker sind wieder zusammen, touren immer noch, aber die nehmen’s jetzt echt sehr locker und haben sich viel mehr in Richtung Psychedelic bewegt. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie ein gutes Album rausgebracht, Strangefolk,  so vor zwei, drei Jahren. Ein sehr gutes Album… ach so, ja, die 22-20s, eine weitere ziemliche Underground-Band in UK, keine Ahnung, ob Du schon jemals von denen gehört hast…

Lauschsofa: Nein…

Jason: Die sind auch so eine Art Power-Trio, drei Mann auf der Bühne, gute Riffs, rocken einfach. Die sind eine weitere tolle Band. Wen gibt’s noch… (überlegt)

Tim: Wir hören noch Rage (Anm. d. Red.: Rage Against the Machine)

Jason: Ja, die hören wir dauernd…

Kurtis: Die sind aber auch nicht neu, das ist auch schon wieder 20 Jahre alt (lacht)

Tim: Ich denke, es ist schwierig in England Musik zu finden, mit der wir uns verbunden fühlen. Gut, es gibt viel Indie-Musik in England…

Jason: Wir mögen auch Kasabian z.B.…

Tim: … aber das trifft uns nicht wirklich in’s Herz, da ist nicht wirklich viel für uns drin.

Jason: Ja, Du hörst Dir Kasabian zwar an, aber das hinterlässt bei uns nicht so einen Eindruck wie »Oh wow, cool, wegen diesen Jungs wollten wir selbst eine Platte machen!«

Kurtis: Also, für mich persönlich war es wirklich so: die letzte Band, die ich gehört hab und gedacht »Wow, das ist fantastisch!« waren Wolfmother mit ihrem ersten Album. Mir fällt danach keine weitere Band ein, die ich als wirklich inspirierend empfand.

Tim: Ja, das war seit vielen Jahren das erste Album, das ich gehört habe und wo ich jeden einzelnen Track mochte. Das war alles so frisch, neu, hat Dich einfach gepackt… klar, mich bzw. uns jetzt eben, das gilt ja nicht allgemein für jeden. Darüber hinaus… ich entdecke immer wieder auch Bands von gestern…doch, wirklich, Bands aus längst vergangenen Tagen. Zur Zeit hören wir echt viel The Who.

The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Hören derzeit viel The Who: The Brew live im Sudhaus, Tübingen © Thorsten, Lauschsofa 2010

Jason: Und Man! Wir hören gerade eine Band, die Man heißt (lacht). Eine ziemlich undergroundige Progressive-Rockband aus Wales.

Tim: Die sind so von 1972 rum…

Jason: Die haben immer wieder versucht, den Durchbruch zu schaffen, aber es ist ihnen nie gelungen. Ist nie passiert, und irgendwann ging’s dann halt »boom«. Aber trotzdem ist das tolle Musik.

Kurtis: The Black Keys, das ist noch ne Band…

Tim: The Raconteurs…

Jason: Ja, The Raconteurs, eine andere großartige Band, fantastisch!

Kurtis: Ach stimmt, sorry, nicht Wolfmother, sondern The Raconteurs waren die letze Band, die ich gehört habe und dachte »Wow!«, deren letztes Album…

Jason: …Consolers Of The Lonely

Kurtis: …Consolers of the Lonely, ja, ein absolut unglaubliches Album! Jeder einzelne Song ist einfach fantastisch! Jack White an der Gitarre… eine wirklich tolle Band. Aber die gehen nicht auf Tour…

Jason: Ja, da muss man schon echt viel Glück haben, die mal live zu erleben. Scott, unser Roadie, hat sie mal gesehen.

Kurtis: Ich glaube, die haben sich nur zum Spaß zusammengetan, haben ein Album gemacht und das war’s. Aber das ist ne gute Band.

Lauschsofa: Jack White macht einem schon fast Angst, oder? Der macht einfach mal gutes Zeug hier, gutes Zeug da…

Kurtis: Oh ja…

Jason: Der Mann ist irre. Einfach irre.

Kurtis: Der muss so um die zehn verschiedene Bands haben… verrückt, oder?

Jason: Sein nächstes Projekt ist The Dead Weather, mit Alison Mosshart, der Sängerin von The Kills, Jack White spielt dieses Mal Schlagzeug, singt auch, ein richtig seltsamer Gesangsstil… dann sind noch dabei der Bassist von The Raconteurs und der Rhythmus-Gitarrist, halt nein, nicht Brendan Benson, sondern… ich glaube, der von Queens Of The Stone Age. Also wieder eine große Mischung von Leuten…und es ist abgefahrene Musik! Ich hab sie übrigens live gesehen, total zufällig, beim Glastonbury-Festival, das war so ein Überraschungsauftritt… und die haben mich total umgehauen, mir das Hirn weggeblasen. Im wahrsten Sinn sogar, denn es war so verdammt laut (lacht)! Was ja gut ist, laut ist gut! Erinnerst Du Dich an The Datsuns, eine Band aus Australien?

Lauschsofa: Hm, ja, ich erinnere mich dunkel an eine Band, die so hieß, aber ich komme gerade nicht auf einen speziellen Song…

Jason: Die gingen so in Richtung Wolfmother, erschienen ein paar Jahre vor Wolfmother auf der Bildfläche. Die hab ich auch mal gesehen, einfach nur tolle Riffs, irre Songs… einer der Songs heißt »Like A Motherfucker From Hell«, man kann sich also schon vorstellen was da abgeht… Starke Band, wirklich toll. Die haben mir auch förmlich das Hirn rausgeblasen. Wer fällt mir noch ein… Jet, die waren so die Mainstream-Rockband, die ich richtig gut fand.

Kurtis: Mmm, nee… nicht wirklich

Tim: Nee…

Jason: Ich mochte das erste Album Get Born echt gern ! Das stach echt heraus.

Kurtis: Ein bisschen zu… poppig.

Jason: Ja, aber sie hatten immer noch den Rock mit drin, das mochte ich. Damit sind sie nochmal davongekommen, sie hatten immer noch Rock, Gitarren… und tolle Songs. Das mochte ich.

Lauschsofa: Gut, ich würde auch sagen, das erste war gut, das zweite auch… aber das dritte… irgendwie wollte ich es nicht wirklich haben, weiß nicht…

Jason: Es hat Dir nichts gegeben…

Kurtis: War das das mit dem brennenden Van drauf?

Tim: Das schwierige dritte Album…

Jason: Nun, das zweite Album war auch kein so großer Erfolg für sie. Das erste, Get Born, war so ein Riesen-Erfolg, den konnten sie mit dem zweiten einfach nicht mehr erreichen. Das war echt schwer für sie. Aber in Australien sind sie immer noch Götter (lacht)

Lauschsofa: Also, Ihr habt das Problem mit dem schwierigen dritten Album ja bestens gelöst! Vielen Dank nochmal für Eure Zeit, ich freue mich schon auf den Gig nachher!


Vielen herzlichen Dank auch an Reinhard Buchmann von JAZZHAUS BOOKING :-)


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