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Abtrocken

4. November 2010

Wo früher einmal die Schulbank gedrückt wurde oder Augustiner Bettelmönche beheimatet waren, lässt man’s heute ordentlich krachen: Das Jugendhaus Kloster in Weil der Stadt lud zum Monastic Doom XXI mit Audiocæneat!, Blckwvs und Long Distance Calling – ein kurzer Rückblick.
Da war er also, unser alter Proberaum, und noch immer hat keiner den Boden abgeschliffen, Martin ;) Das Kloster in Weil der Stadt hat schon so manch krachende Musikveranstaltung gesehen, unvergessen die legendären Weihnachtskonzerte und vor allem Punkkonzerte jeglicher Couleur. Unvergessen auch, der häufig chaotische Rahmen, in dem so manche Veranstaltung ablief. Das hat sich wirklich deutlich geändert. Heutzutage nimmt man es fast schon zu genau, wer drei Tickets reserviert und dann nur zu zweit kommt bezahlt wieviel? Genau! Drei Tickets – naja, es kommt ja einer jugendfördernden Sache zugute. Aber immerhin sind ja die Getränkepreise noch human. Und auch das Damenklo ist inzwischen in einem Zustand, bei dem es merklich einfacher wird, es auch wieder zu verlassen (früher klebten die Schuhe so fest am Boden, dass das kein leichtes Unterfangen war). Alles in allem scheint man dort inzwischen bestens organisiert zu sein: keine langen Wartezeiten mehr beim Getränkeverkauf, Security, die für Ruhe bei den Rauchern sorgte und den Einlass gewissenhaft kontrolliert und auch ein Sound in einer Lautstärke, der einem nicht sofort sämtliche Gehirnmasse zwischen den Ohren durch die Nase herauspresst.

audiocaneat im kloster

Audiocæneat! aus Dresden brachten mit einer Mischung aus Shoegaze und Postrock cineastische Stimmung ins Weil der Städter Jugendhaus

Zum Konzert wollten wir vor allem wegen einer Band: Long Distance Calling. Aber das wir im Programm auch Audiocæneat! mitnehmen konnten, war eine gute Fügung. Die Dresdner Band, die es erst seit November 2009 gibt, spielen shoegazigen Postrock mit Gesangseinlagen, sehr atmosphärisch, kreativ, überzeugend. Sicherlich kann man an der einen oder anderen Stelle noch handwerklich nachjustieren, aber angesichts dieser recht kurzen Bandgeschichte, waren das doch sehr reife Songs, mit Loopuntermalungen, treibendem Songaufbau und einer gewissen Theatralik, die dieser Musik sicherlich gut steht. Der Gesang hätte für unseren Geschmack noch besser im Mix liegen können, erinnerte vom Stil ein wenig an Smashing Pumpkins oder Radiohead. Mit zwei Gitarren, einem Bass, Schlagzeug und jeder Menge digitalem Geräusch und Beat konnte die junge Band das Publikum zwar nicht sofort überzeugen, aber das baute sich ebenso dynamisch auf wie die Songs selbst; man hätte durchaus auch noch länger spielen können. Ja wenn, wenn da nicht das berühmte Problem bestünde, zu einem solchen Zeitpunkt noch nicht genügend Songs auf Lager zu haben ;) Da liegt die Kraft in der Wiederholung, und man darf auf die kommenden Konzerttermine der Jungs und vor allem das Album gespannt sein, das ab 10. November erhältlich sein wird (weitere Termine s.u.). Wer sich Audiocæneat! anhören möchte, kann sich auf postrockendes Kino im Kopf freuen – und auf die beste Idee seit es Gigs gibt, Pausen zu überbrücken: Man lässt einfach die Geräuschkulisse in den Pausen stehen. Da hätte sich so manche Band die lästige Diskussion über die richtige Ansage wirklich sparen können – danke für diese grandiose Idee!

audiocaneat im kloster oktober 2010

Davon hätten wir gerne mehr gehört: Der Gesang im Stil von Radiohead ging leider etwas unter im Mix

Headliner Nummer 2 im Programmablauf waren BLCKWVS (Blackwaves) aus Münster und Co. – ursprünglich angekündigt für 21.30 begann das Konzert aufgrund »personeller Schwierigkeiten« erst kurz nach 22 Uhr. Deren düsterer Metal-Instrumental-Psychedelic-Postrock war uns nach kurzem Reinhören dann doch ein wenig zu düster-doomig und vor allem zu laut und infolge dessen, leider zu undifferenziert. Was schade war, sonst hätten wir uns vielleicht noch einem intensiveren Gehörgang unterzogen. Vielleicht können wir diesen für die Band bei Gelegenheit mal nachholen (nachdem man ja schon bei der US-Tour enormes Pech hatte). Wer auf ein düsteres Gitarrenbrett inklusive Synthesizer steht, kann BLCKWVS im November und Dezember noch live bestaunen (Termine s.u.).

long distance calling, kloster, weil der stadt

Fantastische Stimmung im Klostersaal: Long Distance Calling brachte uns ordentlich ins Schwitzen.

Und dann – endlich! – war es gegen 23 Uhr soweit. Long Distance Calling gaben sich im Schwabenland die Ehre. Und das nach Gigs mit Anathema, Katatonia oder Opeth. Warum sie trotzdem noch ihren Gig in Weil der Stadt nachgeholt haben, haben sie uns übrigens hier verraten. Ein fast zweistündiges Set brachte den kleinen Saal zum Kochen und Dampfen, und Jule einige schöne Gänsehautmomente :) Wir hatten nach dem letzten Gig im Stuttgarter Universum (Tour mit Nihiling, Oktober 2009) ja eine ziemlich hohe Erwartungshaltung, die absolut bestätigt werden konnte. Eine gute Mischung aus Songs der beiden ersten Alben und zwei Songs des im Februar 2011 erscheinenden Albums ließen kaum Zeit zum Durchatmen. Und abgesehen davon war der Sound für Jugendhaus-Verhältnisse absolut genial: transparent, nicht zu laut, drückend, genau richtig für die rockigen Klänge der Münsteraner. Einzig der Rechner von Bandmitglied und Ambient-Beauftragten Reimut hatte ein wenig Schwierigkeiten mit der schwäbischen Sauna. Da konnte die fast schon THW-taugliche Windmaschine aus dem Kloster zum Glück Abhilfe schaffen.

ldc im kloster

Wie immer beeindruckend war die Lightshow von Long Distance Calling – zu jedem Song punktgenau passend.

Denn der Dampf im Club kam nicht nur aus der Nebelmaschine: ein absolut begeistertes Publikum dampfte ebenfalls munter vor sich hin. Eine Stimmung, die sich durchaus gegenseitig befruchtete: Auch auf der Bühne war die Stimmung ziemlich gut – und verschwitzt. Ja, da schlagen so manche Frauenherzen höher, wenn Gitarrist Flo die Hüllen fallen lässt. Weiterhin lobenswert zu erwähnen, ist die stimmige Lightshow, die Long Distance Calling wieder im Gepäck hatten. Und dass diese Band trotz des großen Erfolges immer noch eine Band zum Anfassen, mit Nähe zum Publikum ist, bewiesen die Bandmitglieder auch am Merchandisingstand. Hier verkauft man immer noch selbst und hat immer ein paar Minuten Zeit, um sich mit Fans zu unterhalten. Oder auch andere kennenzulernen wie Claudia aus Stuttgart, deren ergatterte Setlist wir netterweise ablichten durften :)

setlist

Die Setlist von LDC im Kloster – inklusive zweier neuer Songs »Boogie« und »Black Wide Open«.

kloster im nebel

Diese Mal liegt es nicht nur an der Bildqualität: Das Jugendhaus glich nach dem Auftritt von Long Distance Calling einer finnischen Schwitzhütte, inklusive feuchter Decken ;)

Wer auf den Geschmack gekommen ist, den ein oder anderen Act selbst live zu erleben, dem sind einige Möglichkeiten geboten:

Audiocæneat! bei MySpace

Besetzung:
Oliver Säglitz (vocals/guitar)
Hans Wenke (guitar/vocals)
Thomas Jakob (bass)
Paul Wollstadt (drums)

Termine (Release-Tour/Red Sessions):
10. November 2010, Dresden @AZ Conni
11. November 2010, Potsdam @Archiv
12. November 2010, Radebeul @Barnyard
13. November 2010, Rostock @MS Stubnitz
17. November 2010, Koblenz @Zirkus Maximus
18. November 2010, München @Garage Deluxe
19. November 2010, Böblingen @Casa Nostra
20. November 2010, Nürtingen @Die Villa
27. November 2010, Obercunnersdorf @JCOC
19. April 2011, Dresden @Societätstheater
18. Juli 2011, Dresden @Café 100

BLCKWVS bei MySpace

Besetzung:
Steve (guitar)
Tommec (drums)
Frank (synths)
Chris (bass)

Termine:
5. November 2010, Hannover @Stumpf Fest
6. November 2010, Lustenau (AT) @FORALLTHECOWS-FESTIVAL
20. November 2010, Leipzig, Connewi @Doom over Leipzig
4. Dezember 2010, Hammerstadt @Rietschen
5. Dezember 2010, Marburg

Long Disctance Calling bei MySpace

Besetzung:
Dave (guitar)
Flo (guitar)
Jan (bass)
Reimut (ambience)
Janosch (drums)

Termine:
aktuell:
3. Dezember 2010 St. Gallen (CH)@Grabenhalle
4. Dezember 2010 Olten (CH)@Schützl/MAd Santa Festival

(Release-Tour):
18. Februar 2011 Münster @Metropolis Club
19. Februar 2011, Köln @Underground
20. Februar 2011, Hamburg @Knust
21. Februar 2011, Dresden @Beatpol
22. Februar 2011, München @Hansa 39

Präsentiert von VISIONS, ROCK HARD, ECLIPSED, GITARRE & BASS, LAUT.de, METAL.DE

Jugendhaus Kloster im Web

Weitere Klostertermine:
Weihnachtsfestival
17.–18. Dezember 2010 (mit ein paar Bekannten vom Warmbronner Open Air)
Bisher bestätigt sind Disillusion (Metal), Stereochrist (Southern Rock und Metal mit 80iger Zitaten), Credic (Death Metal), Death by my Side (Death Metal), The Mellers (Ska/Punk), Transmitter (Electronic/Alternative), Yakuzi (Trompeten-Punk) und Zionrockers (Reggae).

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2 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2010 21:53

    Sehr aufmerksam: die Klosterleitung, der Abt himself quasi, hat sich bei uns gemeldet und die Sache mit den Karten geklärt (er schlug vor Geld zurück, wir haben einen nicht abzuschlagenden Gegenvorschlag gemacht ;). Wenn euch also sowas an der Klosterkasse passieren sollte – wovon wir mal nicht ausgehen – gleich meckern, denn das war nicht im Sinne des Erfinders. Super reagiert, danke dafür!

Trackbacks

  1. »Luft nach oben« «

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