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»Luft nach oben«

4. November 2010

teaser ldc interviewDave, Flo und Reimut von Long Distance Calling gaben dem Lauschsofa beim Abbau ein unterhaltsames Interview am Bühnenrand und sprachen mit uns über ihre bisherigen Erfolge, deutsche Radiokultur, die Aufnahmen zum neuen Album und ihre Wunschpartner auf der Bühne.

Lauschsofa: Einmal quer durch Europa und jetzt in Weil der Stadt – wie kam’s dazu?

Flo: 2008 waren wir schon einmal kurz nach dem Release zu Satellite Bay hier im Jugendhaus (Anm. d. Red. Monastic Doom XV, 2008) zu Gast und hatten für 2009 einen zweiten Gig zugesagt. Das hat aus mehreren Gründen nicht geklappt, zumal der angesetzte Termin 2009 mitten in die Tour mit Katatonia fiel – was wir vorher eben nicht wussten. Und wir hatten versprochen, den Gig auf jeden Fall nachzuholen.

Aber auch das macht eine Band mit eurem Status ja nicht ohne weiteres, vor allem zu dem doch »ländlichen« Ticketpreis…

Dave: Versprochen ist versprochen und da wird auch nicht dran gerüttelt. Das wäre auch nicht unsere Art, auf einmal zu sagen »Nö, jetzt spielen wir nicht mehr.«

Und euren Tourbus fahrt ihr immer noch selbst?

Dave: Ja klar. Anders ist es echt nicht machbar.

ldc im kloster

Erfolgreich auf den Bühnen Europas unterwegs – aber den Auf- und Abbau erledigen sie immer noch selbst: Long Distance Calling aus Münster

Habt ihr noch Crew mit auf der Tour?

Dave: Heut ist ein Kumpel mitgekommen, der auch Spaß dran hat, ein paar Fotos zu schießen. Ansonsten haben wir keine feste Crew im eigentlichen Sinn.

…und baut also noch selbst auf und ab.

Dave: Ja,wir erledigen die Arbeit noch selbst.

Die letzten Konzerttermine hören sich dagegen ziemlich mächtig an: ihr wart, wie erwähnt, mit Katatonia auf Tour, schon länger her sind zwei Termine mit Opeth und jetzt aktuell mit Anathema auf Europas Bühnen. Gibt’s da noch eine Steigerung?

Dave (grinst): Ja klar, da ist noch ordentlich Luft nach oben! Absolut geil wäre Tool (Flo sieht das übrigens auch so) oder auch Porcupine Tree. Das wäre auch durchaus nicht unrealistisch.

Flo: Porcupine Tree ist wesentlich realistischer als Tool, weil Tool zum einen nur alle 5 Jahre mal nach Deutschland auf Tour kommen. Und weil Tool auch selten mit Vorband spielen.

Dave: Natürlich würde da ein Traum in Erfüllung gehen, aber leider ist es mehr als unwahrscheinlich.

Und mit Anathema ist der Kontakt zu Herrn Wilson sicherlich ganz gut … (Anm. d. Red. Steven Wilson ist Produzent von Anathema, die auch auf einer der vergangenen Touren von Porcupine Tree im Vorprogramm spielte)

Dave: Steven Wilson kennt unsere Musik zumindest ;)

ldc

Steven Wilson kennt ihre Musik auch schon – ob man LDC wohl demnächst im Vorprogramm von Porcupine Tree bestaunen darf?

Wen würdet ihr denn gerne in euer Vorprogramm nehmen?

Dave: Ich hätte mal wieder extrem große Lust mit Leech zu spielen. Das ist die Schweizer Band mit der wir damals die Split-EP aufgenommen haben (090208, erschienen bei Viva Hate, Anm. d. Red.). Oder auch wieder mit Nihiling, mit denen wir schon 2009 zur Avoid the Light-Tour unterwegs waren. Das war extrem entspannt und angenehm.

Habt ihr das Gefühl, dass Postrock aktuell deutlich an Aufwind bekommen hat?

Flo: Absolut.

Dave: Voll. Man merkt es allein daran, dass die Reaktionen auf »Wir machen Instrumentalmucke« sich deutlich verbessert haben. Früher war das eher langweilig, inzwischen ist es eher cool, interessant, akzeptierter und wird einfach spontan viel besser aufgenommen.

Habt ihr trotzdem das Gefühl, dass es für dieses Genre noch ein wenig Nachholbedarf, z.B. beim Radio gibt?

Flo: Ja klar, aber das kann man ja nachvollziehen. Radiomucke geht halt auf Nummer sicher, »easy listening«, alles was problemlos nebenbei laufen kann. Und eben nicht Musik, mit der man sich eher ein wenig beschäftigen muss oder die etwas mehr Aufmerksamkeit benötigt.

Dave: Radiomusik hat für meine Begriffe – mal völlig unabhängig von Instrumentalmucke – ordentlich Nachholbedarf. Mein Eindruck ist, dass sich hier seit den letzten 15 Jahren nichts mehr bewegt.

Flo: Bei den meisten Sendern läuft anspruchsvollere Musik ja kaum vor 23 Uhr, wenn sie überhaupt läuft. Oder es gibt vielleicht mal eine Sondersendung alle Jubeljahre mal. Wir gehören auch definitiv nicht zu der Abteilung »Radioband«. Wenn wir darauf aus wären, im Radio gespielt zu werden, würden wir…

Reimut: … Kylie Minogue als Gastsängerin haben…

Flo: …ja, genau :) – Wir würden auf jeden Fall nicht diese Art von Musik machen.

In welchen Ländern läuft das eurer Ansicht nach besser?

Flo: Als ich letztes Jahr in Schweden war, gab es beispielsweise einen Sender wo die ganze Nacht hindurch nur, sagen wir mal, anspruchsvollere Rockmusik oder eben auch Black Metal lief. Das wäre hierzulande undenkbar.

Dave: Polen ist sicherlich auch ein gutes Beispiel. Die gesamte europäische Radiolandschaft kenne ich natürlich nicht, aber es ist zumindest so, dass es bei unseren Nachbarn etwas weiter gefasste Optionen gibt. Und wünschenswert wäre es hier sicherlich.

ldc interview

Hier baut man noch selbst ab: Dave (im Vordergrund) beim Interview am Bühnenrand, im Hintergrund Reimut, der den »heißen« Rechner wieder einpackt.

Ihr wart aktuell im Studio, die Aufnahmen werden derzeit gemischt…

Dave: Die Aufnahmen sind sogar schon fertig gemischt und gemastert. Vorgestern haben wir das erste Master erhalten.

Herzlichen Glückwunsch!

Reimut (grinst): Du hast es ja noch nicht gehört, also freu Dich nicht zu früh!

Wirklich unglücklich wirkt ihr aber nicht gerade…

Dave: Wir sind megazufrieden! Das ist mit Abstand die für uns coolste Platte, die wir je gemacht haben.

Warum die Horus-Studios? Angenehmer Zufall?

Dave: Nein, wir haben schon intensiv gesucht, was gut zu uns, unserer Musik passt und was in unseren Möglichkeiten liegt. Wir sind einige Monate vor den Aufnahmen dort gewesen…

Reimut: Drei Stunden Vorgespräch! Wo wir hinwollen, was wir uns wünschen…

Flo: Dort hat man genau verstanden, was wir wollten und man war offen für alles. Bereits beim Vorgespräch war klar, dass das sehr gut funktionieren würde.

Produziert wurde wieder selbst?

Dave: Ja, genau. Benni Schäfer, der Engineer vor Ort, hat die Aufnahmen mit uns gemacht.

Flo: … und hat auch ein wenig mitproduziert bzw. uns ein paar wertvolle Anstöße gegeben.

Reimut: Im Endeffekt wurden die Songs, so wie wir sie geschrieben haben, auch genauso aufgenommen. Hier wurde also nichts am Grundgerüst geändert.

Flo: Die Soundfrage haben wir dann zusammen erarbeitet. Wir haben relativ viel ausprobiert und auch seine Kritik aufgenommen und versucht das in ein ideales Fahrwasser zu bringen. Das hat mitunter etwas länger gedauert, aber im Studio sollte man eben auch offen sein für neue Ideen, die sich aus dem vorhandenen Material ergeben.

Dave: Aus diesem produktiven Teamwork entstand dann auch ein Ergebnis, mit dem alle zufrieden sind.

Flo: Wir waren bei diesem Album auch sehr engagiert was die Sounds angeht. Wir haben fast bei jedem Song andere Amps benutzt.

Dave: Das war sicherlich auch die erste Aufnahme, bei der wir mehr Zeit mit dem Austesten von Sounds als mit dem tatsächlichen Einspielen verbracht haben. Das hört man dem neuen Album auch an, die Sounds sitzen einfach.

Flo: Gerade bei unserer Musik ist es enorm wichtig, dass man Abwechslung in den Sounds hat, dass Platz ist für Experimente aber die Sounds eben auch perfekt ineinander greifen.

Dave: Beim Einspielen hat man manchmal das Gefühl, das irgendwas nicht richtig durchkommt oder nicht in den Mix passt. Und genau an der Stelle sind die richtigen Sounds eben das Zünglein an der Waage. Manchmal entdeckt man den richtigen Dreh schon nach zwei Minuten und im schlimmsten Fall erst nach zwei Stunden – was uns bei diesem Album tatsächlich mal passiert ist. Aber lieber hat man diesen Stress beim Aufnehmen und nicht erst im Mix, denn da wird es noch schwieriger.

ldc interview

Freut sich auf die bisher analogste Platte von LDC: Gitarrist Dave »Sustain«.

Die Sounds klingen also deutlich analoger?

Reimut: Das ist sicherlich die analogste Platte, die wir bisher produziert haben.

Flo: Und das eben nicht nur bei den Gitarren sondern – auch wenn es natürlich vom Prinzip her digital bleibt – auch bei den Sounds, die Reimut beigesteuert hat. Beispielsweise die Orgelparts… Auch wenn andererseits viele elektronische Parts mit eingeflossen sind, der Mix ist einfach gut.

Reimut: Man muss sich eben auf den wahren, echten, ursprünglichen Rave besinnen ;)

Wo geht der Sound insgesamt hin?

Dave: Wir mischen den Spirit der Siebziger mit den Sounds von heute.

Einen der beiden neuen Songs, die ihr vorgestellt hattet, klang auch so ein wenig nach Wolfmother…

Flo: Oder eben Led Zeppelin ;) Wobei dieser Song (Anm. d. Red. »Boogie«) auch der extremste in diese Richtung ist.

Was dürft ihr denn schon verraten, Name etc. ist natürlich tabu, aber wie lang ist das neue Album denn?

Dave: Es variiert um eine Minute – in welche Richtung verrate ich aber nicht…

Wieviel Vocalstücke?

Dave: Eines.

Da seid ihr also nicht vom Gewohnten abgewichen. Vermutlich werdet ihr auch nicht verraten wer mitsingt?

Alle: Nein…

Der alte Münsteraner Roland Kaiser ist es also nicht?

Dave: Nein, es ist jemand über’n großen Teich.

Flo: Roland Kaiser wäre natürlich auch fett gewesen…

Dave: Tja, wir haben auch über Udo Lindenberg nachgedacht ;)

Reimut: Und es ist auch nicht Axl Rose ;)

Erscheinungsdatum? Anfang 2011?

Dave: Am 18. Februar 2011 wird das neue Werk erscheinen, wieder bei Superball…

Dürfen die Fans sich auf schöne Schmankerl freuen?

Dave: Wir werden definitiv vorab mal einen Song als Appetizer hochladen, wann genau steht noch aus. Weitere News werden nach üblicher Manier nach und nach gestreut.

Gibt es wieder eine Vinyl-Ausgabe?

Dave: Natürlich! Und dieses Mal, als absolute Premiere, werden wir ein eigenes Vinyl-Master haben!

Reimut: Es wird einen eigenen Vinylschnitt von dem großartigen Dubplates Mastering in Berlin geben. Die sind zwar eher bekannt als Pioniere im Dub-Techno-Bereich, wie z.B. für Masterings für Moritz von Oswald und Mark Ernestus (Anm. d. Red. Auch bekannt unter Basic Channel, zwei hochangesehene Produzenten in diesem Bereich); aber unsere Musik funktioniert einfach unglaublich gut auf Vinyl und der Engineer vor Ort wird sicherlich sehr gute Arbeit leisten. Wir sind sehr gespannt!

ldc

Noch zwei Konzerte, dann geht es in die wohlverdiente Winterpause. LDC kann man dieses Jahr nur noch in der Schweiz live erleben. Die ersten Dates für die Releasetour stehen aber auch schon fest.

Nach Studio und Konzerten gibt es erstmal eine Winterpause?

Dave: Ja, im Dezember gibt es noch zwei Konzerte und danach pausieren wir bis zur Releasetour 2011. Die startet dann im Februar 2011 zunächst mit einem Termin in Münster, die übrigen Dates sind inzwischen größtenteils online.

Probt ihr immer noch quer durch Deutschland verteilt?

Dave: Janosch, Flo und ich wohnen in Münster, Jan in Dortmund, das ist noch relativ nah und Reimut wohnt mittlerweile in Berlin. Was leider noch weiter ist als Mannheim. Aber wir behalten die Arbeit nach wie vor bei – das hat bei den anderen Platten auch schon gut über’s Internet funktioniert. Wir nehmen in unserem Proberaumbunker Sachen auf, schicken es rüber zu Reimut, der dann ein paar Sachen dazu bastelt. Dann wird natürlich ein wenig hin- und her diskutiert, via Mail oder Telefon.

Flo: Gerade bei der neuen Platte habe wir an Reimuts Part noch intensiver gearbeitet. Das funktioniert auch über die Distanz recht gut.

Ihr wirkt als Band trotz des Erfolges sehr entspannt und gefestigt. Was erdet euch und was treibt euch an?

Dave: Wir machen Musik, weil wir daran sehr viel Freude haben und es uns erfüllt. Und es macht den Anschein, als wären wir nicht so schlecht darin. Somit unterscheiden wir uns eigentlich nicht von jemandem, der seinen Job mag und mit einer ähnlichen Einstellung agiert (mal abgesehen davon, dass wir davon nicht leben können…). Der einzige Unterschied besteht darin, dass mit dem was wir machen ein größerer Bekanntheitsgrad einhergeht und darauf kann man sich einfach nichts einbilden.

Vielen Dank für Eure Zeit und das unterhaltsame Gespräch!! :))

Anmerkung: Inzwischen gibt es auf Youtube bereits zwei kurze Videos zu den Aufnahmen in den Horus Studios zu sehen (in unserem Lauschsofa-Kanal auch zu finden) und auch erste Konzerttermine sind bekannt (siehe hier). Weitere News zum neuen Album werden wir – wie immer – hier als Kommentar posten.

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2 Kommentare leave one →
  1. 17. November 2010 21:12

    So, ein weiteres Häppchen wurde uns soeben via Facebook zugetragen: Long Distance Calling wird auch das Album heißen (zumindest die Version, die in den USA veröffentlicht wird – wer weiß, vielleicht gibt es ja da noch eine Überraschung…), erscheinen wird es auf dem dortigen Markt erst am 22. Februar.

  2. 10. Dezember 2010 14:16

    Weitere Konzerttermine wurden heute via Facebook bekanntgegeben http://on.fb.me/goKxk5 leider ohne Termin in Baden-Württemberg dafür aber zusammen mit maybeshewill in UK. Außerdem drehen LDC derzeit bei Eiseskälte ein neues Video, davon gibt es sicherlich auch demnächst mehr zu sehen als »nur« ein Foto bei Facebook.

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