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Moddi-fiziert

12. Oktober 2010

Zufälle gibt es im Leben – und manchmal richtig glückliche: eben noch auf dem Lauschsofa »ge-reviewed«, machte Moddi auf seiner verkürzten Mini-Tour im September auch in Stuttgart Halt, um seine aktuelle EP rubbles und Teile seines Albums floriography vorzustellen. Zusammen mit der Cellistin Ofelia Østrem Ossum bot er im Kulturverein Merlin im Rahmen der »Klinke 21« Konzertreihe ein beeindruckend emotionales Konzert und beantwortete uns außerdem bei einer heißen, weißen Schokolade ein paar Fragen.


Zum ersten Mal im Rahmen der Konzertreihe »Klinke 21« ist der Zuschauerraum des Merlin fast komplett bestuhlt. Ein Umstand, der der Stimmung während des Konzerts des Norwegers Moddi durchaus gut tut. Während der Songs ist es beinah mucksmäuschenstill und das Publikum wie gebannt von den beiden jungen Künstlern, die auf ihrem kurzen Deutschlandbesuch auch in unseren Breiten Station machten. Bereits einen Tag vorher konnte man die Zuschauer in Hannover so begeistern, dass der Merchandisingstand nur noch einige restliche EPs, einen Livemitschnitt (selbstgebrannt und -gebastelt) und 2 Vinylausgaben des Albums hergab – in der CD-Version war floriography bereits ausverkauft. Aufgrund der Großdemo am Hauptbahnhof hatte man sich im Merlin entschieden, den Konzertbeginn auf 21:30 Uhr zu verschieben. Der Saal war gut gefüllt, nicht alle Sitzplätze reichten für den Besucherandrang aus. Was sicherlich auch an dem »Eintritt frei – wer will, schmeißt was in den Hut«-Konzept liegt. Das hat auch in diesem Jahr, dem 21. der Klinke,  wieder gut funktioniert. Und an diesem Abend sogar ganz besonders gut: so spendierfreudig wie nach Moddis Auftritt sei das Publikum während des vergangenen Festivals selten gewesen. Offensichtlich kam der Norweger im Süden der Republik bestens an.

 

Auftritte von selten gewordener Intensität: Moddi © Julia Graff/Lauschsofa, Stuttgart

 

Traditionell begann Moddi das Konzert im Vorfeld mit Songs vom Band seiner derzeitigen Lieblingsband ADJÁGAS, die ebenfalls im Wettbewerb um das a-ha Stipendium teilnahmen. Folkig-sphärische Musik aus Norwegen, eine sehr passende Einstimmung für den Gig. Ein solch eingestimmtes Publikum ist denn auch bestens vorbereitet, für ein wirklich intensives, intimes und beeindruckendes Konzerterlebnis. Lauscht man den ersten Klängen von Akkordeon und Cello weiß man schnell: abgerockt und gemosht wird hier nicht. Man darf sich einlassen auf eine Unplugged-Atmosphäre und einen Auftritt von selten gewordener Intensität. Die meiste Zeit hält er die Augen geschlossen, Dunkelheit ist für Moddi »essenziell wichtig, um kreativ zu sein«, wie er uns im Gespräch erzählte. Selbst wenn seine Musik nicht spontan den Geschmack eines jeden trifft oder dem ein oder anderen zu wenig abwechslungsreich erscheint; er versteht es, sein Publikum mit seiner Performance zu fesseln, und es dazu noch in den Pausen gut zu unterhalten. Mal nachdenklich, melancholisch wie seine Kompositionen auch, mal witzig und spontan: seine Songs sind immer verknüpft mit kleinen Geschichten und Begebenheiten, die jeder nachvollziehen kann. Und vielleicht dient der Norwegerpulli, den er sich eigens zum Auftritt übergezogen hat, auch dem selbstironischen Spiel mit Klischees? Zuzutrauen wäre es ihm ;-)

 

© Julia Graff/Lauschsofa, Stuttgart

 

Moddi bevorzugt es, mit dem Publikum zusammen in einer Art Unplugged-Atmosphäre zu sitzen: »Ich hätte ihnen sowieso gesagt, sie sollen sich auf den Boden setzen«, wenn das Merlin nicht von sich aus bestuhlt hätte. Mit kompletter Band können wir uns ein solches Konzert auch noch energetischer vorstellen, aber die Duo-Lösung mit Cellistin Ofelia Østrem Ossum ist ein echter Gewinn, nicht nur stimmlich harmonieren die beiden bestens.

Die eigentlich auf vier Termine angesetzte Mini-Tour musste übrigens aufgrund des a-ha-Supportgigs leider verkürzt werden: »Ich hätte gerne auch in Dresden gespielt, aber so eine Chance kann man sich einfach nicht entgehen lassen.« Lustig sind allerdings die Umstände, wie Moddi überhaupt zu den vier Terminen kam: »Dennis – ein befreundeter Musiker – hat meine MySpace-Seite einfach weitergeleitet, und eines Tages meldete sich dieser Typ bei mir und fragte mich, ob ich eine Tour machen wollte. Ich hab mich für das Angebot bedankt, aber ihm auch gesagt dass das Problem ist, dass ich schon einen Booking-Agenten in Deutschland habe. Aber das war ihm egal, der wollte gar nichts dafür haben. Der wollte mich nur unbedingt hier auf Tour schicken.«

 

Zwischen den Songs gibt es auch kleine witzige Geschichten © Julia Graff/Lauschsofa, Stuttgart

 

So ähnlich muss es ihm auch bei der Arbeit im Studio mit Valgeir Sigurdsson ergangen sein. Der Produzent und Ex-Björk-Sideman wollte nach dem Hören des »Schlafzimmerdemos« – auch seine Aufnahmen und Kompositionen verfasst Moddi gerne in dunkler Umgebung – unbedingt mit ihm arbeiten. Sein Greenhouse in Island war Moddis erste und ziemlich passende Wahl. Latürnich ist Björk einzigartig, doch wie oben schon erwähnt, verfügt Moddi über eine Ausdruckskraft bzw. auch eine gewisse »Ursprünglichkeit«, die manchmal durchaus an die Isländerin erinnern. Ein Vergleich, mit dem er übrigens gut leben kann: »Björk ist ja gar kein so schlechtes Vorbild ;)…« Die Arbeit mit Sigurdsson verlief übrigens äußerst harmonisch und partnerschaftlich, wenn es auch vielleicht zu Beginn etwas »schwierig« war. Auf die Frage, ob er das Gefühl gehabt hätte, Sigurdsson hätte versucht ihm irgendwie einen Sound »aufzudrücken«, meint Moddi: »Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, es war für ihn aber erst etwas ungewohnt, dass ich schon so klare ausgearbeitete Vorstellungen hatte und schon vieles vorbereitet.« Zum Beispiel stand für Moddi auch von vornherein fest, dass er keine Elektronik-Sounds auf seinem Album haben möchte, sondern ausschließlich akustische Instrumente: »Mir geht es auch darum, einfach gute Songs für sich zu machen, die in jeder Besetzung funktionieren. Egal ob ich wie heute zu zweit, alleine oder mit der ganzen Band auftrete.« Ebenfalls beeindruckend, dass die Songs teilweise live mit der Band eingespielt wurden – im verdunkelten Studio, versteht sich. Zwei Wochen reichten für die Aufnahmen allerdings nicht aus…der Rest wurde in den Propeller Studios produziert.

Bei der anschließenden Suche nach einem Label für das fertige Album stieß Moddi auf eine Vielzahl an Interessenten, aber nur bei Propeller Records hatte er ein gutes Gefühl, das ihn überzeugte: »Als das Album fertig war, hab ich es an einige Labels geschickt, und von überall her kam ›wow, das ist toll, klar, das bringen wir raus!‹ – aber Propeller waren die einzigen, die auch kritisch waren und gesagt haben ›ok, das und das ist echt gut, hier und hier müssen wir noch arbeiten‹.«

 

Musiker mit Haltung und Überzeugung: Moddi © Julia Graff/ Lauschsofa, Stuttgart

 

Und wie war das nun eigentlich mit dem a-ha-Stipendium? Moddi erklärt: »In Norwegen gibt es einige Musikförderprogramme, und Magne (Furuholmen, Keyboarder von a-ha – Anm. d. Red.) saß dieses Jahr in der Jury einer dieser Wettbewerbe, dem Statoil Stipendium, zu dem jeder Künstler, der beim by:larm-Festival spielt, automatisch angemeldet wird. Aber einige der Musiker wollten nicht mit der Ölindustrie in Verbindung gebracht werden.« Und zieht zur Verdeutlichung sein blaues »Vindkraft«-T-Shirt zurecht. »Da hatte Magne die Idee, mit a-ha ein eigenes Förderprogramm aufzuziehen. Vierzig kamen dann in den Wettbewerb, acht in die engere Auswahl und zum Schluss blieben vier übrig.« Und Moddi war dabei und ergatterte eines der mit 1 Mio. NOK (150.000 EUR) dotierten Stipendien. Und worin besteht das – bekommen die Stipendiaten den Batzen Geld und sollen dann selbst sehen wie sie damit klarkommen? Moddi lacht: »Nein, das Geld werde ich wohl nie sehen. Es geht da schon um konkrete Unterstützung, und es gibt da auch keinen festgelegten Zeitrahmen. Ich habe jetzt z.B. Tipps in Management-Fragen bekommen. Und klar, auch sowas wie der Auftritt morgen mit a-ha (04.09.2010 in Trondheim– Anm. d. Red.) gehört dazu.« Als er uns das auf dem Sofa im Kap Tormentoso erzählt, meint er noch, dass er wegen diesem 17.000-Zuschauer-Gig keinen besonderen Bammel hätte – wie man aber am darauffolgenden Tag auf Facebook lesen konnte, sollte das wohl noch ein bisschen kommen (Status-Post am 05.09.2010: »Moddi  had 17.000 butterflies in the belly yesterday. Thanks to a-ha for a great chance!«) ;-) Doch Moddi ist alles andere als ein betont auf abgebrüht machender Jung-Rockstar, sondern hat kein Problem damit auch Schwächen und Unzulänglichkeiten offen zuzugeben: »Nein, wenn ich Songs schreibe, gibt es keine Aufnahmen. Mit der Technik und dem Equipment  kann ich überhaupt nicht umgehen. Ich kann auch keine Noten aufschreiben wie Ofelia es z.B. macht. Und meine ganzen Textideen, die während des Schreibens kommen, notiere ich auf lauter kleine Post-it-Zettel.« Seit er allerdings nach Oslo gezogen ist, ist es mit dem Komponieren sowieso etwas schwieriger geworden, denn wie bereits erwähnt ist Moddi gerne im Dunkeln bzw. nachts kreativ: »So zwischen zwölf und vier ist eigentlich die beste Zeit.« Leider verträgt sich das nicht so ganz mit Osloer Mietwohnungen, zumal wenn das Instrument der Wahl ein Akkordeon ist. Und überhaupt: »Ich hab immer auch ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich erst nach 09:00 Uhr aufstehe.« Tja, irgendwas ist halt immer ;-)

 

Live kann man das Akkordeon zum Glück ganz ohne Rücksicht auf Nachbarn spielen ;-) © Julia Graff/Lauschsofa, Stuttgart

 

Interessant wird es auch, wenn Moddi von seinen musikalischen Wurzeln und spezieller musikalischer »Erziehung« erzählt: »Ja, meine Mutter und mein Vater haben auch Musik gemacht, sie haben sich sogar in einer Band kennengelernt. Mein Vater spielte dort Schlagzeug, meine Mutter Klavier. Als ich klein war, durften wir aber gar keine Musik hören oder CDs kaufen, meine Mutter meinte, wir könnten auch selbst Musik machen.« Befohlen Gesagt, getan. Irgendwann fing Moddi dann auch an, selbst in Bands zu spielen, in ganz unterschiedlichen Richtungen, z.B. Trompete in der Schulkapelle, am Bass und als Rapper war er ebenfalls aktiv. Aber latürnich ließ sich das CD-Verbot nicht auf ewig durchhalten – und was war das so für Musik, die er gehört hat als er dann durfte? »Das ging so ziemlich die Richtung, die ich jetzt selbst mache, Radiohead, Sigur Rós, Jeff Buckley, Damien Rice…«

 

Stimmlich und instrumental ein Gewinn: Ofelia Østrem Ossum © Julia Graff/Lauschsofa, Stuttgart

 

Dass Moddis Musik spätestens in voller Besetzung für jeden wohl abwechslungsreich genug sein sollte – davon wird man sich ja am 15. Oktober (also schon am Freitag!) überzeugen können, wenn die EP rubbles auch hierzulande erscheinen wird, passend zu Herbst und Vorwinterstimmung. Oder auch live im November, wenn Moddi als Support zusammen mit Angus & Julia Stone auf Europatour geht (Termine siehe unten). Melancholische Romantiker und romantische Melancholiker werden es lieben. Und auch so manch anderer – da sind wir überzeugt – wird moddi-fiziert werden.

Moddi live (als Support von Angus & Julia Stone) im November:

12. Nov 2010   CH – Zürich @ Abart Zurich
13. Nov 2010   CH – Monthey @ Pont-Rouge
14. Nov 2010   D – München @  Backstage Werk
16. Nov 2010   D – Münster @ Gleis 22
17. Nov 2010   D – Köln @ Kulturkirche
18. Nov 2010   D – Hamburg @ Übel & Gefährlich
19. Nov 2010   D – Berlin @ Astra

Moddi im Web
bei MySpace
bei Bandcamp
bei Facebook

Kulturverein Merlin im Web

Kap Tormentoso im Web

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One Comment leave one →
  1. 10. Dezember 2010 14:19

    Sobald am 28. Januar 2011 das neue Album Floriography auch hier erscheint, wird Moddi 2011 wieder für einige Termine nach Deutschland kommen: 26.02. Hamburg @ Knust, 27.02. Köln @ Gebäude 9, 01.03. Frankfurt @ Panorama Bar, 02.03. Schorndorf @ Manufaktur, 03.03. München @ Ampere, 04.03. Heidelberg @ Karlstorbahnhof, 06.03. Leipzig @ Skala, 07.03. Berlin @ HAU2, 09.03. Münster @ Gleis22. Wir freuen uns schon drauf :)

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