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Herbstzeitlose: B-Seite

13. August 2010

Voltaire © Alas Vera/Voltaire Official MySpace

Nachdem Jule ja vor ein paar Tagen schon mal in die Glaskugel geschaut hat, was denn an neuen Releases bevorsteht, forderte sie mich auf es ihr gleich zu tun – und als Quasi-Beauftragter für die etwas dunkleren, abseitigeren, schrägeren, extremeren Ritzen…äh…Töne auf dem Lauschsofa komme ich diesem Wunsch latürnich gerne nach. Und habe auch mal mein Radar kreisen lassen sowie das Knochenorakel befragt, was denn demnächst noch so Lohnenswertes aus den Studios und Presswerken kommt.

Fangen wir mit dem nächst liegenden an – denn das erste Release kommt nicht erst im Herbst, sondern bereits mit den August-…äh…-sonnen(?)strahlen noch diese Woche auf den Markt. Als leichte Sommerbrise kann man es allerdings nicht bezeichnen, eher schon als Sturm oder Gewitter, aber das passt dieser Tage ja vortrefflich…

Psychopunch 2010 © Henrik Pilerud / Psychopunch Official TLG Promotional Pics

Wenn diese Herren loslegen, bleibt selten ein Stein auf dem anderen: Psychopunch © Henrik Pilerud / Psychopunch Official TLG Promotional Pics

Die schwedischen Rocker von Psychopunch, die mich bekanntermaßen vor einem knappen Jahr live mehr als begeistert haben, veröffentlichen nämlich heute am 13. August ihren mittlerweile neunten Longplayer The Last Goodbye. Entstanden in dreiwöchiger 24/7-Studioeinigelung und unter der Regie von Pelle Saether im heimischen Västerås wurden 15 Songs gezimmert, von denen 14 auf dem Album landen und Nr. 15 als exklusiver Bonustrack für die Vinyl-Version gedacht ist. Freunde komplizierter Frickeleien, Vertracktheiten und ähnlichem sollten vielleicht einen kurzen Moment weghören…äh…-lesen:  wie ich beim ersten Reinhören feststellen konnte, bekommt man bei Psychopunch wieder genau das, was man erwartet und von ihnen kennt. Mag man es nun als »Punk’n’Roll«, »Rotz-Rock« oder sonstwie bezeichnen – ich sag’s wie es ist: voll auf die Zwölf und mitten in die Fr****! ;-) Gut, der Titelsong »The Last Goodbye« kommt mit Akustikgitarre und laid-back-Groove recht (power-)balladesk daher, auch bei »Better Off Dead« und »I Am Free« geht es ein bisschen(!) »runter«…aber ansonsten wird das Gaspedal wieder bis zum Anschlag durchgedrückt.

Psychopunch transportieren einfach das, um was es bei Rock’n’Roll im Grunde geht: Energie, Leidenschaft, Rebellion, Gefühl… und das alles in gewohnt handwerklich bester Manier, unglaublich tight und brettmäßig druckvoll. »Abgeh-Mucke« par excellence! Ich geb’s zu, ich mag das. Persönlich hätte ich statt »The Way She’s Kissing« (hier geht’s zum offiziellen Video) als ersten Vorgeschmack auf das Album vielleicht eher einen anderen Song wie »She Don’t Really Mind« ausgewählt…doch der In’s-Ohr-geh-und-Mitgröhl-Faktor ist in jedem Fall auch auf der neuen Scheibe wieder extrem hoch.

Apropos Sommerbrise: passend dazu kann man sich von den Schweden-Rockern übrigens jetzt am Samstag auf dem Summerbreeze ordentlich durchschütteln lassen. Wer also dort sein sollte, hat meine unbedingte Empfehlung, sich diese Band live nicht entgehen zu lassen.

Hurts © Sony Music Entertainment

Glück und Schmerz liegen oft nah beieinander: Hurts © Sony Music Entertainment

Persönlich recht gespannt bin ich auch auf ein weiteres Release in nächster Zeit. Nämlich das hierzulande am 27. August erscheinende Debut-Album Happiness von Hurts. Nein, keine Angst, hier handelt es sich nicht um ein neues internationales Projekt von Hape Kerkeling, sondern um ein britisches Elektronik-Duo aus Manchester, das in jüngster Zeit recht viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Offenbar auch die von Kylie Minogue, die sich sogleich für ein Duett eingeladen hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, mag mancher angesichts der Tatsache sagen dass Happiness auf einem Majorlabel erscheinen wird. Allerdings bei Sony Music – und da Kylie ja bekanntlich (zumindest noch ;-)) bei EMI beheimatet ist, dürfte es sich hier vielleicht nicht nur um einen gegenseitigen Marketinganschub handeln. Oder vielleicht doch, wie auch immer. In jedem Fall hat mich die erste und frei (gegen Newsletteranmeldung) erhältliche Single »Better Than Love« ziemlich aufhorchen lassen: Erinnerungen an große Zeiten britischer Wave- und Electronic-Ikonen wurden wach, wenn auch der »Chorus« recht modern klang und soundmäßig leichte »French-House-Assoziationen« weckte (das geneigte Publikum weiß ja um meine, äh, »Begeisterung« für House jeglicher Couleur). Die erste, Anfang August erschienene (und mittlerweile bei so mancher Station schon auf Schwerumdrehung) offizielle Single »Wonderful Life« ließ mich zwar kurz etwas skeptisch werden – es timbalandete mir persönlich im Groove zu sehr – dennoch möchte ich Hurts eine Chance geben, denn allein stimmlich und melodisch könnte es sich hier doch um eine interessante Neo-Wave-Electronic-Band handeln.

Im Oktober werden die Herren Hutchcraft und Anderson ihr Album dann auch auf deutschem Boden und Bühnen live präsentieren – wie so oft latürnich mal wieder nicht im Stuttgarter Raum oder gar überhaupt im Südwesten, klar, sondern in den üblichen Tourstationen Berlin (18.10.2010 @ Lido), Hamburg (19.10.2010 @ Übel & Gefährlich), Köln (20.10.2010 @ Essigfabrik) und München (22.10.2010 @ Theaterfabrik). Hach ja, als ob die allgemeine konzerttourmässige Nichtachtung nicht schon hart genug wäre, kommt der passende Song dazu ja ausgerechnet auch noch von PUR (nee, nen Link dazu mach ich nicht)…

Voltaire © Scott Irvine / Voltaire Official Press Photos

Würden Sie diesem Mann ein Country-Album abkaufen? Mit Brian Viglione an den Drums jederzeit: Voltaire © Scott Irvine / Voltaire Official Press Photos

So, als nächstes folgt die Abteilung »Was macht eigentlich…: reloaded«: Nach der Tour mit Botanica, Aufnahmen mit Trent Reznor sowie weiteren Gigs u.a. mit dem legendären Martin Bisi war Ex-Dresden Doll Brian Viglione wieder mal als Sideman im Studio und betrommelte die demnächst erscheinende neue Scheibe von Voltaire. Nein, ich meine nicht die gleichnamige Kölner Band von Roland Meyer de Voltaire, deren/dessen Gig ich während meinem c/o pop-Besuch unlängst leiderleider verpasst habe (denn auch das ist eine Band, die ich schon länger immer wieder mal auf dem Radar hatte). Sondern den New Yorker Goth-Undergroundstar und Multitalent Voltaire. Der Musiker, Comic-Autor, Animationsfilmer und selbsternannte »Neo-Viktorianische Gypsy-Pirat«, der gerne auch Themen wie Star Trek oder Star Wars als Inspiration für skurriles Liedgut nutzt, wird seinen Dark-Cabaret-Stil um eine weitere Facette erweitern. Denn neben einem ebenfalls demnächst erscheinenden Kinder-Album namens Spooky Songs for Creepy Kids wird es sich beim neuen Album Hate Lives In A Small Town um ein Alternative Country-Album handeln – na, dass das »alternativ« sein wird, steht wohl außer Frage ;-) Entgegen der ursprünglichen Planung, das Album erst als Solo-Werk und später in einer Band-Version herauszubringen, hat Voltaire sich nun also doch entschieden, lieber etwas mehr Zeit für die Produktion einzuplanen und ein paar Musiker zur Unterstützung einzuladen. Brian Viglione am Drumset ist in jedem Fall eine vortreffliche Wahl – und nachdem Voltaire ja bereits mit Amanda Palmer das bittersüße Duett »Stuck With You« aufgenommen hat, auch nur konsequent.

Freunde des Makabren, Morbiden, Ironischen, Schrägen und in mehrfacher Hinsicht schwarzen Humors dürften vermutlich wieder voll auf ihre Kosten kommen. Brian Viglione und Voltaire – one more connection in Punk Cabaret made.

BirdPen © Stuart Cooper / BirdPen Official Facebook Page

Da war es doch tatsächlich mal nen Tag lang etwas heller in The Village: BirdPen © Stuart Cooper / BirdPen Official Facebook Page

Apropos morbid: Lebenszeichen gibt es in letzter Zeit auch immer wieder aus The Village. Recht nebulös zwar, doch mittlerweile schon mit einem mysteriösen Trailer »bebildert« (in dem Zusammenhang birgt der Gebrauch des Wortes »Lebenszeichen« am Satzanfang wirklich eine gewisse Komik und Ironie), ist das nächste Album von BirdPen, O.T.N.C. (Only The Names Change). Archive-Sänger Dave Pen und sein kreativer Partner Mike Bird befinden sich ja schon eine ganze Weile im Studio und basteln an neuen Songs, und im Juni erschienen auch schon Streams von neuen Titeln auf der erneuerten Website des Duos. Laut Dave Pen handelte es sich dabei aber um reinen Work-in-Progress in ständiger Veränderung.  Angaben der »Dorfkreativen« zufolge sollen die Arbeiten am neuen Album jedoch zu Herbstbeginn abgeschlossen sein.

Nach dem beeindruckenden Debut-Album On/Off/Safety/Danger ist O.T.N.C. für mich jedenfalls ein definitiver Pflichtkauf! Wann immer es denn auch erscheinen mag…

James Cook © James Cook Official Facebook Page

Feingeist mit einer Vielzahl an Facetten: James Cook © Chris Corner / James Cook Official Facebook Page

Konkreter sieht es mit dem Solo-Debut Arts and Sciences von James Cook aus, das mittlerweile schon gemastert ist und wohl irgendwann im September erscheinen wird. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem befreundeten »Universalgenie« und Ex-Sneaker Pimp Chris Corner alias IAMX ist das eine weitere Scheibe, auf die ich persöhnlich sehr gespannt bin.

Ich gebe zu, dass ich James Cook erst unlängst entdeckt habe, als er als Support-Act mit Noblesse Oblige unterwegs war. Ein Fehler – denn da ist mir lange Zeit wohl echt was entgangen! Cook, obwohl solo mit Gitarre und Backings vom Laptop auf der Bühne, hat mich wirklich fasziniert – ganz im Gegensatz z.B. zum französischen Wave-Rock-Duo Double Elvis, das ich vor einiger Zeit an selbiger Stelle (Zwölfzehn) gesehen habe und das ebenfalls mit Laptop-Backing auftrat. Allerdings konnten Double Elvis in keinster Weise halten, was ihre Studioaufnahmen versprochen hatten und gaben so eher eine alberne Vorstelllung. Lag allerdings nicht nur an den dünnen Backings, sondern auch an der sonstigen Darbietung. Übrigens, Noblesse Oblige sind ein weiterer Beweis, dass man mit Backings aus der Dose durchaus überzeugen kann – was hier aber zu einem großen Teil auch einfach an der grandiosen Darbietung liegt. Aber das nur am Rande… Jedenfalls war ich von James Cook, der sich hinterher übrigens als äußerst angenehmer und sympathischer Gesprächspartner herausstellte, dermaßen beeindruckt, dass ich von ihm direkt im Anschluss sein bisheriges Œvre komplett erstanden habe.

Nachdem er mit seiner Band Nemo seit 2001 drei Alben im Spannungsfeld von Electro, New Wave und Indierock veröffentlicht hat, schlug er 2008 eine neue Richtung ein bzw. eine weiteres Kapitel im »Facettenbuch« auf, verzichtete auf Elektronik, gründete mit der Violinistin Anne-Marie Kirby die Band The Dollhouse und brachte mit dem gleichnamigen Album ein sehr emotionales, leicht melancholisches und schlicht wunderschönes kleines Meisterwerk in Form einer Mischung aus kammermusikalischem Streichquartett und großem Britpop mit einer Prise Indierock heraus. Man darf also sehr gespannt sein auf sein Solo-Debut, das nach seinen Worten alles bisherige zusammenführen soll. Bekanntlich mag ich ja die Verknüpfung von Elektronik mit Akustik (oder andersrum) sehr gerne.

Ein erster Auftritt zur neuen Scheibe steht bereits fest, nämlich am 04.09.2010 in Köln @ MTC. Supportact werden da übrigens Candyslade sein, die ja auch schon längst das Lauschsofa-Qualitätssiegel bekommen haben.

Imelda May © Imelda May Official Press Photos

Ruht noch ein bisschen aus, bevor sie uns im Oktober mit neuem Album wieder ordentlich einheizen wird: Imelda May © Imelda May Official Press Photos

Neues zu erwarten ist auch von einer meiner Top-Entdeckungen des letzten Jahres: Imelda May, deren neues Album Mayhem für die erste Woche im Oktober angekündigt ist und garantiert für einen heißen Herbst sorgen wird. Spätestens seit ihrem Auftritt bei den Grammys, wo sie mit Jeff Beck zusammen an den großen Les Paul erinnerte, hat sie wohl auch das Mutterland des Roch’n’Roll ein bisschen erobert, betört und betourt. Auch Australien hat sie schon unsicher gemacht. Um Deutschland macht sie bisher allerdings immer noch einen großen Bogen *hrmpf*, trotz mehrfacher Proteste meinerseits – bin gespannt, wo sie denn gastieren wird (s.o.), so sie uns denn mal beehrt…

Und gespannt bin ich auch auf das neue Album, latürnich! Bereits Ende Juni erschien als Vorgeschmack auf die neue Scheibe ja schon die Single »Psycho« (hahaha, welch Ironie…kleiner Insider, hier geht’s zum Video) – stilecht als 45er Vinyl im Pappcover im Antiklook! Leider hab ich sie hierzulande noch nicht finden können :-( Tipps und sachdienliche Hinweise zur Ergreifung dieser Single bitte nicht zu Konrad Toenz oder Peter Nidetzky, sondern zu mir! Auch die neue Single »Mayhem« wird als Vinyl-45er erscheinen. Ich gebe zu, dass ich mir beim ersten Anhören von »Psycho« ob des Sounds und der Produktion dachte, ob es wohl mittlerweile schon ein wenig »majorlabelt« – ihr Debut-Album entstand ja ursprünglich noch als Indie-Produktion und wurde dann bei Decca/Verve re-released. Aber viel Platz blieb mir nicht für solche Gedanken: Imelda May lässt nach wie vor keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie nicht nur was die Rockabilly-Szene angeht, sondern ganz allgemein eines der größten Newcomer-Talente der letzten Zeit ist!

Tja, Quentin Tarantino und ich hatten offensichtlich Recht: Rockabilly ist wieder schwer im Kommen – und Imelda May’s Mayhem ein weiteres Muss in diesem Herbst! Kaufen!

The Creepshow @ Ashlea Wessel (Revolverphotography.com) / unionlabelgroup

Auch wenn sie sich beruflich viel mit Horror beschäftigen – diese Band fährt zum Lachen ganz bestimmt nicht in den Keller: The Creepshow @ Ashlea Wessel (Revolverphotography.com) / unionlabelgroup

Und wo wir gerade schon bei Rockabilly sind, gehen wir die Straße doch gleich weiter – wenn auch die Gasse etwas dunkler wird: Ebenfalls mit einem neuen Album in den Startlöchern steht  nämlich die kanadische Psychobilly-Band The Creepshow, die mir persönlich ja einen wundervollen Pfingstsamstagabend beschert hatten. Rechtzeitig zu Halloween wird die neue Scheibe, von der der Titel nicht zu eruieren war, ebenfalls im Oktober erscheinen. Die Release-Party in Toronto ist für den 15. Oktober angesetzt, die erste Single kommt am 05. Oktober. Für Sarah »Sin« Blackwood dann schon die zweite VÖ in diesem Jahr, legte sie doch bereits im April auf ihren Solo-Country-Pfaden mit dem zweiten Album Wasting Time nach. Für Fans des Man in Black bzw. allein aufgrund ihrer stimmlichen Leistungen auf jeden Fall auch einen Blick…äh…»Hör«(?) wert, z.b. hier.

Ich hoffe, dass es dann auch hierzulande wieder einige Gruselschauen von The Creepshow geben wird, momentan stehen erst Shows für Kanada und USA fest. Wann auch immer sie wieder hier einfallen werden – ich werde dann auf jeden Fall wieder mit dabei sein und kann das jedem, der einen Draht zu so etwas hat, nur ans Herz legen: »The City Will Never Be The Same…«

Photo Header: Voltaire © Alas Vera/Voltaire Official MySpace
One Comment leave one →
  1. 24. August 2010 16:48

    …oh, Sachen gibt’s: Hurts werden sich doch im Südwesten die Ehre geben! Und zwar im Rahmen des New Pop Festivals in Baden-Baden am Freitag, 24.09.2010, 18:00 @Festspielhaus. Schankedön, SWR 3! Da ich ja bekanntlich ein ganz großer, äh, »Fan« dieses Senders bin, wiegt ein ausgesprochener Dank von mir dahin umso schwerer ;-) Trotzdem weiß ich nicht, ob ich einer Veranstaltung beiwohnen will, die möglicherweise von diesem unsäglichen Pierre M. Krause moderiert wird…

    Immerhin ist das Plakat dieses Jahr besser (wenn es auch nicht unbedingt meinen Geschmack trifft)…

    http://www.swr3.de/specials/newpop2010/?np=1

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