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Sheriff Borat

4. August 2010

teaser

Unterhaltung der besonderen Art gab es im Zwölfzehn am 27. Juli: die italienischen Alternative-Rocker von Il Maniscalco Maldestro und die kuriosen Hardcore-Elektronik-Punks Brutal Polka aus Israel teilten sich die Bühne im gut besuchten Stuttgarter Club.

Für uns war es fast schon eine Art Hausbesuch, nachdem wir uns auf den Auftritt der Italiener schon seit einiger Zeit mächtig gefreut hatten. Und ganz nebenbei haben wir vor dem Konzert unsere glückliche Gewinnerin für das Lauschsofa-Geburtstagsgewinnspiel gezogen. Auf was wir aber absolut nicht gefasst waren, war die, sagen wir mal, überraschende Show der uns bis dato unbekannten Band aus Israel Brutal Polka (die aber offensichtlich auch in Deutschland eine gute Fanbase hat). Aber hübsch der Reihe nach.

Il Maniscalco Maldestro Im Zwölfzehnm Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Il Maniscalco Maldestro im Zwölfzehn, Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Frisch eingerauscht aus der Toscana, haben uns die vier Italiener mehr als nur gefallen – auch ohne Bekanntenbonus. Absolut tight gespielt, innerhalb kürzester Zeit war das Publikum nicht nur von Sänger und Frank-Zappa-Double Tonjo hingerissen. Das Programm war eine gute Mischung aus beiden Alben, wobei überwiegend Songs vom aktuellen Album Panna, Polvere e Vertigine performed wurden. Live präsentiert sich die Band auch noch eine Spur härter als auf den beiden Alben. Und spätestens als beim Cover von Rage against the Machine »Killing in the name of« – wer hätte das bei dieser Band erwartet? – ein Sänger spontan aus dem Publikum auf die Bühne kam und den gesamten Song im Duett mit Tonjo sang, kochte es im Zwölfzehn.

Il Maniscalco Maldestro Im Zwölfzehnm Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Il Maniscalco Maldestro im Zwölfzehn, Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Bassist Dado war die Bühne zwar ein wenig zu klein, aber seine Energie war auch auf 2 qm unübersehbar. Erstaunlich, wie laut man bei dieser Körpergröße doch sein kann ;) Gitarrist Frencc bot neben druckvollen Sounds auch hier und da recht hübsche und flinke Soloeinlagen und Drummer Borrkia wurde vom Publikum schon nach kurzer Zeit, dank seines Outfits, als »Sheriff« oder »Chef« angesprochen – und das trifft es auch. Allein seine Performance bot gewaltigen Unterhaltungswert. Ob als Chorleiter, Banddompteur oder Hüter des heiligen Pick of Destiny, das er als Kette um den Hals trägt. Dieser Typ ist ein echtes Erlebnis! Aber auch Sänger und Gitarrist Tonjo ist ein echte Rampensau, der die Schnapsrunde der Veranstalter gleich zur munteren Gesangsrunde im Publikum umfunktionierte und sich ebenso gern wie Bassist Dado auf der Bühne springend, tanzend bewegte oder samt Gitarre in Chuck-Berry-Manier verbog.

Il Maniscalco Maldestro Im Zwölfzehnm Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Das Pick of Destiny immer an seiner Seite: Drummer Borrkia von Il Maniscalco Maldestro im Zwölfzehn, Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Die Show der Italiener ging inklusive Zugabe etwa 1 Stunde – und die Umbaupause kam sicherlich einigen als willkommene Verschnaufpause gelegen. Wer sich einmal die Live-Videos anschaut, kann beim echten Live-Erlebnis nochmal mit einer Schippe mehr rechnen. Sollte die Band wieder mal in Deutschland spielen – aus zuverlässigen Kreisen haben wir erfahren, dass das im Herbst oder Winter diesen Jahres der Fall sein könnte – hingehen! Sicherlich muss man sich auf etwas ungewöhnlichere Kompositionen einlassen können, aber wer auf Alternative-Rock mit Ska, Punk und italienischer Folklore steht – oder wer zumindest bei dieser Mischung anbeißt – wird ebenso wenig Anlaufzeit benötigen wie das Stuttgarter Publikum ;) Thorsten bezeichnet den Stil als etwas härtere Version von Gogol Bordello, wem das vielleicht was sagt.

Brutal Polka Im Zwölfzehnm Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Brutal Polka im Zwölfzehn, Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Das Stichwort Stil ist auch eine herrliche Überleitung zum Hauptact des Abends: Brutal Polka. Die haben nämlich irgendwie keinen und doch wieder unzählige in ihrer Musik vereint. Haarscharf an der Grenze zum guten – und auch schlechten Geschmack, aber eben nur haarscharf (was im übrigen gut zum Kostüm des Bassisten passt). Ein Feuerwerk der Kuriositäten betrat zunächst in Gestalt von Super Mario, Darth Vader, einem Hofnarr im Wikingerfetzen und einem SM-Sklaven die Bühne. Was um alles in der Welt kann man da erwarten? Richtig – alles! Die musikalische Besetzung war recht klassisch: Darth Vader an der Gitarre, der Narr am Bass, der Sklave an den Drums und Super Mario am Mic und den Keys (bei der momentanen Tour fehlt übrigens der zweite Gitarrist, der laut Bandwebsite leider auf dem Klo verstarb – soviel zum Humor).

Brutal Polka Im Zwölfzehnm Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Gitarrist IZ von Brutal Polka bot im Zwölfzehn teils atemberaubend schnelle Soli © Jule vom Lauschsofa

Und dann ging alles ganz schnell… Eine bunte Mischung aus Death Metal, Hardcore, Ska, Punk, Elektro, Disco, Pop, Alternative und Comedy prasselte auf uns hernieder. Es fällt fast schwer, das Erlebte in Worte zu fassen, wir standen einfach nur mit weit geöffnetem Mund, staunend und amüsiert in der Ecke, bevor die Beats nach dieser Schockstarre auch unsere Hüften und Beine erreichten. Wie meinte ein Gast so treffend: »Das ist doch wirklich mal originell…« Zwar konnte man sich nicht immer ganz so sicher sein, ob die Gags nur auf Kosten anderer gemacht wurden, aber trotzdem haben wir uns ganz köstlich amüsiert. Naja, auch wenn die Versuche, das Italienische zu erlernen vielleicht ein wenig über das Ziel hinausgingen, Sänger Kramer konnte mit seinen amerikanischen Gags einige Treffer landen. Obwohl oder vielleicht gerade weil die Mischung so obskur ist, die Jungs beherrschen ihre Instrumente extrem gut und sind auf der Bühne, bzw. Gitarrist und Growler IZ auch im Publikum, ständig in Bewegung. Für die Show ist man sich wirklich für nix zu schade, der Darth Vader-Helm wurde nach kurzer Zeit abgestreift…ebenso sämtliche andere Hüllen. Bassist Chipopo bot zur Enthüllung seiner grünen Überraschung eine außerordentlich professionelle Stangentanz-Einlage. Hat Borat sein Kostüm bei ebay also doch versteigert ;)

Brutal Polka Im Zwölfzehnm Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Immer in Bewegung: Brutal Polka im Zwölfzehn, Juli 2010 © Jule vom Lauschsofa

Kramer bestritt den Rest des Konzertes in der Unterhose, einzig Drummer Georgius Ceasar behielt alles an. Abgesehen davon, dass im Publikum eigentlich kaum einer still hielt, es unsagbar laut war und das schon eigentlich für ein geiles Konzert reichen würde, ließ sich Brutal Polka nicht lumpen und setzte zum Anheizen auch noch altbewährte Mittel wie »Polonaise« oder »Kinderlied zum Mitsingen« ein. Der Text übrigens kindgerecht und pädagogisch wertvoll zur analen Phase aufbereitet. Herrlich… Und wer Lena Meyer-Landrut so hübsch covern kann, den sollte man wirklich mal live sehen. Noch ein paar Rest-Termine der Anarcho-Helge-Schneiders in Deutschland gibt es:

04.08. in der Schaubude, Kiel
05.08. im Juzi, Göttingen
06.08. auf dem Rondenbarg Open Air, Hamburg
07.08. auf dem UJZ Peine Open Air, Peine

…oder sich die Version auf der Bandwebsite kostenlos downloaden.

Il Maniscalco Maldestro

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Brutal Polka

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One Comment leave one →
  1. Katrin Weiss permalink
    5. August 2010 00:40

    hach jule :-) :-) :-)

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