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Mr lasse dä Pop in Kölle

20. Juli 2010

copop-2010Ja, liebe Gemeinde, es war eine Weile ungewohnt still auf dem Lauschsofa. Sind wir womöglich durch ein schwarzes Sommerloch in die Sofaritze gezogen worden? Weit gefehlt – es gibt uns immer noch und auch wenn wir in letzter Zeit wenig kund tun konnten, waren wir wie gehabt unterwegs im Namen des Herrn, hatten den Verstärker auf 11 und…und so. So war ich z.B. kürzlich mal wieder im schönen Köln, wo erneut König Pop statt Poldi regierte. Nein, mit Michael Jackson hat das nichts zu tun, glücklicherweise blieb man hier von der allseitigen Huldigung auf allen Kanälen verschont.

Es war wieder einmal Zeit für die C/O POP, die dieses Jahr in leicht verändertem Gewand Hof hielt. Zum einen fand sie offensichtlich früher statt und so in Verbindung mit dem neuen popdesignfestival ehrenfeld, zum anderen hat die Convention nun einen eigenen Namen: C’n’B – Creative Business Convention. Und einen neuen Standort. Statt in den Opernterassen am Schauspielhaus fand der Kongress nun im Staatenhaus am Rheinpark auf dem Gelände der Köln Messe statt. Und das sehr gelungen, wie ich finde. Zwar war es am Schauspielhaus auch recht nett, allerdings wirkte die Convention dieses Jahr räumlich nicht so »zerfasert«, obwohl sie doch gewachsen zu sein schien. Alles war irgendwie etwas größer und, ja, auch professioneller. Trotzdem wurde eine übersichtliche und fast »heimelige« Atmosphäre erzielt. Toll!

Adult-Panel c/o pop 2010, Köln © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Was kann die Musikwirtschaft von der Pornoindustrie lernen? Das Adult Entertainment-Panel der c/o pop 2010, Köln © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Wie der neue Name der Convention schon vermuten lässt, liegt die Musikwirtschaft nicht mehr im alleinigen Fokus der Veranstaltung, sondern auch andere Bereiche der Kreativwirtschaft werden mit einbezogen. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Medienkonvergenz macht das ja auch durchaus Sinn, Problemstellungen sind oft dieselben, und immer noch hat die Musik einen prominenten Platz im Programm der C’n’B. Wie bei Kongressen üblich, gab es latürnich auch hier das ein oder andere Panel, wo eher Plattitüden ausgetauscht wurden und man sich die Frage nach dem Zweck der Diskussion nicht so ganz verkneifen konnte (z.B. »Social Media Marketing und Direct to Fan Kommunikation«). Daneben gab es aber eine Fülle sehr interessanter Panels und Workshops, z.B. zu den Themen »Music Supervising« (in Deutschland im Gegensatz zu den USA ja leider ein ziemliches Stiefkind), »Narrative Brandplanning«, »Music Documentaries«, »Next Generation TV«, »Storytelling« (mit Brian Storm), »Print – this year’s music industry« oder »Evolution of Mobile Apps«. Eine Diskussionsrunde namens »From xxx to $$$« beschäftigte sich mit der oftmals herangezogenen Frage, ob und wie die gebeutelte Musikindustrie von der Pornobranche lernen könnte (und das ist mitnichten ein Witz, sondern ist durchaus ernst gemeint!). Ein bißchen stellt sich mir aber schon die Frage, inwiefern da nicht doch auch Äpfel mit Dir…äh…Birnen verglichen werden und ob man das wirklich direkt miteinander in Relation setzen kann. Hm…

Panel mit Sido, c/o pop 2010, Köln © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Unerwartet unterhaltsam: Das Panel »Creative Cooperations«, u.a. mit Sido © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Sido mit der unmaskierten Wahrheit

Als sehr unterhaltsamer Panel-Gast bei »Creative Cooperations« erwies sich übrigens Sido. Hätte ich echt nicht gedacht, aber bei vielen seiner offenen Antworten und Statements konnte ich mir als Liebhaber trockenen Humors ein Lachen nicht verkneifen. Offen, informativ und unglaublich unterhaltsam war auch die Diskussions- und Interviewrunde »Blue Hour« mit den New Wave-Legenden Andrew McCluskey und Paul Humphreys von OMD, die im September sogar wieder ein neues Album zusammen veröffentlichen werden. Mit britischem Humor wurden eine Vielzahl von Anekdoten ausgepackt (z.B. dass – man glaubt es kaum – Kraftwerk verantwortlich ist, dass es Atomic Kitten gibt/gab) und Einblicke gegeben, wie es damals in den goldenen Zeiten des Musicbiz gelaufen ist. Und für wen sie gülden waren (»Richard Branson didn’t get rich being nice to his artists.«) ;-) Das SPEX LIVE-Konzert am selben Abend war leider schon ausverkauft – bestimmt spätestens seit bekannt wurde, dass OMD dort zu einem Überraschungsgig auftauchen würden. Nun ja, zur Album-VÖ im Herbst werden die beiden Herren ja wieder zurückkehren.

OMD bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Plauderten aus dem Elektrokästchen: OMD bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Auch Ex-Pink Floyd- und The Clash-Manager Peter Jenner war wieder zu Gast, und im Gegensatz zu seinem doch recht dröge geratenen Panel von letztem Jahr war sein diesjähriger Diskussionsworkshop zum Thema »The Creative Industries Copyright Issue« durchaus interessant. Latürnich wurde auch hier wieder nicht der Heilige Gral gefunden, leider, aber einige interessante Statements fielen doch. In jedem Fall finde ich es höchst bemerkenswert, dass sich jemand wie Peter Jenner noch dermaßen leidenschaftlich mit solchen Themen auseinandersetzt, wo sich doch schon jüngere Legenden aus den goldenen Zeiten oftmals desinteressiert zurücklehnen.

Besonders hervorzuheben ist auch die Lecture »Inventing the Future: Thriving in a World of Constant Change« von Robert Tercek, der eigens dafür angereist war. Ein an sich einfacher, aber beeindruckender Impulsvortrag mit Denkanstößen, dessen einziges Manko war, dass Tercek nach seiner Präsentation nicht noch einmal von offizieller Seite aus verabschiedet und der Vortrag so abgerundet beendet wurde. Irgendwie zerbröselte der sich am Ende. Schade sowas, zumal bei so einem hochkarätigen Gast.

Doch alles in allem war es wieder eine gelungene Convention! Man darf also wieder gespannt sein auf nächstes Jahr…

Where’s The Music?

Neben all dem Business-Kram hab ich aber latürnich das c/o pop-Festival nicht vergessen! Da mich das aktuelle Album von Phoenix ja nicht so wirklich packen konnte, entschied ich mich am Donnerstagabend für das Konzert im Bogen 2 hinterm/unterm Hauptbahnhof. Gut, der Bogen 2 lag auch in äußerst günstiger Laufnähe zu meinem Hotel, aber auch sonst schien mir der House- und »umzumz«-Faktor bei den anderen Konzerten doch recht hoch. Also ab ging’s zum Konzert von Crystal Fighters, Post War Years und The Pollywogs.

Pollywogs im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

»Junge Wilde« aus Köln: The Pollywogs im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Der Bogen 2 ist eine schöne Location, in etwa vergleichbar mit der Röhre in Stuttgart, aber aufgrund der räumlichen Maße doch intimer und übersichtlicher. Sehr übersichtlich war zumindest zu Beginn auch noch das Publikum: so ziemlich jeder Gast fand einen Sitzplatz auf den Bänken, die links und rechts des Saales stehen. Trotz des sich nicht wirklich mehrenden »Publikumsandrangs« wurde der Konzertabend dann aber doch irgendwann eröffnet, und zwar von den Um-die-18-Youngsters The Pollywogs aus Köln. Für meinen persönlichen Geschmack war das auch das Highlight des Abends. Abgesehen davon, dass Gitarrist und Sänger Bryan Kessler in seine Hemden bzw. Achselshirts noch etwas reinwachsen muss ;-), klang die junge Band doch schon recht erwachsen. Ein bisschen erinnerten sie mich an Wolfmother, nicht unbedingt vom Sound her, aber doch von der Attitüde. Jung, rau, ungestüm… Doch, das war wirklich guter Indie-Rock. Kein Wunder, dass sie schon mit den Donots, The Hives und Bad Lieutenant auf Tour waren. Das passt. Weiter so!

Post War Years im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Pac Man meets Postrock: Post War Years im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Als nächstes betrat eine Band aus London die Bühne: Post War Years. Was hier zunächst mal auffiel, war dass es zwei Bassisten gab, die auch oft gleichzeitig spielten, und außer dem Schlagzeuger jeder der drei verbliebenen Musiker noch irgendwas Synthie-Sampler-Electronic-mäßiges vor sich stehen hatte. Dieses Equipment wurde auch ausgiebig benutzt. Der Auftritt war schon interessant und eigenartig im positiven Sinne, Indie-Rock in Kombination mit eigentümlichen Electronic-Sounds, die sehr an alte Videogames und Spielekonsolen erinnerten. Aber irgendwie hat es mich nicht wirklich gepackt. Hm.

Chrystal Fighters im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Rave statt Rioja: Crystal Fighters im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Gepackt hat es mich dann allerdings beim nächsten Act – wenn auch anders als erwartet. Im Programmheft groß angekündigt als sensationeller Mix aus Elektro, Punk und baskischer Folklore erwartete ich die Performance der spanisch-englischen Band Crystal Fighters. Vielleicht hätte es mir dämmern sollen, als statt einem Drumset ein großer »Tapeziertisch« mit Turntables, Synthies und Macbook aufgebaut wurde. Aber gut, vielleicht würde ja die Gitarre noch für die nötige Prise Punk sorgen? Je nun, zumindest meiner kurzen Erfahrung nach erschöpte sich das allerdings wohl im entblößten Oberkörper des Gitarristen. Zwei Songs habe ich durchgehalten, dann habe ich dem Ort des Geschehens den Rücken gekehrt. Ich will nicht sagen, dass es schlecht war, aber für mich klang es wie ein Mix aus Marusha und Safri-Duo, gekoppelt mit sowas ähnlichem wie englischem Gesang mit spanischem Akzent. Und Sachen wie Umz-Umz-Rave und House sind ja bekanntlich ab-so-lut nicht mein Ding – also habe ich den zwischenzeitlich doch recht gut gefüllten Bogen 2 verlassen. Offensichtlich scheinen die Crystal Fighters doch eine recht große Fangemeinde zu haben. Ich werde allerdings nicht dazu gehören, was Navarra angeht, bleibe ich doch lieber bei den ausgezeichneten Weinen.

Rauschende Kunst

Wie gesagt, konnte ich dem OMD-Gig ja leider nicht beiwohnen – so entschied ich mich, dem Bogen 2 am Freitag einen erneuten Besuch abzustatten. Die Maarweg-Studio-Session wäre bestimmt auch ein Erlebnis gewesen, aber wie gesagt lag der Bogen 2 ja so nah und Headliner des Abends waren Ja, Panik aus Ösi-Land, deren aktuelle Scheibe beim ersten Reinhören sehr vielversprechend klang. Also: hin!

Zunächst fiel auf, dass der Bogen 2 an diesem Abend schon von Beginn an sehr gut gefüllt war, auch war das Aufgebot an Security ungleich höher als am Abend zuvor. Es schienen also schon die Vorbands wohl nicht ganz unbekannt zu sein. Der Wagen der Deutschen Welle vor dem Eingang war aber wohl ausschließlich wegen Ja, Panik da. Zumindest wurde nur bei deren Auftritt gefilmt.

Große Kunst: Hans Unstern im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Große Kunst: Hans Unstern im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Los ging es an diesem Abend ganz ruhig und stimmungsvoll. Die Bühne wurde von einer einsamen Figur betreten, nur mit Gitarre und Mundharmonika. Als sich die Dunkelheit etwas lichtete, fiel das bemerkenswerte Äußere des Künstlers auf. Gut, im Indie-Bereich gibt es einige Herren, die mit Fussel-Vollbart oder anderer Gesichtsbehaarung rumlaufen – aber ein schwarzer Rauschebart im Hotzenplotz-Style, das ist schon außergewöhnlich! Komischerweise hatte man aber kaum Chance, sich über das Erscheinungsbild dieses Künstlers namens Hans Unstern zu amüsieren. Es war ganz ruhig und »seltsam-atmosphärisch« im Saal, so ziemlich das ganze Publikum blickte gebannt zur Bühne, die sich während der Performance nach und nach füllte. Auch die Besetzung der Band war nicht ganz typisch: Neben Unstern selbst (an Mikro und Gitarre), Kontrabass und Schlagzeug fanden sich auf der Bühne noch eine Saxophonistin und – Achtung! – eine Vibraphonistin ein. Die etwas ungewöhnliche Besetzung der Band führte sich im Spiel fort: Der Kontrabass wurde wie das Vibraphon teilweise doch recht eigenwillig bearbeitet und den Instrumenten so eigenartige Töne entlockt. Die kamen auch aus dem Tenorsax, das stellenweise fast an Freejazz erinnerte. Auch das Schlagzeug wurde selten als reines Beat-Instrument verwendet, sondern vielmehr als Klangkörper, der Akzente lieferte. Wieso der Drummer allerdings die meiste Zeit eine Art Maulkorb trug, hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Obacht, Kunst? Vielleicht…vieles spricht dafür, z.B. das in seiner Einfachheit doch sehr effektvolle und liebevoll gestaltete Bühnenbild (inkl. Projektionen). Und nicht zuletzt die Musik von Hans Unstern. Was war das eigentlich? Alternative? Modernes Chanson? Jazz? Avantgarde? Lyrik mit Klangweltenuntermalung? Die »Songs« waren im besten Sinne eigenwillig, wurden sie zum Großteil doch eher deklamiert als gesungen und verweigerten sich üblichen Strukturen. An einen richtigen Chorus kann ich mich nur beim ersten Song erinnern. Man wusste auch nie, wann Applaus angebracht war, wann ein Song zu Ende war…aber man war fasziniert von dem, was man da auf der Bühne erlebt hat. Im besten positiven Sinne ein bemerkenswertes Konzert!

Köln. Der Bogen 2 kocht. Perfekter Halt – Drei-Wetter-Taft.

Es folgte die erste Umbaupause des Abends. Die nächste Band hatte sich bezüglich des Outfits offensichtlich auf ein einheitliches Erscheinungsbild geeinigt. Würde ja passen, wenn man sich 1000 Robota nennt – die werden ja wohl auch eher einheitlich produziert. Der Umbau zog sich etwas hin, aber schließlich konnte die zweite Show dann doch irgendwann beginnen. Und wie dann schlagartig klar wurde: die adrett gewandeten Herren waren gar nicht die Band – die Herren mit schwarzer Hose, weißem Hemd und schwarzer Fliege waren die Roadies! Auf der Bühne standen nun je eine Kopie von Blixa Bargeld – ganz in schwarz also mit Weste, Krawatte, Sakko und Hut – und Barbie’s Ken: Tut mir leid, aber die Betonfrisur und nicht zuletzt das versteinerte Gesicht erinnerten mich unweigerlich an den alten Plastikkollegen. Nur dass der immer lächelte und nicht so miesepetrig-mürrisch guckte. Ach ja, irgendwo an der Seite war auch noch ein Drummer. Nun denn, los ging es also mit 1000 Robota aus Hamburg. Laut wurde es und ungestüm. Allerdings auch seltsam arrogant. In einer Form, die mir persönlich nicht behagt und passend scheint. Ob das am jeweiligen Alter liegt? Immerhin sind die Protagonisten der Band, Anton Spielmann (Gitarre & Gesang), Sebastian Muxfeldt (Bass) und Jonas Hinnerkort (Schlagzeug & Gesang – beim Gig schien er für mich zumindest doch sehr im »Hinnergrund«, in Videos der Band überraschte er mich jedoch mit der beeindruckendsten Präsenz) alle gerade mal so um die 18, ich hingegen so langsam wohl fast in einem Alter, das man in jenem Alter aus Prinzip schon scheiße findet. Ich kann mir nicht helfen, aber wenn da so ein Jüngelchen von 18 Jahren steht und mir was erzählt von »Deutscher Nation« und »bürgerlich« etc., dann wirkt das auf mich seltsam und einfach nur altklug. Zumal wenn es etwas wirr und, ich möchte sagen, »fragwürdig« dargeboten wird wie von Spielmann.

Very Bourgeoise: 1000 Robota im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Hauptsache dagegen – aber mit mächtig Wumms: 1000 Robota im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Ja, 1000 Robota sind vor allem wohl dagegen. Gegen was eigentlich, wird allerdings nicht klar. Ihnen selbst vielleicht auch nicht und ist ihnen vielleicht aber auch egal? Alles und jeden halt. Nur: wenn ich selbst ein (pseudo-)intellektuelles und »bourgeouises« Gehabe an den Tag lege, passt das irgendwie alles nicht so recht. Ich meine, es wirkt schon komisch, wenn ich denselben Eindruck dessen erwecke, was ich offenbar kritisiere. Und bevor wieder irgendwelche Verdächtigungen kommen: nein, ich bin nicht einer, der jüngeren Menschen per se abspricht, die geistige und persönliche Reife zu haben, sich über grundlegende Dinge auszulassen. Ich habe in meinem Bekanntenkreis selbst jemanden Anfang 20, wo ich immer wieder erstaunt bin über die Gedanken und mir nicht selten auch mal was habe erklären lassen. Bemerkenswert find ich in jedem Fall, dass es Spielmann und Hinnerkort gelingt, durchgängig synchron zu, äh, »singen«…rufen…wie auch immer – bei dem herrschenden melodischen, äh, »Spartanismus« wüßte ich nicht, wie ich mir merken sollte, welchen der beiden Töne ich jeweils anzupeilen hätte. Im Ernst.

So hinterlässt der Gig von 1000 Robota bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Denn nach dem ganzen Auslassen über Wirkung und Gehabe der Band möchte ich latürnich auch noch etwas zur Musik sagen. Spielerisch in keinem Fall schlecht! Das war schon alles sehr tight, kompakt und »Brett deluxe«. Post-Post-Punk, sozusagen. Im Punk bzw. Post-Punk der späten 70er/frühen 80er war es ja auch oft melodisch recht sparsam, was ja auch zum Urgedanken des Punk passt. Aber mir persönlich gefällt es besser, wenn ein Song eben doch mehr ist als pures Geshoute. Trotzdem könnte es sein, dass die Lorbeeren an 1000 Robota bezüglich ihres Albums zu Recht verteilt wurden. Denn was ich mir hinterher noch mal so zu Gemüte geführt habe, hatte echt was. Das kam so bei dem Gig für mich leider nicht rüber. Vielleicht weil ich das Auftreten der Band zu »abstoßend« fand? Vielleicht weil bei allem Punk in dem ganzen Lärm doch einige Feinheiten verloren gingen, die erst beim Nachhören wahrnehmbar wurden? Schade. Aber ich hab’s auch nicht so gern, wenn eine Band bei mir den Eindruck erweckt, dass ich ihrer als Zuhörer evtl. nicht würdig bin. Haken wir’s nochmal ab unter »Welpenschutz«.

Ja, Panik

Magier am Mikro: Andreas Spechtl von Ja, Panik im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Jawoll, Musik

Die nächste Band – der Hauptact des Abends also, wegen dem Deutsche Welle und ich in den Bogen 2 gekommen waren – bauten obwohl ungleich bekannter ihre Backline wieder selbst auf. Die Alt-Österreicher-und-Neu-Berliner Band Ja, Panik hatte mich ja schon bei einem Reinhören in ihr letztes Werk doch recht interessiert zurückgelassen. Ich war also gespannt.

Und wurde nicht enttäuscht. Bei dem Auftritt von Ja, Panik kamen oft Momente auf, die wohl am passendsten mit dem Wort »Magie« beschrieben werden können. Wecken Ja, Panik zwar ebenso – wenn auch nicht so deutlich – wie 1000 Robota die ein oder andere Erinnerung an Momente der (frühen) 80er, so scheinen ihre Songs nicht so zornig-rebellisch, sondern ausgefeilter und auch mit mehr Liebe zum Detail. Trotz allem Indie-Rock-Lärm konnte man hier Feinheiten weitaus deutlicher wahrnehmen, aber ich möchte hier auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ja, Panik machen schließlich keinen (Neo-Post-wieauchimmer-)Punk. Dennoch kam eines bei ihrem Auftritt – für meine Begriffe ungleich deutlicher als bei 1000 Robota – zum Ausdruck: ein unglaubliche Leidenschaft, mit der diese Band auf die Bühne und ans Werk ging – vor allem latürnich bei Sänger und Gitarrist Andreas Spechtl, aber auch bei den anderen Mitgliedern, wie z.B. Schlagzeuger Sebastian Janata. Gepaart mit einer gewissen selbstverständlichen Lässigkeit, wie sie wohl nur ein Österreicher an den Tag legen kann, selbst wenn er nicht aus Wien kommt. Dies fiel besonders auf bei Gitarrist Thomas Schleicher, der bei längeren Spielpausen nicht unbedingt immer von der Bühne verschwand, aber auch nicht auf der Bühne doof rumstand, sondern schlicht-groovend völlig unlächerlich mitten im Geschehen blieb. Außerdem überzeugte auch er am Schluss noch am Mikrofon, als sich Spechtl ans Piano setzte (der einzige Wermutstropfen: im Wettrennen um den übelsten Live-Pianosound sind sie ganz nah dran an Elton John ;-)). Mit dem Gig von Ja, Panik wurde zum Ende des Abends dann doch wieder bewiesen: große Gesten, »Rampensauigkeit« und eine gewisse »Demut« schließen sich nicht aus.

Ja, Panik im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Ja, Panik im Bogen 2 bei der c/o pop in Köln 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Und dass die Jungs von Ja, Panik nicht nur sympathisch(er) erscheinen, sondern wirklich nett sind, zeigt sich nicht zuletzt durch den Auftritt von Hans Unstern. Den haben sie nämlich mit auf Tour genommen. Und nicht nur das: Unstern’s Album erschien nämlich auf Nein, Gelassenheit – dem Sublabel von Staatsakt (u.a. auch Bonaparte), das unter der Regie von Ja, Panik steht. Schön, dass sie so einem Be-Sonderling wie Unstern diese Möglichkeit bieten.

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