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Punkstfeiertage – Teil 2

17. Juni 2010

Punkstfeiertage Teaser 2

So, ich schulde der lieben Lauschsofa-Gemeinde ja noch die zweite Halbzeit des Punkstwochenendes – bitte sehr, bitte gleich. Es laufen auf: die Guitar Gangsters sowie The Generators.

Nun, wo war ich? Brigitte Handley & The Dark Shadows räumten also nach einer sehr kewlen Performance leider sehr schnell die Bühne: statt Zugaben folgte wie gesagt eine Umbaupause – hach ja, ich wieder und mein weiches Herz. Ich kann einfach schlecht Frauen schwere Verstärker schleppen sehen ohne eingreifen zu wollen. Aber heutzutage kann Mann sich ja schon in die Nesseln setzen, wenn man einer Frau ne Tür aufhält. Wahrscheinlich schlafe ich nachts deshalb so schlecht, weil mein Heiligenschein so hell leuchtet…

Jetzt wird’s kriminell!

Wie auch immer, als nächstes wurde es kriminell – die Guitar Gangsters aus England betraten die Bühne des Geschehens und machten weiter mit der Punkrock-Reise durch den angelsächsischen Sprachraum. Augenscheinlich ist diese Band schon längere Zeit dabei – Kunststück, wurden sie doch schon 1988 gegründet und haben mittlerweile sieben Studio- sowie zwei Live-Alben auf dem Buckel. Allerdings gab es hier keinen Altherrenrock oder Ähnliches: die Guitar Gangsters boten klassischen Old-School-UK-Punk mit poppiger Attitüde – sprich: kaum ein Song, wo man den Chorus nicht fast sofort mitgrölen konnte. Und manchen sogar heute noch im Ohr hat (»We’re Gooooing To Loooondon« *gröhl*). Und auch wenn es sich hier um Punk handelt und der Bandname gar Kriminelles erahnen lässt, erwecken die drei Herren überhaupt nicht den Eindruck böser Buben, sondern wirken eher wie nette Kumpels. Das scheinen sie auch zu sein, spielen sie doch seit jeher in Originalbesetzung.

Guitar Gangsters

Purer Brit-Punk: Die Guitar Gangsters im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Spielfreude war den Guitar Gangsters die ganze Zeit über deutlich anzusehen. Während Sänger/Gitarrist Pete Ley berufsbedingt die meiste Zeit am Mikro »festklebte«, ist Bassist Phil Ley ein wahrer Poser vor den Herrn. Allerdings wirkt das bei ihm überhaupt nicht aufgesetzt oder show-mäßig, sondern eher selbstverständlich. Und Drummer Steve Brewer wirkt von der Statur her zwar wie ein Türsteher oder Geldeintreiber, von seiner Ausstrahlung her aber wahnsinnig sympathisch. Sein Posing erinnerte mich allerdings – ohne Witz – an Flippers-Schlagzeuger Manfred Durban ;-). Allerdings ist der Drumsound von Steve Brewer zumindest nach meinen Maßstäben deutlich geschmackssicherer, und er lässt mit seiner Performance auch keinerlei Playback-Verdacht aufkommen. Nein, was die Guitar Gangsters da abliefern, ist Punk-Rock im wahrsten Schweiße des Angesichts.

Guitar Gangsters im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Pete Ley (git/voc) ist schlicht und einfach cool · Guitar Gangsters im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

War die Musik von Brigitte Handley & The Dark Shadows doch eher kühl, kam bei den Guitar Gangsters schon mehr Partystimmung auf (wie bereits erwähnt auch bei zwei Dritteln der Dark Shadows ;-)). Die angegebenen Einflüsse und stilistischen Referenzen wie The Clash, The Buzzcocks, Ramones, Social Distortion, The Jam, Sex Pistols treffen ins Schwarze. Die einschlägigen Punk-Akkordfolgen werden ausgiebig genutzt, und Irrsinns-Gitarrensoli gibt es hier latürnich nicht. Allerdings zeigen die Herren, dass sie zumindest einem Urgedanken des Punk längst entwachsen sind – und ihre Instrumente sehr wohl zu bedienen wissen. Zum Beispiel mit einer Instrumentalversion von Kachaturians »Säbeltanz«.

Guitar Gangsters im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Mächtig Spaß und voll bei der Sache: Phil Ley (b) und Steve Brewer (dr) · Guitar Gangsters im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Wie gesagt, das ist keine komplizierte Musik, überhaupt nicht, manchem vielleicht auch zu simpel. Aber sie macht echt Spaß. Mir zumindest :-) Am Ende wurden die Guitar Gangsters aber dann doch noch zu bösen Buben – sie ließen sich nämlich eine Zugabe nicht nehmen! Und kamen nochmal auf die Bühne um zum Schluss noch »What A Wonderful World« aus den Saiten zu hauen. Nicht die wunderschöne Version der wundervollen Stacey Kent, sondern die von Joey Ramone. Aber die ist auch schön. Anders schön halt ;-) Und passt zu den Guitar Gangsters auch besser.

Die Guitar Gangsters sind klassischer UK-Punk par excellence! Kann man also ruhig hingehen. Sollte man auch ;-)

Die Generatorenfrage

Es folgte die nächste Umbaupause und danach der Headliner des Abends: The Generators aus den USA. Von Anfang an war klar, dass dieser Act die größte Fanbase des Abends im Zwölfzehn hat versammeln können, denn jetzt wurde es richtig laut im Saal, nicht nur von der Bühne. The Generators legten los und brachten die Meute zum Kochen. Die Meute außer mir.

Denn ich muss sagen, dass ich – verglichen mit den Studio-Hörproben im Vorfeld – live von den Generators doch eher enttäuscht war. Nicht, dass die Band ein halbgares Programm abgeliefert hätte – nein, überhaupt nicht. The Generators gaben von der ersten Minute an Vollgas. Hart, heftig und laut. Für mich kam leider nicht viel an, ich denke es war mir schlicht z-u laut (trotz meiner üblichen Earplugs) und soundmäßig zu undifferenziert. Gefühlt doppelt besetzt, aber live doch nur als Einzelspieler vertreten, bringt Sean Romin auch alles andere als sanfte Jazz-Licks zu Gehör ;)

The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

So muss Punk-Rock aussehen: Gitarrist Sean Romin beim Mikronahkampf · The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Neben besagtem Gitarrero bestehen The Generators noch aus Basser Brandon Lutz, Drummer Derek O’Brien (Ex-Drummer von Social Distortion) und latürnich Frontmann und Sänger Doug Dagger, den man im Halbdunkel fast für die Hardcore-Version von Bastian Pastewka halten könnte ;-). Gegründet 1997 (und hervorgegangen aus den Trümmern von Schleprock) ist auch diese Band schon länger dabei und hat sieben Alben im Gepäck, selbstredend auch eine große Zahl an Gigs. Und wie bei den beiden anderen Bands des Abends finden sich hier einige große Namen, mit denen man schon die Bühnen dieser Welt teilte bzw. für sie eröffnete, so z.B. Anthrax, Bad Religion, Sepultura, Tiger Army, The Dead Kennedys und Agnostic Front.

The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Partystimmung im fast gesamten Publikum · The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Soundmäßig vertreten The Generators – oh Wunder – die US-amerikanische Richtung des Punk. Ich weiß gar nicht, wie ich es genau beschreiben soll und vertraue da ganz auf die Kompetenz der Lauschsofa-Gemeinde. Die britischen Vertreter erscheinen mir immer irgendwie ein bisschen rauer…wobei die Amerikaner ja alles andere als weniger hart wären (»Light-Punks« wie Billy Idol mal ausgenommen ;-)). Ja Gott, man hört’s halt einfach, ob eine Punkband aus dem Vereinten Königreich oder den Vereinigten Staaten stammt, oder? ;-) Nicht nur am Akzent der Sangesstimme.

The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Drummer Derek O’ Brien · The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Im Fall von The Generators könnte man vielleicht sagen »Skater-Punk«? Auch ihre kalifornische Herkunft kann man ihnen irgendwie anhören, finde ich. Das ein oder andere Lick ruft schonmal Erinnerungen an staubige mexikanische Western wach. Und ihr Hit »City Of Angels«, an dem auch schon die LA Lakers offiziellen Gefallen gefunden haben, geht im Original gar in Richtung Ska mit Mariachi-Touch – mangels Bläsern war davon live im Zwölfzehn aber leider nicht viel übrig. Schade. Trotzdem ein kewler Song mit einem sehr guten Chorus, der im Saal auch lauthals mitgesungen wurde.

The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Ob Bastian Pastewka auch soviele Tattoos hat? Doug Dagger beim Meute anheizen · The Generators im Zwölfzehn, 24. Mai 2010 © Thorsten, Lauschsofa

Überhaupt wurde die Interaktion mit dem Publikum bei The Generators großgeschrieben. Ganz Rampensau stand Doug Dagger immer halb im Publikum, teilte das Mikro des öfteren mit so manchem Fan und holte selbigen auch ab und zu auf die Bühne. Die bedankten sich ihrerseits mit großer Text- und Melodiesicherheit sowie Hilfsbereitschaft: als im Eifer des Gefechts mal ein Mikro vom Ständer fiel, wurde der Ständer für den Rest des Songs durch den Arm eines Fans ersetzt. Womit wieder einmal bewiesen wäre: trotz »Anarchy«-Attitüde sind Punk-Rocker doch durchaus soziale Wesen :-)

Wer auf Punkrock US-amerikanischer Prägung mit Skater-Touch steht, ist bei The Generators gut aufgehoben! Dass mir der Gig im Zwölfzehn jetzt nicht so 100%ig zusagte, kann man der Band nicht ankreiden, denke ich.

Abpfiff

Die musikalisch interessanteste (und in jeder Hinsicht attraktivste ;-)) Band des Abends waren – wie ich erwartet hatte – Brigitte Handley & The Dark Shadows; gefolgt von den Guitar Gangsters, deren Musik einfach direkt in’s Herz bzw. den Bauch geht. The Generators hinterließen bei mir zwar leider nicht einen derartigen Eindruck wie beim Rest des Publikums, allerdings trugen sie (unbewusst?) doch zu einem rundum gelungenen Konzertwochenende bei: denn Sänger Doug Dagger trug doch tatsächlich ein T-Shirt von The Creepshow! So schloss sich also der Kreis zum Samstagabend…

Insgesamt war Pfingsten 2010 für mich auf jeden Fall ein sich extremst lohnendes »Punkstwochenende« mit einem knappen Endstand von 3:1 in der Verlängerung. Am Elfmeter-Pogen hab ich wie gesagt nicht teilgenommen, aber bei so einem Ergebnis kann selbst ich nicht mehr meckern ;-).

Einen besonderen Dank noch an das Zwölfzehn – nicht nur für diesen geilen Konzertabend, sondern auch dafür dass endlich die Tabledance-Stange vor der Bühne abgeschraubt wurde (äh – habt Ihr die zufällig noch? Freunde des Lauschsofas hätten sowas nämlich gerne ;-)) und man so nun ungestört die Geschehnisse auf der Bühne photographieren kann!

Meine Gebete wurden also erhört (doch noch ein Pfingsterlebnis?). Hach ja, wäre schön, wenn so manches andere Gebet auch noch erhört würde *hoff*…

Guitar Gangsters im Web
…nochmal im Web (uralt, aber solange die aktuelle nicht funktioniert)
auf MySpace

The Generators im Web
auf MySpace

Zwölfzehn im Web

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