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Waka, weg da, olé

11. Juni 2010

teaser futbol © photocase/Mr. NicoJaaaa, auch das Lauschsofa ist zumindest auf einer Hälfte im Fever. Und präsentiert Euch zur entspannten musikalischen Vorbereitung in einer Youtube-Playlist einige ungewöhnlichere Songs – passend zum runden Leder und einem Spiel, in dem die Frauen momentan (noch) erfolgreicher als die Männer sind.

Ja, der kleine Bodycheck musste schon sein. Allerdings komme ich auch stark ins Grübeln, was die Damen denn so zu hören pflegen während ihrer erfolgreichen Turniere. Muss ich das nächste mal bissle besser aufpassen, ich *…*. Die Herren haben sich in diesem Jahr für den Mallorca-Kracher von Bushido und Kay One entschieden. Ich vermute mal stark, dass sich Poldi hierüber richtig freuen wird. Gut mitgrölen kann man diesen Refrain auf jeden Fall, selbst wenn man auf dem Boden liegt (Olé, olé, olé, wir holn uns den Pokal und das zum vierten Mal usw…). Große Stilsicherheit bewies man ja schon bei der letzten WM, zu der Xaver aus Mannheim munter trällerte – auch in der Kabine. Nun gut, wenn es der Motivation dient und zur nötigen Spielaggressivität verhilft…

Fußball © photocase/Mr. Nico

Nein, das ist nicht der offizielle WM-Ball, aber trotzdem schön. teaser futbol © photocase.de/Mr. Nico

Der offizielle musikalische Beitrag zur WM – wie immer gibt es mehr als es tatsächlich Spieltage gibt – stammt in diesem Jahr von einer echten afrikanischen – äh – südamerikanischen Legende. Doch dass sich Shakira hier an dem berühmten Zitat von Fozzy Bär vergreift und sich dann auch noch schwarze Farbe auf den Körper schmiert, um im Video authentischer rüberzukommen, trifft weder meinen musikalischen Geschmack noch habe ich Verständnis für einen solch offiziellen Beitrag. Als ob Südafrika, oder fassen wir es weiter, Afrika, keine eigenen Künstler hätte, die für einen WM-Song geeignet wären. Da dies in anderen Blogs schon hinreichend diskutiert wurde, wenden wir uns nun den musikalischen Alternativen zu (für den optimalen Genuss würde ich empfehlen zwei Fenster zu öffnen, dann könnt Ihr die Youtube-Playlist einfach parallel anhören – hier der Link.)

Beginnen wir mit Beiträgen, bei denen keine Verständigungsschwierigkeiten bestehen sollten. Unsere Vorschläge aus Deutschland:

»Libero« von Udo Jürgens (1975) – hier ist nicht alles eitel Sonnenschein, Herr Jürgens übt durchaus kritische Worte am Fußballzirkus. Kostprobe: »…und es geht um sehr viel Geld./ Da will keiner mehr verstehen,/ daß auch Dir die Kraft mal fehlt.« Aber auch normale Spielerweisheiten finden Platz: »Libero, ein Sieg bedeutet viel / doch Du weißt ganz genau / wie schnell man diese Stunden vergisst.« Zwar kein Stadionkracher und leider nicht als Video bei YouTube, aber auch kritische Beiträge sollten ihren Platz finden. Wir haben zum Trost den Serienknaller »Manni, der Libero« in unserer Playlist abgelegt.

Dass man Sterne nicht nur auf dem Trikot tragen, sondern auch in den Schuhen verstecken kann, wusste Wolf Maahn schon 1995, als er auf dem Album Libero den Titel »Sterne in meinen Schuhen« veröffentlichte. In unserer Playlist als Live-Version mit der A capella-Band Basta.

»Er war interessiert, wie Alkohol funktioniert / nun stand er jeden Abend an der Theke / und trank mit Vergnügen viele Flaschen aus«. Der Text passt zumindest zum Thema Doping oder auch zu manch bedudelter Fanmeile: Udo Lindenberg veröffentlichte 1974 auf Ball Pompös den Titel »Riskante Spiele« mit dieser unglaublich fantastischen Zeile »Und dann sagt er: Olga, alles easy / jetzt geh ich einen rocken«.

Wenden wir uns den einfacheren und massentauglicheren Texten zu, zunächst mit einem weiteren Beitrag aus Deutschland, der unmissverständlich das Ziel eines jeden Fußballspieles erklärt:

»Boom, boom« (1983) von Trio. Dass es kräftig in der Kiste rappeln muss, wusste aber auch schon ein anderer: John Lee Hooker gab sein »Boom, boom, boom, boom« nicht nur bei den Blues Brothers, sondern schon ein paar Jährchen früher, nämlich 1962, zum Besten. Endlich ein Song von einem Schwarzen und dazu noch ein echter Klassiker, bei dem man nicht so genau auf den Text achten sollte.

Ähnliches gilt vielleicht auch für empfindliche Seelen beim nächsten Lauschsofa-WM-Warmlaufsong: »Big Balls« von AC/DC – damals (1976) noch mit Bon Scott und ohne Parental Advisory-Sticker in den USA – bedient das Genre Stadionkracher zumindest mit dem Bandnamen und könnte den Platz einer Ode an das kleine Runde einnehmen, oder so ähnlich – ich verzichte auf weitere Äußerungen bevor ich mich noch mehr ins Abseits spiele.

In derselben musikalischen Liga spielt auch Iggy Pop, der mit einem weniger heiklen Titel unser Fußballerherz beglückt – sein Beitrag aus dem Jahr 2001 heißt schlicht »Football« aus dem Album Beat em Up. Ein Wunder, dass man den Song nicht bei Youtube findet, aber immerhin den Titeltrack.

Beim Beitrag aus dem Land des Fußballweltmeisters 1998 kann man nicht nur jedes andere Land gut anfeuern, sondern auch wunderbar mithüpfen – wenn bei dem Bandnamen nicht mal jede Menge Tore fallen: Charles de Goal veröffentlichten mit »Hop Hop Hop Hop« einen richtig schönen Punk-NewWave-Retrohit. Man glaubt gar nicht, dass der schon 1984 veröffentlicht wurde, wenn man sich im Vergleich tagesaktuelle Indiewerke anhört ;)

Und wenn wir gerade schon bei Retro sind: Ein bisschen Trash muss sein, und da kommen Soccer mit »Kick It« gerade recht. Den Discoklassiker haben wir allerdings nur bei itunes entdecken können, alternativ und in dieselbe Kerbe schlägt ein Song aus derselben Zeit, den Ihr in der Playlist findet: »Come and get it on«. Ein Werk mit überragendem Cover von TVI Records aus den 1980ern, klingt wie das Intro zu irgendeiner amerikanischen Kultserie – kein Wunder, das Label hat seinen Sitz auch in Miami.

Ach, und was wäre eine Playlist zu großen Events ohne den King? Bzw. den Tiger: »Green, green grass of home« erfreut nicht nur Landschaftsgärtner, sondern hat auch Tom Jones zu einer Coverversion hingerissen, die wohl auch die bekannteste und erfolgreichste Version dieses Songs war. In den Siebzigern nahm sich Elvis auch noch dieses Titels an, dessen Version war aber leider nicht aufzufinden.

Und ein weiterer Song eines leider schon verstorbenen Künstlers: Im Todesjahr von Ronnie James Dio wollen wir an dieser Stelle noch an ein Frühwerk aus dem Jahr 1972 erinnern – auch er war einmal Mitglied einer Elf ;) – bei »I’m Coming Back to You« allerdings noch deutlich zahmer und bluesiger als zu seinen Zeiten bei Black Sabbath oder später.

Schwenken wir nach Afrika und zu einer World-Music bzw. Jazzgröße, die es nicht nur auf die Bühne des offiziellen Konzertes zur WM gebracht hat, sondern auch hierzulande durchaus bekannt ist: Angèlique Kidjo, die aus Westafrika, genauer Benin, stammt und inzwischen in New York lebt, stimmt uns mit dem bekannten »Agolo« (dieser Song hat es sogar 1994 auf Platz 57 der Deutschen Charts geschafft) und »Wele, Wele« auf afrikanische Rhythmen ein.

Und da ich eingangs schon erwähnt hatte, dass Südafrika einige sehr gute Künstler in den eigenen Reihen hat, kommen wir nun zu den Beiträgen aus dem WM-Land:

Bei einigen wird es sofort klingeln, andere werden vielleicht bei diesem Song denken – ach DIE kommen aus Südafrika? Die Poprocker von Watershed hatten hierzulande eigentlich nur diesen einen großen Hit, und den verdanken Sie dem Urlaub eines SWR3-Redakteurs. »Indigo Girl« schaffte es bis auf Platz 27, beim betreffenden Radiosender lief es bis zur Unerträglichkeit rauf und runter; inzwischen feierte die Band ihr 10jähriges Bühnenjubiläum mit einem Doppelalbum.

Ebenfalls ein echter Hit, hierzulande aber leider noch größtenteils unentdeckt, ist Tasha Baxter aus Johannesburg, die es mit ihrem groovigen, krachenden R’n’B-Rock-Pop sicherlich in die Playlists der Öffentlich-Rechtlichen schaffen könnte. »Colour of Me« passt ja auch ganz gut zum internationalen Fest des Balles.

Und jetzt, Obacht Jazz! Ein Künstler, ja eine Legende, der es international zu großem Erfolg gebracht hat, ist der Pianist Abduallah Ibrahim, darüber kann Thorsten sicherlich einen ganzen Artikel füllen. Und wer dann auch noch einen Song mit »Bombella« betitelt – da fragt man sich schon, warum solch einer nicht beim offiziellen Konzert zugegen war. Immerhin das Goethe-Institut ist sich der kulturellen Aufgabe bewusst. In der Playlist findet Ihr einen seine Liveauftritte vom Lugano Jazz Festival: »Cape Town Flower« passt ja auch ganz gut ;)

Und wenn wir schon bei Kultur sind: Ein Label, das immer wieder mit wirklich hervorragenden, authentischen und originären Samplern heraussticht, ist Putumayo. Empfehlenswert sind natürlich zur WM die Sampler zu Südafrika & Co – aktuell bietet das Label noch bis 16. Juni eine Aktion zu CDs aus der »Africa Collection«. Dort haben wir auch die beiden folgenden Künstler entdeckt, die den Abschluss unserer Playlist bilden.

Was wäre der Ball ohne Fuß? Das dachte sich Nibs van der Spuy zwar vermutlich nicht, als er diesen Song betitelte. Und das Thema des Songwriter-Beitrags ist auch nicht gerade ein Spaßmacher-Song, ganz im Gegenteil. Der Titel »Beautiful Feet« passt einfach gut zum WM-Thema – und nachdenklich darf man zwischendurch ja schon einmal sein. Immerhin findet die WM in einem Land statt, in dem freie Wahlen erst seit 1994 möglich sind. Und obwohl das Ende der Apartheid ebenso lange zurück liegt, leben einfach immer noch zuviele Menschen in Armut. Immer wieder bewundernswert, dass ausgerechnet solchen Menschen die Freude am Feiern nicht zu nehmen ist. Wer sich also wieder in Stimmung bringen möchte, ist sicherlich mit dem letzten Titel unserer Playlist gut bedient. Auf zum fröhlichen Popowackeln mit Louis Mhlanga: »Rhumba all the Way« ist echtes Afrikafeeling.

So, und ich kauf mir jetzt noch eine Uweseeler oder wie die Dinger heißen, damit ich den Nachbarn mal ordentlich die WM-Meinung blasen kann. Viel Spaß beim Fussigucken – olé!

Link zur Youtube-Playlist

2 Kommentare leave one →
  1. 12. Juni 2010 17:58

    Uaaah, Bushido und Kay One – wenn solche Sachen nun in der Mannschaftskabine laufen, ist Mehmet Scholl spätestens jetzt froh, dass er nicht mehr dabei ist ;-)

  2. 23. Juni 2010 15:02

    Die Süddeutsche hat da auch einen hübschen Beitrag zu „Homemade“-Songs http://www.sueddeutsche.de/sport/wm-hymnen-im-netz-do-hit-yourself-1.961420

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