Zum Inhalt springen

Nash »ville« anders

25. Mai 2010

© Clare Nash / Universalmusic

Das schwierige zweite Album? Die, ähem, britische Ausgabe von Lena Meyer-Landruth ist wieder da und erfreut uns auf ihrem zweiten Album mit dem Geständnis My Best Friend Is You ;-)

Neeeiiiiiin, das hab ich doch nicht ernst gemeint, latürnich! Also bitte! Spaß muss sein. Immerhin war ich bei Kate Nash »Early Adopter«, wie man so schön sagt (ja, 5,- in die Werbeonkel-Kasse) und habe mir damals Made Of Bricks schon vor dem Verkaufsstart hier in Deutschland besorgt. Aber wie das halt manchmal so ist – trotz Major im Rücken und einem glänzenden Start blieb Kate Nash hierzulande doch relativ auf dem Geheimtipp-Status stehen. Und wenn dann in der Zwischenzeit jemand im selben oder zumindest ähnlichen Fahrwasser mit geballter Casting-Macht daherkommt, dann kann man schon mal dumm gucken müssen, dass man als Original plötzlich von manchen als Kopie gesehen wird.

Kate Nash ist also wieder da und bietet ihr zweites Album nach ihrem großen Erfolg mit Made Of Bricks feil. Was mir als erstes auffällt, ist der dekorative »Parental Advisory«-Sticker auf der Vorderseite. Hm? Machen die Engländer dieses freiwillige Ding der US-Plattenindustrie jetzt auch mit? Oder soll das etwa schnöden Marketing-Strategien folgen (in der Hiphop-Szene wird er ja gerne derart benutzt)? Denn sind wir doch mal ehrlich: der hätte dann ja auch schon auf Made Of Bricks gehört, auf den Mund gefallen war die liebe Kate (zum Glück) ja noch nie…

© Kate Nash Official Facebook

Kate fast noch wie gewohnt... © Kate Nash Official Facebook

Was als zweites auffällt, ist ein seeehr deutlicher Hang zu den Sechzigern, sowohl optisch als auch akustisch. Kate hat sich äußerlich doch sehr verändert, wirkt damenhafter und trägt jetzt Bob. Auch das von ihr selbst gestaltete Booklet unterstreicht diesen Vintage-Charakter und legt so den Schluss nahe, dass das Album nicht aufgrund des Produzenten so geworden ist, sondern dieser wohl ganz gezielt zu diesem Zweck an Bord geholt wurde: Ex-Suede Bernard Butler schwang sich in den (vermutlich) schwarzen Ledersessel, der u.a. schon für das Debut-Album der doch etwas drögen Duffy benutzt wurde und dessen Draufsitzer somit quasi Spezialist für Sixties-Sound ist. Für einen sehr britischen, wohlgemerkt.

My Best Friend Is You beginnt gleich mit einem Gute-Laune-Kracher namens »Paris«. Warum der Track so heißt, hab ich leider nicht verstanden. Allerdings konnte ich den Lyrics immerhin soviel entnehmen, dass es sich textlich eben nicht unbedingt um einen reinen Gute-Laune-Song handelt – ganz so wie ich es gerne hab, ich mag ja bekanntlich diese kleinen Brüche. Und es geht gerade so weiter. »Kiss That Grrrl« kommt auch in einem sehr hymnischen Early-Sixties-Style daher und enthält dabei unverhohlene Drohungen im Text – die allerdings auch gleich relativiert werden durch Eingeständnisse, die hinter den Drohungen eine tiefe Unsicherheit und Verletzlichkeit erkennen lassen. Aber eindimensional war Kate Nash ja auch noch nie.

© Clare Nash / Universal Music Group

...und Kate im neuen Look © Clare Nash / Universal Music Group

»Don’t You Want To Share The Guilt« fällt dann schon etwas heraus. Von Sixties-Nostalgie hier nicht viel zu spüren: Ukulele, Hammond, Glockenspiel und Streicher sorgen zum einen für ein modernes, fast schwedisch anmutendes Pop-Gewand, zum anderen ist der Song an sich auch recht ungewöhnlich. Wird eine »normale« Songstruktur erst angedeutet, so sprudeln die Worte dann in einer sehr ausladenden »Coda« geradezu aus Kate heraus. Und wenn wir schon bei »ungewöhnlich« sind, kommen wir gleich zu »I Just Love You More«, der ja als erster Vorgeschmack auf das Album schon längere Zeit durch das Web geisterte und, ich gebe es zu, mich zuerst zu dem Schluss brachte: also, wenn das beispielhaft für das neue Album ist, dann will ich es womöglich gar nicht haben. Komischerweise war dann beim ersten Hören der neuen Scheibe mein Eindruck ein anderer. Zum einen ist er nicht völlig symptomatisch für das ganze Album, fügt sich aber ganz gut ein und gefällt mir mittlerweile sogar recht gut. Vielleicht weil bei diesem Song der, ähm, »dezente« Irrsinn von Frau Nash noch aufblitzen darf. Wirkt sie doch insgesamt zu früher etwas distinguierter. Wie auch immer, »I Just Love You More« ist eine recht experimentelle Lärm-Orgie, die vielleicht erst ein wenig verstört, aber dann doch recht viel Spaß macht. Mir zumindest ;-)

»Do-Wah-Doo« ist da schon wieder deutlich zugänglicher und wurde vermutlich deshalb als erste Single ausgekoppelt. Aber er ist ja auch ein wirklich guter Song mit einem tollen Chorus – und wieder mal einem Text, der eigentlich zu dem Do-Wah-Doo-Charakter des Songs gar nicht so recht passt. Und genau deshalb umso mehr. Kann man mir noch folgen? ;-) Egal, die liebe Kate war so lieb, im dazugehörigen Video als Stewardess aufzutreten und mir so eine grandiose Überleitung zum nächsten Song zu liefern. Allerdings hat »Take Me To A Higher Plane« mit Flugzeug allenfalls am Rande zu tun. Ist mit Violine und Reel-Charakter aber ein eindeutiger Abgeh-Spaß-mach-Song.

© Kate Nash Official Facebook

Der Retro-Style wurde auch bei der Dokumentation der Sessions in den RAK Studios beibehalten… © Kate Nash Official Facebook

»I’ve Got A Secret« schlägt dagegen wieder in die Kerbe von »I Just Love You More«, nicht ganz so lärmlastig-ausgelassen, eher cooler aber doch mit experimentellen Elementen – was man mit einer guten alten Bandmaschine nicht so alles machen kann! Ob Kate hier wirklich eines ihrer Geheimnisse enthüllt? Keine Ahnung – aber ein deutliches Statement gibt sie ab. Wirklich ungewöhnlich wird es dann aber beim »Mansion Song«, der nach traditonellen Maßstäben eher keiner ist. Lustig, dass sich Kate Nash auf ihrem zweiten Album einerseits sehr stark an große britische Popmusik der Sechziger anlehnt und sich andererseits traditionellen Strukturen und auch Erwartungen immer ein bisschen widersetzt. Doch genau das passt ja zu ihr.

Das Löwen-…äh… Sechziger-Konzept (muahaha, ja der war billig, aber musste sein ;-)) wird auch nicht bis zum Schluss durchgezogen. »Early Christmas Present« ist wieder mal keines ;-) – aber dafür ein typischer Kate Nash-Song, in jeder Hinsicht. Ebenso wie »Later On«, der überdies wieder mit einem sehr schönen Chorus aufwartet. Und »Pickpocket« enthält dann endlich wieder das typische Kate-Nash-Piano, das ich auf diesem Album immer ein wenig vermisst habe. Nach dem etwas depressiven Veranda-Sitz-und-Sinnier- bzw. Schlaflied »You Were So Far Away« gesteht Kate: »I Hate Seagulls«. Doch bei diesem letzten Track des Albums handelt es sich nicht um einen weiteren Angry-Young-Woman-Song, sondern um ein sehr schönes Liebeslied.

© Kate Nash Official Facebook

…trotzdem verweigert sich Frau Nash nicht modernen Kommunikationsmitteln © Kate Nash Official Facebook

My Best Friend Is You mag ein etwas schwieriges, sperriges Album sein. Zumindest auf den ersten Blick…äh…»Hör«…wie auch immer ;-) Kate Nash hat ja zugegeben, dass sie z.B. »Foundations« manchmal schon nicht mehr hören, geschweige denn singen mochte/mag. Sie hat sich, wie gesagt, schon rein äußerlich verändert und scheint irgendwie erwachsener geworden zu sein. Man mag etwas überrascht sein von diesem Album, auf dem vieles nicht so recht zusammenzupassen scheint. Manchmal hat man den Eindruck, Kate Nash wollte sich um jeden Preis von dem Bild befreien, das man von ihr durch ihr letztes Album und das ganze Drumherum bekommen hat. Ob das manchmal fast zu viel des Guten ist? Vielleicht. Ich weiß es nicht. Auch möchte ich nicht sagen, dass My Best Friend Is You ein ganz großer Wurf ist – aber auf jeden Fall ein sehr deutliches »Lebenszeichen«, dass Kate Nash immer noch da ist und man auch in Zukunft mit ihr rechnen muss. Vielleicht ist es kein Zufall, wie das Album aufgebaut ist: zuerst der deutliche Sixties-Touch, ganz gegensätzlich zu dem, was man von ihr erwartet hätte, immer wieder durchbrochen von Experimenten, landet sie nach der ganzen Reise zum Schluss wieder recht stimmig und »versöhnlich«. Und blieb dennoch tief drinnen die ganze Zeit über unverwechselbar Kate. Vielleicht ist dieses Album das Dokument einer Reise auf der Suche nach sich selbst? Ich bin jedenfalls gespannt auf das dritte…

Kate Nash – My Best Friend Is YouKate Nash – My Best Friend Is You
2010 Polydor Ltd / Universal Music Group











Kate Nash im Web
…bei MySpace
…bei Facebook
…bei Twitter
…auf YouTube

One Comment leave one →
  1. 10. Juni 2010 18:08

    Nachdem ihre Stippvisite zur Album-Promo hierzulande doch recht kurz geraten war, legt Frau Nash im Herbst nochmal nach:

    16.09.2010 Hannover @Capitol
    17.09.2010 Neuisenburg @Hugenottenhalle
    18.09.2010 München @Tonhalle
    20.09.2010 Köln @E-Werk
    21.09.2010 Stuttgart @Theaterhaus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: