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Workout auf Norwegisch

19. Mai 2010

katzenjammer teaser

Katzenjammer haben Stuttgart wieder mit einem Konzert beehrt – dieses Mal im Universum vor größerer Kulisse, aber mit ähnlichen Auswirkungen.

Woran merkt man, dass eine Band berühmt wird? Wenn sie in einem Club spielt, wo man nicht mal die Getränke mit rausnehmen darf. Und wenn sie sogar dann auch mal von SWR3 entdeckt wird. Und daran, dass in jeder Stadt das beste Publikum überhaupt ist (auch wenn über Stuttgart kein einziges Wort in Facebook stand, naja, deutlich genug betont wurde es ja auf der Bühne). Und dass das beste Publikum dann auch ganz schön viel labert, gerade bei ruhigen Songs. Und dass die Band sich immer mehr Zeit lässt, bis sie nach dem Vorprogramm auf die Bühne kommt. Und vielleicht so ein kleines bisschen, dass das Kribbeln nicht mehr ganz so groß ist wie beim ersten Mal. Genug ge-jammert (!), denn die Damen aus Norwegen bieten nach wie vor eine der besten Liveshows, die wir so zu sehen bekamen in den letzten Monaten.
Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010

Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010 (links Solveig Heilo, rechts Anne Marit Bergheim) © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Umso verwunderlicher, dass dieses Mal keine passende Band für das Vorprogramm gefunden werden konnte. Merkt man auch daran, dass Katzenjammer massentauglicher geworden sind? Dieses Mal standen nicht wie im Beat!Club vor etwa einem dreiviertel Jahr RasgaRasga als Warm-up auf der Bühne, sondern eine, äh sorry, ein James-Blunt-Jason-Mraz-Melissa-Etheridge Songwriter als Cool-down. Er stahl ihnen auf jeden Fall garantiert nicht die Show. Wie er hieß? Nennen wir ihn mal The Mysterious Mützen Man. Über ihn konnten wir leider gar nichts rausfinden. Ihr dürft uns da also gerne auf die Sprünge helfen – wenn’s sein muss. Besonders berührt hat uns seine Darbietung jetzt nicht, deshalb sparen wir uns jede weitere Kritik, auch wenn die Instrumentalleistung auf der Akustikgitarre sicherlich ordentlich war.
Aber wir waren ja auch wegen der Mädels da und nicht zum munteren Kaffeekränzchen wie so manch anderer Besucher – oder sollte man besser Belästiger sagen? Ticken wir da so anders? Sind wir da zu intolerant? Naja, wir gehen jedenfalls auf Konzerte, um der Musik zu lauschen. Und sollte sie uns nicht gefallen, gehen wir vor die Tür und trinken da unser Bier. Soweit der Senf. Danke fürs Zuhören.
Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010

Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010 (links Solveig Heilo, rechts Turid Jørgensen) © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Zurück zu Katzenjammer, jetzt aber wirklich – wir lassen uns da halt, passend zum Konzert, auch ein wenig bitten ;) Das Universum ist ja jetzt nicht das, was man privaten, gemütlichen Club nennt. Und der Ansturm war dieses Mal auch deutlich größer als im Beat!Club. Dicht gedrängt stand man da bis in die letzten Reihen, weiter hinten hatte man auch schon Schwierigkeiten überhaupt etwas von der Band zu sehen. Eröffnet wurde dieses Mal mit »Der Kapitän« um die Meute auf Normallevel zu bekommen. Direkt danach schipperten die Damen mit dem Spätsiebziger-Wave-Ska-Folk »Le Pop« in gewohnt groovige Gewässer. Und tatsächlich sah man schon die ersten Hüpfburgen in den vorderen Reihen.
Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010

Dicht gedrängtes Katzenjammer Publikum @ Universum, Stuttgart 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Das Publikum war – zumindest vorne – ziemlich aktiv, und gröhlte lauthals »it’s so beautiful« beim Zimtteeliedchen mit. Zu diesem Zeitpunkt aber beschlich zumindest Jule das Gefühl, dass irgendwas anders war als beim letzten Gig. Und es lag ausdrücklich nicht an den Damen auf der Bühne. Diese spielten wie gewohnt mit einem Höllenspaß, wechselten waghalsig die Instrumente und waren wieder erstaunlich stil- und tonsicher. Aber der Sound… hmm, zu Beginn dürftig. Den Gesang hat man nicht wirklich gut gehört, den Bass dafür teilweise zu laut. Zumindest etwas weiter hinten im Saal kam der Sound so an. Was sich glücklicherweise zumindest im letzten Drittel und bei den Zugaben änderte. Aber der Funke sprang trotzdem nicht so über wie beim letzten Mal, wo man auch noch bequem mittanzen konnte. Naja, auch wir haben nicht immer einen guten Tag und vielleicht lag es daran. Darüber kann man vermutlich endlos philosophieren. Parallelen traten allerdings trotzdem auf: je schlechter die Luft wurde, umso besser wurde der Sound. Und übrigens: es dient nicht wirklich der Luftverbesserung, die Tür zum B27-Tunnel zum Lüften zu öffnen.

Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010 (links Marianne Sveen, rechts Anne Marit Bergheim) © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Im Unterschied zum Beat!Club gab es eine gewisse Arbeitserleichterung für Solveig, die nicht mehr  lang und breit das Wikingergegröle erklären musste. Auch bei der choralen Einlage zu  »To the sea« zeigte sich das Publikum sehr textsicher und stimmgewaltig. Trotzdem wollen wir nicht auf die pantomimisch unterstütze Erklärung der Textzeile » All I have left is the voice of the wind.« verzichten ;) Das komödiantische Talent steht dem musikalischen bei Katzenjammer in nichts nach. Wie immer wunderbar – wir springen in der Setlist noch einmal kurz zurück – war die Darbietung von »Wading in Deeper«.  Spätestens nach diesem Song stellten sich wieder die Funken, zumindest teilweise, ein. Einen dicken Extradaumen gibt es außerdem noch für die sehr gelungene Coverversion von »Land of Confusion«, mit dem die Damen das Set abschlossen. Die erste Zugabe war dann – latürnich – »A Bar in Amsterdam«, eines der geilsten Stücke der ersten CD Le Pop.
Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010

Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010 (Solveig Heilo, performing the one and only trumpet solo on »A Bar in Amsterdam«)) © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Derzeit arbeitet die Band, trotz des straffen Liveplans – der zumindest bei Solveig hörbare Spuren hinterlassen hat – an Songs für das neue Album, das im Herbst diesen Jahres aufgenommen werden soll. Kostproben dazu gab es mit »Lady Marlene«, »Cherry pie« (nein, keine Coverversion von den Weißen Schlangen) und »God’s great Duststorm«. Ebenfalls performed wurde der als  Single veröffentlichte »Demon Kitty Rag«. Da bleibt  abschließend nur noch eines zu sagen: Skippskippskippskippskippbadibada!
Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010

Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010 (Marianne »Hendrix« Sveen) © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Wer Katzenjammer noch nicht gesehen hat, muss das nachholen! Dringend! Auf einigen Festivals ist in diesem Jahr und vor der zu erwartenden Live-Pause im Winter noch die Gelegenheit. Unter anderem bei den beiden »Großen«: Southside Festival am 19. Juni und beim Hurricane am 20. Juni. Weitere Termine: 29. Juli, Colos-Saal, Aschaffenburg; 31.Juli, Stimmen Festival, Lörrach; 01. August, Bardentreffen, Nürnberg; 04. August, Kulturzelt, Kassel; 05. August, Kulturarena, Jena; 28. August, Burgrock Festival, Altena; 10. September, Kultur im Zelt, Braunschweig.
Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010

Der Bass hat schon ein Auge verloren, bei so vielen Liveterminen kein Wunder – Katzenjammer live @ Universum, Stuttgart 2010 © Thorsten Kampa, Lauschsofa

Die komplette Setlist könnt ihr hier nachlesen.
8 Kommentare leave one →
  1. Melli permalink
    25. Mai 2010 11:30

    einer der schlechtesten Konzertkommentare, den ich jemals gelesen habe.
    Unfassbar!

    • 25. Mai 2010 16:16

      …nanana, Melli, in unserer Kommentarsektion sind eigentlich nur Huldigungen und Lobpreisungen erlaubt! ;-) Im Ernst: schade, dass Du ihn so unterirdisch findest. Weil? Dann wäre es für uns nämlich im wahrsten Sinne fassbarer… Gruß, Thorsten

  2. 26. Mai 2010 15:41

    Mich würde ja interessieren, ob Melli die andere Review auch so unterirdisch findet. Immerhin sind wir hier ja auch nicht auf den Seiten der NZZ oder der ZEIT… ;) Kritik finde ich wichtig und sie muss auch ihren Platz haben. Aber so eine Chance auf Nachbesserung – und somit einen Anhaltspunkt, WAS genau sie Scheiße findet – wäre doch nicht verkehrt, oder? Damit auch alle anderen beim nächsten Artikel wieder Spaß am Lesen haben.

    • NANA permalink
      26. Mai 2010 21:17

      Also ich schließe mich Thorsten und Jule an…ich würde gerne wissen was so unfassbar an diesem Artikel ist. Ich war auch auf dem Konzert und kann mich dem Kommentar der beiden Lauschsofapupser :) anschließen. Es geht doch hier um das wieso und weshalb man den Auftritt wie empfindet oder? Vielleicht sollte Melli demnach erst einmal in ihre Argumentetasche greifen bevor sie solch unqualifizierte Sätzlein hier hinterlässt, sofern sie eine solche überhaupt besitzt :).

      Grüße
      NANA

  3. Melli permalink
    28. Mai 2010 15:05

    Mein Problem mit diesem Kommentar ist, das man merkt, dass der Autor sich scheinbar derart zu den Mädels hingezogen fühlt, dass egal, wie sich das Publikum verhalten hätte, kein Gast den Ansprüchen hätte gerecht werden können. Es hinterlässt bei mir den Eindurck, er hätte gerne ein Privatkonzert für sich gehabt und später dann das volle Backstageprogramm.

    Ich war auch auf diesem Konzert. Die Menge ging ab, dass es besser nicht mehr ging. Es war einfach sensationell. So kommt das bei dieser Beschreibung aber nicht rüber. Eher vermittelt der Text, dass zwar ein paar da waren, vornehmlich in den vorderen Reihen, denen die Musik Spaß zu machen scheint, aber die große Mehrheit hat sich damit beschäftigt die Sportergebnisse der Vorwoche auszutauschen.

    Der Sänger im Vorprogramm war wirklich gut. Es war natürlich ein ganz anderer Sound als Katzenjammer selbst, aber das ist ja auch normal, denn es gibt ja nichts vergleichbares. Ich verstehe nicht, wieso man ihn so niedermachen muss, nur um die Mädels zu profilieren. Zumindes erscheint mir das hier so.

    Zwischendurch versucht der Autor immer wieder lustige Witzchen zu machen, die einfach nicht lustig sind. Wer nicht lustig ist, sollte es auch nicht versuchen. Ich sage nur: „Genug ge-jammert (!)“. Find ich nicht witzig und bin damit sicherlich auch nicht allein…

    Vom stilistischen mal ganz abgesehen fangen alleine im ersten Absatz um die 5 Sätze mit „Und“ an…

    Das, was hier beschrieben ist, kann nicht das Konzert gewesen sein, dass ich besucht habe.

    Grüße,

    Melli

    • 28. Mai 2010 16:10

      Hallo Melli,

      danke für Deine Sicht der Dinge, die Thorsten & ich gerne kommentieren möchten:

      Das erste Konzert, das wir von Katzenjammer gesehen hatten, war vergangenes Jahr im Beat!Club in Stuttgart. Dort ging das Publikum mindestens ebenso gut mit wie im Universum, aber die Atmosphäre war aus unserer Sicht im Beat!Club einfach besser. Wobei wir ausdrücklich nicht geschrieben haben, dass wir das Publikum doof fanden, sondern vielmehr angetan davon waren, wie „textsicher und stimmgewaltig“ sich die Besucher präsentierten. Die Formulierung „Hüpfburgen“ beschreibt unserer Ansicht nach den Zustand eines tanzenden, hüpfenden und ausgelassenen Publikums ganz gut.

      Unsere Sicht der Dinge können wir zudem nur aus dem hinteren Drittel des Raumes beschreiben, wo sich viele der Gäste anstatt zuzuhören lieber unterhalten haben –leider. Was wir so selbstverständlich auch auf anderen Konzerten bereits erlebt haben und bei uns die Frage aufwirft – muss das sein? Die Atmosphäre im Universum ist aufgrund der Architektur – niedrige Decken, verwinkelte Gänge – vermutlich im hinteren Bereich nicht so genial wie vor der Bühne.

      Humor ist immer Ansichtssache – es gibt Menschen, die Monty Python urkomisch finden und andere, die bei das „Leben des Brian“ nicht eine Miene verziehen. Unser Humor geht bei vielen Artikeln in eine Richtung Kalauer, bei denen sich sicherlich nicht jeder unbedingt die Schenkel wund klopfen muss, aber die vielleicht bei dem ein oder anderen ein kleines Schmunzeln verursachen.

      Und ob eine Anapher tatsächlich als solche anerkannt wird oder vielmehr gerade noch so durchgehen kann, hängt von der Interpretation eines jeden Lesers ab.

      Zum Vorprogramm: Wir fanden diesen Act unpassend als Warm-up für Katzenjammer, da wir – ebenfalls im Beat!Club – mit RasgaRasga eine bessere Alternative gesehen haben. Auch im Vergleich zu anderen Songwritern hat er uns nicht gefallen und das bleibt Geschmackssache. Sicherlich ist die Formulierung nicht glücklich gewählt, aber auch hier verweisen wir auf die Art des Humors, den Du leider nicht mit uns teilst. Was zwar schade ist, weil wir weniger zusammen lachen können, aber sich auch nicht ändern lässt. Ebenso wenig wie der Umstand, dass jeder gemeinsam Erlebtes immer anders erzählen wird. Aber gerade das finden wir spannend.

  4. Katrin permalink
    7. Juni 2010 16:11

    also ich kann den artikel teilen, beatclub war um welten besser.
    vielleicht wurde mehr getanzt und mitgesungen im uni, aber der zauber der band war im herbstkonzert einfach größer.
    der kerl der als vorband gespielt hat war vielleicht ganz gut aber vor katzenjammer stilmäßig völlig deplaziert….vor pur oder james blunt hätt ich ihn passender gefunden, mir hat der einfach zu viel geheult.

  5. 16. September 2010 11:03

    Einen richtig geilen Konzertmitschnitt vom Katzenjammer-Konzert in Köln gibt es ab sofort auf der WDR-Rockpalast -Seite zu sehen:
    http://www.wdr.de/tv/rockpalast/extra/videos/2010/0225/katzenjammer.jsp

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