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Die Schalala-Lampe geht an…

13. Mai 2010

Tja, dem selbsternannten Arbeiterführer NRWs ging am Wochenende die Grubenlampe aus. Und bis man sich an Rhein und Ruhr geeinigt hat, wie viele und welche Hände das neue Streichholz zücken werden, sollten wir doch mal wieder für Erhellung sorgen und eine Schalalalampe verleihen. Auch wenn mir ob dieser grandiosen Einleitung selbst eine zustehen würde – ich kann sie mir ja nicht selbst verleihen ;-)…

schalala-lampe-01-2010Die Schalalalampe geht also an: Die Promoabteilung der EMI, Das Gezeichnete Ich und Green Entertainment. Und zwar nicht getrennt, sondern zusammen.

Was? Gleich drei Preisträger auf einmal? Hm, nun ja, manchmal erfordern, äh, große Dinge mehrere Köpfe. Offenbar.

Disclaimer: Ich schreibe das hier jetzt nicht mit Schaum vor dem Mund oder als beleidigte Leberwurst. Nö. Überhaupt nicht. Ich verstehe nur nicht, dass so etwas durchgeht und keiner auf den Trichter kommt, dass da konzeptionell vielleicht irgendwas nicht stimmt…

Es begab sich, dass ich vor einiger Zeit auf einen neuen Künstler aufmerksam wurde, der sich Das Gezeichnete Ich nennt. Die entfernt an Peter Heppner erinnernde Stimme, die recht mysteriös aufgemachte PR, der künstlerisch-intellektuelle Anstrich und nicht zuletzt die für mich v.a. vor dem besagten Hintergrund ungewöhnlich erscheinende Produzentenkombi Alex Silva und Neco Tiglioglu machten mich neugierig. Wir reden hier von Pop, klar, aber interessant und überraschend gemacht, soweit ich das bisher hören konnte (Album kommt im Juni). Kurzerhand »befreundete« ich mich also mit Dem Gezeichneten Ich, kurz: DGI,  im Gesichtsbuch und stieß sodann auf eine Promo-Aktion, die ich echt witzig und sehr passend fand: man sollte nämlich sein eigenes ich zeichnen und dann auf dem DGI-Profil posten. Als Preis winkte – O-Ton – »eines der drei extrem geschmackvoll ausgestatteten CD-Überraschunkspakete«.

Nun denn, da ich als Comic-Liebhaber mich ja sowieso schon mal als Comic-Figur verewigt hab, hab ich kurzerhand mitgemacht. Als erster. Und fast als einziger. Immerhin gelang es mir, zu den Preisträgern zu gehören. Ja, Kunststück, ich weiß. Ich fand es sowieso recht seltsam und kleinlich, bei gerade mal vier oder fünf Teilnehmern dann echt noch drei auszusuchen und nicht zu sagen, ach komm, wir geben jedem eins. Hätte ich nen feinen Zug gefunden. Noch unverständlicher wurde es mir, als ich dann mein, äh, Paket in den Händen hielt.

Denn nach einiger Zeit kam es an, das – wir erinnern uns – »extrem geschmackvoll ausgestattete CD-Überraschungspaket«. Tja, eine Überraschung war es in jedem Fall. Es bestand nämlich aus: einer Zahnbürste (für sich allein genommen ja ganz witzig), der Promo-CD mit einem einzigen Track nur aus Anspielern (und übrigens einem prominenten Druckfehler auf der Rückseite) und einer (immerhin handgeschriebenen) Karte mit »Herzlichen Glückwunsch! Dein EMI Team«, lose zugesandt in einem DIN A5-Polsterumschlag. Wie ich von anderen Gewinnern weiß: kein Einzelfall. Na, dann will ich mal nicht wissen, wie ein liebloses und geschmacklos ausgestattetes Überraschungspaket aussieht… wenigstens die aktuelle Maxi-Single hätte man ja verschicken können, zumal DGI auf Konzerten wohl auch CDs verteilt. Aber ne Promo-CD? Etwas, das oft kostenlos im Media-Markt und so rumliegt? Also echt…

dgi promo

Eine echte Überraschung: Das Promo-Paket der EMI zur DGI-Aktion

Noch mal zum Verständnis: ich hab jetzt ja nicht tagelang an einem Selbstbildnis in Öl gesessen und bin jetzt sauer – und ich hab auch mehr spontan aus Spaß halt mal mitgemacht. Aber ob der Diskrepanz zwischen vollmundiger Ankündigung, Image des Das Gezeichneten Ichs und diesem Ramschpaket in meinen Händen kam ich mir schon verarscht vor. Weil da halt auch nix zusammenpasst, so von Branding und PR her gesehen.

Meine erste Vermutung war, dass die Promoabteilung der EMI da eventuell etwas eigenmächtig gehandelt hat. Bekanntlich steht man da ja sehr unter Druck (das Neueste dazu hier) und ist in der heiligen Stadt Gerüchten zufolge immer mehr nur noch mit einer Rumpfmannschaft am Werkeln. Hätte mich also nicht groß gewundert, wenn man im Kölner Mediapark vielleicht auch einfach keinen Bock mehr hatte – schon gar nicht, wenn eine Promo-Aktion dermaßen im Sand verlaufen ist wie diese. Die erzielte Reichweite lag bei besagten 4–5 Teilnehmern vermutlich weit unter den Hoffnungen.

Verschwörung, die ich vermutete, wandte ich mich also an das Management des Künstlers und wollte mal nachfragen, ob das so im Sinne des Erfinders war. Denn als ob das nicht die einzige Ungereimtheit wäre: im Player auf der DGI-Website lief David Guetta… Leider bekam ich nie eine Antwort. Aus gutem Grund, wie sich herausstellte, denn wie ein Nachfragen beim Künstler selbst via Gesichtsbuch ergab: ja, das war wohl deren Ernst. Ich fasse es nicht. Mal ganz kurz eingeflochten: sehr anständig vom Künstler, diese Frage nicht zu ignorieren und auch den Post auf dem Profil zu belassen. Das zeugt von Stil.

Aber mal ehrlich: denkt da keiner mit? Ich meine, ich komme ja selbst aus der Marketing/PR-Ecke, aber dass das nicht passt, müsste einem doch schon der klare Menschenverstand sagen… Bei einer Punkband z.B. wäre so ein Gewinn – evtl. noch mit einem passenden bösen Spruch auf der Karte anbei – ja sogar witzig und würde ein Anarcho-Image unterstützen. Nach dem Motto: Mittelfinger hoch und »haste gedacht, was?« Aber im Zusammenhang mit so einem doch ernsthaften Künstler wie DGI wirkt das meiner Meinung nach doch eher kontraproduktiv. Dass ein Künstler vielleicht nicht unbedingt immer den richtigen Griff hat, was PR- und Image-Fragen angeht, ist klar. Aber dafür hat er ja ein Management. Das auch mal sagt »äh, gut, aber vielleicht machen wir’s doch besser anders« Und im Falle von DGI mit Green Entertainment ja alles andere als Anfänger am Start. Ich fasse es nicht…

Allerdings hat Das Gezeichnete Ich versprochen, mir »als Wiedergutmachung« eine CD zu schicken, wenn sie fertig ist. Also, ich brauch doch keine Wiedergutmachung… aber die CD nehme ich latürnich sehr gerne. Die werde ich dann auch gerne rezensieren. Denn wie gesagt: was ich bisher von DGI gehört habe, fand ich nämlich gar nicht schlecht. Wer sich davon selbst ein – Achtung! Bild ;-) – machen möchte, kann auf der Website von Das Gezeichnete Ich mal in die Single reinhören bzw. sich hier den sehr starken und interessant produzierten Track »Innen« kostenlos runterziehen.

Übrigens, am Samstag begegnete mir auf der Rolltreppe im Königsbau-Saturn Andreas »Bär « Läsker – und guckte mich, wie mir schien, leicht grimmig an – sollte er mitbekommen haben, dass er Preisträger ist? ;-)

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