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Fremdfreuden

11. März 2010

The Intersphere

Kein Debutalbum, aber trotzdem so etwas wie einen Neubeginn liefern The Intersphere mit interspheres > < atmospheres ab. Nebenbei sind sie wohl derzeit der beste Output, den die popakademie indirekt hervorgebracht hat.

Das Konzert habe ich leider verpasst. Und mich trotzdem gefreut, denn das aktuelle Album der Band The Intersphere, die sich früher einmal Hesslers nannte, ist für mich eine echte Entdeckung. Und die Geschichte dazu klingt wie ein kleines Rockmärchen, dass zumindest mir die Zuversicht gibt, dass abgesehen von dem Casting-Wahnsinn hierzulande auch noch solide Bandförderung erfolgreich und ohne Eintagsfliegencharakter betrieben werden kann. Mit einer Produktion, die absolut mit internationalen Acts dieses Genremix mithalten kann. Aber zunächst zurückgespult ins Jahr 2006: Damals trafen sich die vier Mitglieder – ihres Zeichens Absolventen der Popakademie – zum ersten Proben in Mannheim, um die Ideen von Frontmann Christoph Hessler umzusetzen. Und offensichtlich hatten sich die richtigen Leute gefunden, denn das Verständnis von guten Songs traf auf Gegenliebe. Die offizielle Info der Band spricht hier von »jenem magischen Moment, der große Rockmusik ausmacht.« Was folgte, war das selbst produzierte erste Album s.o.b.p., das inzwischen in einer Remaster-Version vorliegt. Und beeindruckende Live-Konzerte, wie z.B. bei Rock am Ring. Tja, und das mit gerade Mal Mitte Zwanzig – unverschämt sowas.

Die Band wurde darauf hin für das PopCamp 2008 des Deutschen Musikrats vorgeschlagen, ein Projekt, das bereits seit 2005 existiert und als »Meisterkurs für Popluärmusik« im selben Jahr auch Acts wie Auletta hervorgebracht hat. In der mehr oder minder informativen, kurzweiligen Doku »pop_cracks« kann man sich die PopCamp-Story in der 3sat Mediathek anschauen. Mit ihrem Wunschdozenten und Projektpaten Mister Guano Apes und H-Blockx-Hero Fabio Trentini wurde an Sound, Image und Performance gefeilt. Und das i-Tüpfelchen war für die Band, die sich im Laufe des PopCamp in The Intersphere umbenannte, die Produktion in den Horus Studios von interspheres > < atmospheres.

The Intersphere

So jung und schon so gut – The Intersphere v.l.n.r.:Christoph Hessler (voc, git), Moritz Müller (dr), Sebastian Wagner (b) und Thomas Zipner (git)

Die Hintergründe sind zwar kein zwingender Garant für ein gutes Album – es gibt genügend Acts aus dem PopCamp, die mir bis heute gänzlich unbekannt sind – aber bei The Intersphere stellte sich mir beim Hören sofort das Gefühl ein, dass hier einfach alles stimmt. Selbst wenn die neuen Songs einen poppigeren Charakter haben als das Vorgängeralbum (das muss ja nichts schlechtes heißen). Bei jedem Ton spürt man, dass eben alles echt ist. Die Spielfreude, die Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen im Geschmack und bei dem was man in die Atmosphäre schießen will. interspheres > < atmospheres packt einen vom ersten Ton an und hält das fast bis zum Ende durch. Zugegeben habe ich ab »The Far Out Astronaut« ein wenig abgeschaltet. Aber eben auch immer wieder erstaunt aufgehört, weil es die Band schafft, trotz poppiger Attitüden progressive Elemente einfließen zu lassen, ganz so wie der vielzitierte und auch in der offiziellen Info angegebene Vergleich dredg, mitunter auch eine Spur härter. Die anderen Vergleiche – Incubus ist kaputter oder wahlweise dreckig-funkiger, Muse war experimenteller und ist inzwischen schnulziger – hinken, die Verwandtschaft zu den Kaliforniern ist hingegen auffällig. Manchen Kritikern vielleicht auch zu auffällig – aber sind Aussagen wie »das hab ich schon mal irgendwo gehört« nicht auch indirektes Lob? Der Sound der Mannheimer bleibt für mein Verständnis dennoch eigenständig: eine treibende, groovige Drum & Bass-Sektion, rockige bis sphärische Gitarren und Sounds die – auf dem Booklet ist es in guter alter Queen-Manier vermerkt – komplett mit Gitarren und Effektgeräten entstanden sind. Der absolute Kracher ist sicherlich »Prodigy Composers« – dem Song kann man es nur wünschen, dass ihm mehr Beachtung auch im kommerziellen bzw. öffentlich-rechtlichen Radio geschenkt wird. Mein zweiter Favorit ist »Snapshot«, mit einer ziemlich eingängigen Hook, die für einen Refrain ungewöhnlich lang scheint, trotzdem im Ohr bleibt und einige schöne Soundtüfteleien bietet. Sehr geil auch die Gitarrenparts bei »In Satellites«. Ganz nebenbei sind die Texte von Hessler ganz nach meinem Geschmack, ein bisschen Endzeitstimmung, ein wenig Zerrissenheit, vielleicht auch ein Stück Ausweglosigkeit und Desorientierung und eine hübsche Dosis Melancholie. Und wäre das noch nicht genügend Schnittmenge mit meinem Geschmack ist auch noch das Artwork von drømsjel grandios *hach*.

The Intersphere live

Wer die Gelegenheit hat, sollte die Herren auch mal live erleben, im Sommer spielen sie auf einigen Festivals (Termine s.u.)

Trentini – der übrigens inzwischen Bass bei den italienischen Prog-Veteranen Le Orme spielt – und sein Team haben es bei dieser Produktion und er insbesondere als Pate innerhalb des PopCamp verstanden, das Können der einzelnen Musiker und ihre Stärken hörbar zu machen. Ein homogener, fetter Sound, der genügend Transparenz bietet, um jeden einzelnen, verdammt sauberen Schlag und Ton wahrnehmen zu können. Gerade bei oben erwähntem »Prodigy Composers« wird das deutlich. Wenn solche Sechzehntel klingen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, das auch live exakt hinzubekommen, das ist einfach geil. Drummer Moritz Müller ist zudem wohl derzeit das Beste was in Deutschland an Nachwuchs unterwegs ist. Aber deshalb geht der Rest der Band nicht unter. Sondern jeder einzelne Musiker behält bei diesem Sound seinen eigenen Stellenwert (habe ich schon erwähnt, dass ich von dieser CD wirklich begeistert bin?).

Abgesehen davon, dass Thomas Zipner (git), Sebastian Wagner (b) und Moritz Müller (dr) ihre Instrumente ziemlich gut beherrschen, haben sie mit Christoph Hessler einen Frontmann, der ebenfalls ordentlich Gitarre spielt und vor allem eine präsente Röhre besitzt. Überhaupt sind die Gesangslinien und Chorarrangements vom Allerfeinsten. Ich will nicht wissen, wieviel Arbeit allein im Arrangement der gesamten Songs steckt, aber gerade die Gesangsarbeit ist wirklich herausragend gut. Da sitzt jede Wendung, jede Betonung, jedes leichte Herauszögern, jede Phrase, jeder Ton. Und – was leider in heutigen Produktionen immer seltener wirklich rauszuhören ist – das Gefühl wird transportiert. Eine Atmosphäre, auf die ich zwar neidisch bin, aber eine äußerst sympathische Band für die ich mich im besten Sinne fremdfreue. Ganz ohne Verwandschafts- oder sonstige Verhältnisse.

The Intersphere – interspheres > < atmospheres

The Intersphere – interspheres > < atmospheres

Release: 12.02.2010
Label: Songs of the Century

All music written by The Intersphere
All lyrics written by Christoph Hessler
© 2009 Melodie der Welt, J.Michel KG, Frankfurt








Produced by Fabio Trentini and The Intersphere
Recorded and mixed by Arne Neurand at Horus Studio, Hannover, Germany
Mastered by Björn Engelmann at Cutting Room, Stockholm, Sweden

Gestaltung: drømsjel

The Intersphere live

11.03.2010 – Osnabrück · Kleine Freiheit
12.03.2010 – Erfurt · Museumskeller
13.03.2010 – Wolfsburg · Hallenbad
26.03.2010 – Marburg · KFZ
08.04.2010 – Bremen · Treue
10.04.2010 – Hofheim · Jazzkeller
16.04.2010 – Wald-Michelbach/Odenwald · 9. Noisepollution Festival
12.06.2010 – Göltzschtalbrücke · Rock für ein buntes Vogtland
01.07.2010 – Landau ·  Sommercafé der Universität Koblenz-Landau
10.07.2010 – Moosburg · Red Corner Festival
24.07.2010 –  Bitburg · Bitburg Open Air Festival
01.10.2010 – Biesdorf ·  School Of Rock Festival
02.10.2010 – Nürnberg · Roarfest

Links

The Intersphere im Web
bei MySpace
bei Facebook

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