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Buschfeuer – das wird teuer!

10. Februar 2010

teaser men at work

Es gibt Songs, die jeder kennt. Man könnte meinen, selbst im südamerikanischen Urwald oder australischen Busch.

Letzteres trifft auf »Down Under« von Men At Work wohl unzweifelhaft zu. Genauso wie auf das Pfadfinderkinderlied »Kookaburra«, das man selbst hierzulande nachpfeifen kann. Manchmal schleichen sich solche Songs derart in unser Bewusstsein ein, dass es einem schon gar nicht mehr bewusst ist – wisst Ihr was ich meine?

»Down Under«, das seit seinem Erscheinen 1981 zu einer der inoffiziellen Hymnen Australiens aufgestiegen ist, wurde kürzlich nämlich zum Gegenstand eines Rechtsstreits, weil es angeblich bei »Kookaburra« aus dem Jahre 1934 geklaut sei. Der Komponistin von »Kookaburra«, Marion Sinclair, ist es egal, denn leider ist sie schon 1988 verstorben. »Down Under« hat sie aber bestimmt auch noch gekannt. Larrikin Music, die die Rechte an »Kookaburra« halten, ist es seit letztem Frühjahr nicht mehr egal, weswegen sie im Juni 2009 eine Klage wegen Verletzung des Urheberrechts einreichten. Und jetzt letzten Donnerstag vor einem australischen Gericht Recht bekommen haben.

Der zuständige Richter kam zu dem Schluss, dass das Flöten-Riff von »Down Under« einen substantiellen Teil von »Kookaburra« reinkarniert, sozusagen, und daher das Copyright des Songs verletze. Die Urheber von »Down Under«, Men At Work-Sänger/Gitarrist Colin Hay und -Gitarrist Ron Strykert sowie deren Plattenfirma und Verlag wurden nun verurteilt, einen Teil ihrer Einnahmen aus dem Song an Larrikin Music zu überweisen. Wieviel – das soll bei einem weiteren Gerichtstermin Ende Februar geklärt werden. Nur soviel vorab: Larrikin Music hätte wohl gerne so zwischen 40 und 60%. Na, wenn’s weiter nichts ist…

Colin Hay

Hoffentlich muss er nicht auch noch für die Ähnlichkeit zu Al Bundy bezahlen: Colin Hay © Colin Hay official MySpace

Wer mich kennt, weiß dass ich mich berufsbedingt auf beiden Seiten…äh…auskenne, auf der des Künstlers als auch der des Rechtsverdrehers – ein Wandler zwischen den Welten sozusagen ;-) Ich muss auch vorneweg sagen, dass ich mich nur mit dem Copyright auf deutschem und US-amerikanischem Boden beschäftigt habe. Wie das in Australien im einzelnen ist, weiß ich daher nicht – aber wie sagt schon Olaf Schubert immer: Ich kann mich nicht um alles kümmern.

Ich habe also jedes Verständnis dafür, wenn jemand seine Rechte verletzt sieht und dagegen vorgeht. Wenn jemand einfach bei einem Werk eines anderen Künstlers klaut, sich sozusagen einfach »ranhängt« und seinen Erfolg letztlich daraus bezieht, ist das alles andere als ok. Aber man muss Dinge manchmal auch differenzierter betrachten – im Leben ist eben nicht alles immer nur schwarz oder weiss.

Wenn man sich besagtes Flöten-Riff anhört, stellt man schon fest, dass der zweite der beiden Takte der ersten bzw. zweiten Phrase (jahaa, jetzt nehm‘ ich es schon genau!) genau dem Anfang von »Kookaburra« entspricht. Insofern kann ich das Wort »substantiell« schon nachvollziehen. Nur: Ein substantieller Part des Songs »Down Under« ist es meiner Meinung nach nicht. Selbst wenn das Flötenriff mehrfach als Interlude im Song auftaucht. Man könnte es – so finde ich – genauso gut weglassen, und dem Song »Down Under« würde nichts fehlen. Er wäre vermutlich auch ohne das Flöten-Riff zum Welthit geworden. Oder mit anderen Worten: An dem aus »Kookaburra« in welcher Form auch immer entnommenen Takt liegt der Erfolg des Songs wohl eher nicht. Oder wer fängt als erstes an, das Flöten-Riff zu pfeifen, wenn er/sie nach dem Song gefragt wird? Eben.

Auch Larrikin Music haben ja offenbar 28 Jahre gebraucht, bis ihnen der »infame Diebstahl« aufgefallen ist. Bzw. seit sie eben die Rechte an »Kookaburra« gekauft haben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und dann ernsthaft auch noch 60% der Einnahmen zu forden…also, ich als Richter würde sagen: »Och Leute, wisst Ihr…«

Colin Hay hat dazu gesagt, dass sie wohl unbewusst Bezug auf »Kookaburra« genommen hätten, ihnen das aber zu der Zeit eben nicht bewusst gewesen sei. Und wie eingangs schon erwähnt, kann ich das durchaus nachvollziehen bei einem Lied, das einen schon seit Kindheitstagen begleitet.

Und wie ich auch schon oft feststellen musste: Genauso, wie zugegebenermassen oft auf Musiker-Seite sorglos mit dem Gut anderer Künstler umgegangen wird, fehlt auf Seiten der schwarzen Roben oft jegliche Kenntnis kreativer Prozesse. Also, zumindest was solche im Zusammenhang mit dem Schaffen von Musik angeht – andere »kreative Prozesse« sind wieder ein gaaaanz anderes Thema….

Dazu passende Videos gibt es ab sofort auf unserem *tröööt* Youtube-Kanal!

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