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Heißer Sand…äh…Sound aus dänischen Dünen

30. Oktober 2009

dune_teaser3Die junge dänische Band Dúné rockte vor kurzem das Zapata in Stuttgart.

Irgendwas stimmt da nicht. Irgendwie mag Stuttgart mich als Konzertgänger nicht. Meine Erlebnisse bezüglich seltsam kommunizierter Einlass- und Anfangszeiten sind mittlerweile ja schon legendär. Als ich mich aber neulich aufmachte, die dänische Band Dúné zu sehen, erreichte es ganz neue Dimensionen…

Hat mich zwar schon gewundert, dass eine ausländische Band mit Major-(Vertriebs-)Deal und Promo-Kampagne auf Pro7 in einem Mini-Club wie dem Zwölfzehn spielt, aber was weiß man da? Bisher sind Dúné hierzulande ja eher unbekannt. Also lief ich pünktlich (!) zum Einlass vor dem Zwölfzehn auf. Doch was bot sich mir da? Gähnende Leere. Kein Publikum. Und vor allem: Keine Band. Dafür neben dem Eingang ein Plakat, überklebt mit: »Verlegt ins Zapata«. Ja toll. Und das auch noch, wo ich zum ersten mal einen Parkplatz direkt vor dem Zwölfzehn ergattert hab – och menno! Offenbar sind Dúné hierzulande mittlerweile doch schon etwas bekannter geworden…

Dúné live @Zapata

Liebe Kinder, gebt fein acht, dass Ihr immer den Akku der Digicam voll macht – sonst schleppt Ihr ne Kamera mit und müsst trotzdem Bilder mit dem Schrott-Handy machen ©Thorsten vom Lauschsofa

Bis ich dann natürlich im Zapata war, hatte die Vorband, Timid Tiger aus Köln, – wie sollte es auch anders sein – mal wieder fertig. Nun denn, ich hab immerhin noch eine ihrer Electric Island-EPs ergattert, die die Zeit bis zu ihrem 2010 bei Sony Music/Columbia Berlin(/Four Music/BPX1992) erscheinenden Album überbrücken soll. Bin gespannt, »Miss Murray« jedenfalls ist ein Song, der einem schon im Ohr kleben bleibt.

Das Zapata war jetzt, äh, auch nicht gerade zum Platzen gefüllt, aber stimmt, das Zwölfzehn wäre für die anwesende Menge doch etwas zu winzig gewesen. Das doch recht junge Durchschnittsalter des Publikums hat mich ein wenig überrascht. Ok, Dúné sind selbst alle so erst um die 20, aber die Musik müsste eigentlich auch Endzwanziger und Anfangdreissiger oder gar noch ältere Semester ansprechen, die die 80er noch irgendwie erlebt haben oder zumindest zur Bildung ihres Musikgeschmacks zu Rate gezogen haben. Und damit meine ich nicht Unfälle wie Den Harrow oder anderes übles Zeug, sondern »die Guten«, die vornehmlich aus dem Vereinten Königreich stammen. Und sich beispielsweise auch im Look von Gitarrist Danny Jungslund manifestieren.

Dúné

Dúné (v.l.n.r.: Ole Bjørn Sørensen – synth/voc, Piotrek Wasilewski – b/synth, Simon Troelsgaard – git, Mattias Kolstrup – voc, Malte Aarup-Sørensen – dr, Cecilie Dyrberg – synth/voc/git, Danny Jungslund – git) © dunesite.com Official Press Photos

Außerdem fragt man sich, wo Dúné nebst ihrem ganzen Equipment im Zwölfzehn überhaupt hätten Platz finden sollen. Allein mit den beiden Marshall/Ampeg-Wänden wäre die Bühne voll ausgelastet gewesen. Und bemerkenswert ist eine Band mit sieben (!) festen Mitgliedern allemal. Wo gibt’s heute so was noch im Rockbereich, in diesen üblen und mageren Zeiten des Musikbusiness? Dafür bekommt man aber auch Einiges an Sound geboten. Und Dúné überzeugen ohne Frage mit ihrer Indie/Wave-mässigen Electro-Rock-Melange.

Dúné – Enter Metropolis (2009)

Dúné – Enter Metropolis (2009)

Dúné, ganz klassisch 2001 als Schülerband gegründet und bei dem dänischen Indie-Label Iceberg Records beheimatet, haben im August ihr zweites Album Enter Metropolis veröffentlicht und sind derzeit also auf Tour. Letztes Jahr waren sie u.a. auch als Vorband der besten Band der Welt unterwegs und supporteten diese bei ihrem Jazzfäst – na, das sollte doch als Qualitätssiegel genügen.

Sänger Mattias Kolstrup erinnerte mich ein wenig an Mika, nicht nur optisch, auch von der Art her. Da steht schon derjenige am Frontmikro, der die Aufmerksamkeit der Massen auf sich ziehen kann. Als einzige Frau der Band schafft das Keyboarderin/Background-Sängerin Cecilie Dyrberg bei Teilen des Publikums naturgemäß problemlos auch, allerdings fehlt ihr doch das Charisma von Kolstrup. Dafür trumpft sie auf, wenn sie sich die Gitarre umhängt und zeigt, dass sie sich an der nicht nur festhält, sondern die auch noch sogar richtig bedienen kann. Respekt! Co-Keyboarder/Background-Sänger Ole Bjørn Sørensen hing sich dagegen ab und zu einen AX-Controller um. Und obwohl ich Umhängekeyboards eigentlich ja schon etwas lächerlich finde, gestehe ich hier und jetzt: ich dachte auch selbst schon daran, mir eine(n) AX(t) anzuschaffen, denn es hat ja schon was. Vor allem, wenn man eben 80er-beeinflusste Musik macht. Da ist dann auch der MS-20 als gelegentlicher Basslieferant Pflicht und nur recht und billig. Ok, »billig« stimmt in dem Zusammenhang nur bedingt, aber für einen MS-20 darf Bassist Piotrek Wasilewski dann gerne auch mal seinen Ric abschnallen. Simon Troelsgaard und Danny Jungslund sorgen mit ihrer Gitarrenarbeit für ein im wahrsten Sinne gerüttelt Maß an Rock und Malte Aarup-Sørensen an den Drums für die Einhaltung der erforderlichen Schlagzahl. Kein Zweifel: Dúné können was. Von Schülerband ist da nichts mehr zu spüren. Die schnarchen nicht wie ein dänisches Bettenlager, sondern spielen wie ein schweizer Uhrwerk.

Dúné live @Zapata

Dúné live @Zapata – wie man deutlich sieht ;-) ©Thorsten vom Lauschsofa

Einer der Höhepunkte des Abends war wohl »Heat«, bestens bekannt aus besagter Pro7-Kampagne und allein für sich genommen schon ein ziemlicher Ohrwurm. Doch auch den ein oder anderen übrigen Titel dürfte man mittlerweile in diversen Medienkanälen gehört haben. Mich persönlich hat der Gig allerdings nicht so »geflasht« wie erhofft – aber das kann gut auch allein an meiner persönlichen Verfassung gelegen haben, die an besagtem Wochenende nicht die allerbeste war. Denn wenn mich die Sachen, die ich vorab schon gehört hatte, nicht so überzeugt hätten, wäre ich da erst gar nicht aufgelaufen. Dúné rocken schon amtlich. Und der wirklich überwiegende Teil des Publikums ging auch gut ab.

Wer sich selbst von Dúné als Live-Band überzeugen und nicht zum letzten Deutschland-Gig nach Berlin oder gar nach Dänemark fahren möchte, der kann sich den Gig aus dem Luxor in Köln kostenlos online ansehen bzw. als Download erwerben (Link s.u.).

Und wenn ich mir es jetzt noch mal so durch den Kopf gehen lasse…sollte ich mir Enter Metropolis irgendwie doch noch holen…

Dúné Website
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Dúné Official Youtube-Channel

Dúné live @Luxor, Köln

Offizielles Video zu »80 Years« vom ersten Album We Are In There You Are Out There (2007)

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