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Neues aus der Grabbelkiste

28. Oktober 2009

Grabbelkiste

Thorsten hat mal wieder gewühlt, damit sein Regal endlich voll wird, wir haben eine neue Kategorie und präsentieren unsere Wohnzimmerkritik im Schnelldurchlauf zu Skye Edwards, Ilse DeLange, Sophie Zelmani und Carol Elliott.

Carol Elliott © offizielle Myspace-Seite

Carol Elliott © offizielle Myspace-Seite

Carol Elliott – The People I Meet

Fangen wir mit der ältesten CD – in jeder Hinsicht – im Reigen an: Carol Elliotts The People I Meet ist ein Folk-Album mit Countrystimme, eine Stimme, die hier und da auch an unsere Konzertkritik von letzter Woche, Ann Vriend erinnert. Wer früher Mary Black gehört, hier und da mal Joan Baez bei den Eltern geklaut hat oder auch gerne mal eine Art Countryscheibe zum Autofahren braucht, ist mit Carol Elliott gut bedient. Frau mit Gitarre und melancholischen Texten, aufgenommen in Nashville. Leider mit lieblos gruselig gestaltetem Cover (das gehört bei Taxim aber wohl zum guten Ton). The People I Meet stammt aus dem Jahr 1996 und so sieht es auch aus. Ob sich bei der Produktion von Folk bis heute dramatisch etwas geändert hat, entzieht sich unserer Kenntnis, vielleicht sind aktuell wieder andere Raumklänge schick. Diese Produktion ist jedenfalls solide und hat keine negativen Auswirkungen auf die künstlerische Leistung. Schöne zweistimmige Passagen bekommt man ebenfalls geboten wie z.B. bei »Angels«. Thorstens Favoriten auf dem Album sind neben dem Titeltrack auch »V.T. & Me« und »What about us«. Jule hingegen steht mehr auf »Angels« oder »Roller Coaster Ride« – den Thorsten nach kurzer Überlegung doch auch dann besser findet  als den Titeltrack… Und überhaupt das ganze Album »gar net schlecht«.

Ein empfehlenswertes Folk-Album – und genau dazu sollte man entweder in entsprechender Stimmung sein oder Folkfan. Sonst findet man es vermutlich langweilig und die Stimme gewöhnungsbedürftig.

Carol Elliott – The People I Meet

Carol Elliott – The People I Meet

Noch ein paar soft und hard facts: Optisch erinnert Frau Elliott ein wenig an die mögliche Mutter von Juliette Lewis. Außer diesem einen Album gibt es leider keine anderen Veröffentlichungen, derzeit schreibt sie Kurzgeschichten, betätigt sich als Malerin und ist hier und da auch noch auf der Bühne zu sehen, allerdings nur in USA. Kaum zu glauben, aber es gibt sogar eine deutsche Fansite mit ein paar alten Fotos und Bildern von ihrem (einzigen?) Auftritt in Deutschland bei Jürgen v. d. Lippe. Der Bass auf diesem Album stammt vom Alisson Krauss-Bruder Viktor, Produzent Steve Gibson war entweder Country– oder Pornostar, genaues ließ sich von uns via Google oder Wikipedia nicht recherchieren.

Grabbelkisten-Fazit: Carol Elliott kann uns die Winterabende vor dem Kamin oder der Etagenheizung versüßen, am Besten mit einer Kanne Tee, Kerzenlicht und leckeren Plätzchen *hoho*. Einige billige und vor allem gebrauchte CDs sind z.B. bei einem großen Frauenkriegerversender zu erwerben.
Grabbelkisten-Preis: 2,99 Euro (im MediMax, Böblingen), Vergleichs-Preise schwer zu finden, da kaum noch erhältlich; ab 0,85 (an amazon angeschlossener Versender)

Carol Elliott – The People I Meet
VÖ: 1996 bei Heartstrong Records, VÖ in Deutschland 1999 bei Taxim Records

Carol Elliott bei MySpace
Carol Elliott im Web

Skye Edwards © Thierry Le Goues

Aktuelles Promobild von Skye Edwards © Thierry Le Goues

Skye – Mind how you go

Just zum gestrigen Trefftag hat Skye ihr neues Album Keeping Secrets veröffentlicht (hat der Thorsten ja gut hinbekommen) – komplett in Eigenregie wie es scheint, denn an einem Label ist sie laut ihrer MySpace-Seite nicht interessiert. Wir wollen uns aber dem bereits 2 Jahre alten Mind how you go widmen, dem ersten Soloalbum von Skye Edwards. So, und jetzt kurz in euch gehen, genaauu, das ist die ehemalige Sängerin von Morcheeba. Damit hat sie bei Jule schonmal einen kleinen Bonus für die Erst-Hörung. Denn Morcheeba haben unbestritten mit ihr ein paar groovende und eingängige Veröffentlichungen auf den Markt gebracht. Das Album beginnt mit einem Mädchentrack – denn die gucken schließlich Grey’s Anatomy (wieder so eine Entdeckung aus dieser Serie, gute Auswahl und Arbeit, Mister oder Miss Music-Supervisor). »Love Show« bleibt auch der Titel, der am meisten überzeugt auf Mind how you go. Das Album hört sich im weiteren Verlauf leider stark nach Bandproduktion und nicht nach Solokünstler an. Recht präsenter Bass und oft zurückgestellte Stimme. Was bei dem (hier) fragilen Sound von Skye Edwards leider kontraproduktiv ist. Die Songs klingen teilweise so, also wolle man auf jeden Fall nicht die Morcheeba-Fans vergraulen (z.B. bei »Solitary«), aber trotzdem etwas Eigenständiges erschaffen. Gelingt das?

Skye Edwards – Mind how you go

Skye Edwards – Mind how you go

Ruhig, elektronisch-akustisch, ein Album für den frühen Morgennebel, aber nicht zum Wachwerden, sondern zum finalen Chillen bzw. Absacken bei Sonnenaufgang. Es geht längst nicht so ab wie bei frühen Morcheeba-Alben, sondern es plätschert alles sehr smoooooooth vor sich hin. Schade auf jeden Fall, dass die Stimme nicht ausreichend zur Geltung kommt, Bonus (siehe oben) also leider durch den Produzenten (Patrick Leonard, der wird nachher nochmal wichtig) verspielt. Wir hatten das Organ von Frau Edwards bei Morcheeba etwas präsenter in Erinnerung (wahrscheinlich lag es an den Unmengen Lagavulin, die laut CD-Booklet von Leonard angekarrt wurden, dass es dermaßen entspannt klingt). Mind how you go stellt sich ein wenig als »Do you mind how« (oder so ähnlich) heraus. Das Album rauscht durch die Ohren, tut nicht wirklich weh und zurück bleibt wenig. Aber wer schon bei Sade Durchhaltevermögen bewiesen hat, wird Skye Edwards sicherlich bis Minute 42 treu bleiben. Ähnliches könnte auch für das neue Album gelten, das allerdings deutlich elektronischer daherkommt – urteilt man nach den kurzen Teasern auf der MySpace-Seite. Empfehlungen zur richtigen Hör-Vorbereitung der Alben geben wir hier aus rechtlichen Gründen nicht, aber wer nicht drauf kommt, sollte mal einen Blick auf den letzten Titel des hier vorgestellten Albums werfen.

Grabbelkisten-Fazit: Auf keinen Fall während einer langen Autobahnfahrt hören, sondern erst wenn ihr wieder zuhause seid und nichts mehr vorhabt. Mind how you go ist dank der schönen Stimme auch für Patienten mit Schlafstörungen bestens geeignet. Thorstens persönliches Fazit: »Jetzt hab ich halt einen weiteren Regal-Zentimeter im CD-Archiv dauerhaft aufgefüllt.« Immerhin ist die CD hübsch.
Grabbelkisten-Preis: 2,99 Euro (im MediMax, Böblingen), heutiger Vergleichs-Preis 14,95 (amazon) und 14,99 (jpc)

Skye – Mind How You Go
VÖ: März 2006 bei Eastwest (Warner)

Skye Edwards bei MySpace

Video zu Love Show

Sophie Zelmani fotografiert von Anton Corbijn

Sophie Zelmani fotografiert von Mister Magicknips Anton Corbijn

Sophie Zelmani – Memory Loves You

Auch hier haben wir es mit einer fragilen Stimme zu tun: Sophie Zelmani ist sowas wie die schwedische Leonore Cohen (und hat unglaublich geniale Promofotos wie dieses hier, das musste Jule einfach so groß abbilden). Durchgängig ruhige Songs, aber eben mit deutlich mehr Spannung und Dynamik als bei Skye Edwards. Wie sagt Thorsten so schön: »Der Sound atmet.«, will sagen, Spielfreude und Seele sind da wo sie hingehören: auf das Album. Die Songs haben Tiefe und sind teilweise schwere Emotionsbrocken, Zelmani ist mit jeder Faser ihres Körpers dabei (Zelle kann man ja nicht mehr sagen). Auch die Produktion des Albums passt perfekt in seiner Zerbrechlichkeit, da hat ihr langjähriger Produzentenpartner Lars Halapi – selbst Country- und Jazzmusiker und Gitarrist auf Memory Loves You – einfach den Bogen raus. So fragil und nah die Songs selbst sind, so fern und unnahbar bleibt Sophie Zelmani, wenn man einen Blick in ihre Biografie und z.B. die aktuell abgesagten Tourdaten wirft. Sie gehört eher zu den scheuen Stars, die am liebsten ihre Songs und Ideen im Studio verwirklicht, aber kein großes Interesse an Öffentlichkeit hat. Das soll ihr gegönnt sein, wenn sie weiterhin so melancholisch-schönen Akustik-Pop veröffentlicht.

Sophie Zelmani – Memory loves You

Sophie Zelmani – Memory loves You

Ihre Heimat Schweden liebt sie, dort stieg ihr letztes Album The Ocean and Me direkt auf Platz 1 ein. Hier und da sind Ähnlichkeiten zu Jewel in ihren besten Zeiten festzustellen (abgesehen von der Stimme). Denn zum Pop gesellen sich in einigen Songs auch ein wenig Country oder Folk. Memory Loves You stammt aus dem Jahr 2007, davor hat sie bereits sechs Alben veröffentlicht, die allerdings völlig an uns vorbeigegangen sind. Unser Favorit: »Love on my Mind«.
Wer mehr über Sophie Zelmani und ihre Art von »langweiliger Musik« erfahren will, sollte mal einen Blick auf diesen laut.de Artikel werfen.

Grabbelkisten-Fazit: Schöne Songs für vernebelte Herbsttage oder wahlweise windige Tage in der Prärie oder der frostigen Blockhütte.
Grabbelkisten-Preis: 2,99 Euro (im MediMax, Böblingen), heutiger Vergleichs-Preis 7,95 (amazon) und 17,99 (jpc)

Sophie Zelmani – Memory Loves You
VÖ: Februar 2007 bei Epic (Sony Music)

Sophie Zelmani bei Myspace

Sophie Zelmani im Web

Artist-Site bei Sony Music

Produzent Halapi bei MySpace

Wundervolles Manga-Video zu Time von der aktuellen VÖ The Ocean and Me

Ilse DeLange mit kleiner Lederjacke

Ilse DeLange mit kleiner Lederjacke

Ilse DeLange – The Great Escape

Was unsere Begeisterungsfähigkeit angeht, müssen wir einerseits zugeben, dass Jule wohl am heutigen Abend eher der Popmusik zugeneigt ist und ihr Frau DeLange bei unserem Extrem-Listening (vier Alben in 2 Stunden) spontan am besten gefallen hat. Andererseits widmet Thorsten der Optik des letzten Albums deutlich mehr Aufmerksamkeit (Männer!) und sagt, dass das nur an der Farbe des Inlays liegt (grün – ja, schon klar…). Der Rest, also die Akustik, langweilt ihn eher. Abgesehen von der grünen Farbe erinnert das Styling ein wenig an die 70er (und das hat jetzt nicht Thorsten gesagt), sehr lichtdurchflutet (mehr Weichzeichner gibt’s nur bei Bilitis). Optisch hat sie entfernte Ähnlichkeit mit Avril Lavigne oder Nicole Kidman. Leider passt Frau DeLange die Jacke vom Shootingkleiderständer nicht. Aber die hatte sie bei den Aufnahmen wohl nicht an. Zumindest singt sie nicht eingequetscht, sondern mit recht klarer Stimme, hier und da mit gewöhnungsbedürftigem Vibrato (wer sich noch an die Songs der Kelly Family erinnert, weiß was wir meinen).

Ilse DeLange – The Great Escape

Ilse DeLange – The Great Escape

Produzent Patrick Leonard – jaa, da isser wieder – hat den Lagavulin offensichtlich im Schrank stehen lassen, denn die Platte klingt deutlich frischer als der Solo-Erstling von Kollegin Edwards. DeLange klingt ein wenig wie ihre Landsmännin (oder wie sagt man da jetzt? Landsfrau? Landsmannseuse?) Anouk, nach einer Prise The Coors und deutlich nach Sheryl Crow, und dann kann man hier nach Wahl noch ein paar Popdamen eintragen. Denn die sauber produzierten Popsongs hätten auch von anderen Künstlern veröffentlicht werden können. So eine echte Handschrift ist nicht zu erkennen, es fehlt an Eigenständigkeit. Was nicht die Qualität schmälern soll; handwerklich ist das alles recht gut. Gesang und Arrangement kuscheln sich schön zusammen, ab und an gibt es auch Überraschungen. Aber der echte Knalleffekt bleibt aus. Vielleicht ist das ja bei ihrem aktuellen Album Incredible anders – das kann man bei obig erwähntem CD-Versender für sage und schreibe 70,- Euro als Import erwerben. Irre… Ist im Onlinestore von Ilse DeLange deutlich günstiger…

Grabbelkisten-Fazit: Fast 60 Minuten bietet The Great Escape – schöne Popmusik, die hier und da vielleicht etwas druckvoller und eigenständiger daherkommen könnte. Für Anouk-Fans sicherlich eine hübsche hollän- – äh ups – niederländische Alternative. Thorsten gefällt nach wie vor das Cover noch am Besten an der CD. Also vielleicht vorher mal kurz reinhören ;)
Grabbelkisten-Preis: 2,99 Euro (im MediMax, Böblingen) und für Jule 0,- Euro (Thorsten hat ihr die CD gleich geschenkt), heutiger Vergleichs-Preis 17,95 (amazon) und 17,95 (jpc)

Ilse DeLange – The Great Escape
VÖ: Februar 2007 bei Universal

Ilse DeLange im Web

Ilse DeLange bei MySpace

Ilse DeLange bei Twitter

Video zu So Incredible vom gleichnamigen, aktuellen Album (wir fragen uns, warum man mit einer Niederländerin ausgerechnet ein Video im Wohnwagen macht?)

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