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Ein Festival der Düfte

19. September 2009

anleser-katzenjammer

Katzenjammer verwandeln den Beat!Club in einen grölenden Wikingerhaufen.

Katzenjammer im Beat!Club Stuttgart, 16/09/2009 © JulevomLauschsofa

Katzenjammer im Beat!Club Stuttgart, 16/09/2009 © JulevomLauschsofa

Nei’gschmeckte haben es schwer in Schwaben, das Fremde ist uns oft nicht geheuer und wird aus diesem Grund erst einmal sehr genau und aus sicherer Entfernung beobachtet. Gut, wenn man da einen Lokalmatador vorausschicken kann, um die verängstigte Meute locker zu machen.

Rasga Rasga aus Nürtingen im Beat!Club waren »äschd voll de Honig!«

Rasga Rasga aus Nürtingen im Beat!Club waren »äschd voll de Honig!«

Rasga Rasga aus Nürtingen waren der Türöffner der Wahl für Katzenjammer, muntere Fangemeinde inklusive. Diese Rasga- äh Rasselbande sollte man bei zukünftigen Festivals mal im Auge behalten (warum haben die eigentlich nicht in Warmbronn gespielt?). Gründe bietet die Combo, die auf der schnuckeligen Bühne des Beat!Club kaum Platz fand, mehrere: einen talentierten Geiger, der mit einem sich nicht ändernden Gesichtsausdruck (und – ohne Witz – mit ner Zigarre aussähe wie Hannibal vom A-Team) die Finger fliegen lässt, einen ausdauernden Trompeter mit Goldkettchen, die er wahrscheinlich von Sacha Baron Cohen aus der Ali G.-Garderobe geklaut hat, einen nimmermüden Gitarristen mit wodkaschwerer Stimme und Amerika-Hosenträgern, einen blutjungen Schlagzeuger mit femininem Haarschnitt aber maskuliner Spielweise, eine stimmgewaltige Sängerin, die Jule ein wenig an die Dame von Coalminer’s Beat erinnert und einen Bassisten, der sich durch diese ganze durchgeknallte Meute nicht aus der Ruhe bringen lässt. Rasga Rasga machen bunten Balkan-Ska-Pop-Multikulti-Folk, mit jeder Menge Spaß für Ohr und Auge (hübsches Bühnenoutfit!), in mehreren Sprachen und mit ordentlich Talent (und Bier, aber das ändert sich mit dem Alter… Wer fährt eigentlich Euer Bandmobil?).

Das aktuelle Beat!Club-Programm findet ihr auf deren Myspace-Seite.

Das aktuelle Beat!Club-Programm findet ihr auf deren Myspace-Seite.

Nach etwa 45 Minuten gab es dann eine kleine Umbaupause von gefühlten 30 Min – auf der Bühne war ein hübsches Gedrängel und Gefummel. Sehr stilsicher auch der Roadie von Katzenjammer mit einem Kabelsammelbehälter in Form einer Supermarkt-Plaschdichgug (für die Nei’gschmeckten: Plastiktüte). In der Pause kam auch ein wenig Bewegung ins Publikum, die verschwitzten Fans von Rasga Rasga bahnten sich den Weg an die Theke, was uns zeitweise in eine wohlige Wolke aus Schweiß und anderen Gerüchen hüllte (das wollt ihr nicht genauer wissen, wirklich nicht). Wir hatten zwar erstmal Platz, kamen aber so leider nicht zum Durchatmen.

Deswegen sollten wir vielleicht kurz mal auf die Regeln hinweisen, die man bei einem Katzenjammer-Konzert beachten sollte: eher weniger als mehr anziehen (die Temperatur des Innenraums steigt in etwa 2,5 hoch 3 Grad je Quadratmeter und in Abhängigkeit zur Körperbehaarung), eher mehr als weniger trinken und eher mit den Öffentlichen als mit dem Auto fahren, Fahrgemeinschaften bilden oder sich von irgendjemand abholen lassen. Sollten zufällig auch Rasga Rasga Fans anwesend sein, wären ein Helm, Ellenbogenschützer und Stahlkappenschuhe empfehlenswert – aber kein Muss. Die gehen nämlich ab wie’s Zäpfle, selbst mit Wulle (wenn das Rothaus von uns abschreibt bekommen wir hoffentlich Tantiemen). Bierduschen bleiben da nicht aus – aber dafür hatte derjenige, der mit seiner Bierfontäne u.a. Thorsten hinter sich erwischte, offenbar nichts dagegen dass der dessen Hemdzipfel nahm und seine Brille damit reinigte. Außerdem sollte man in kleinen Clubs (sowieso generell) geruchsresistent sein oder es so halten wie Thorsten: »Hätt ich jetzt meine Ohrstöpsel dabei, ich hätt sie mir in die Nasenlöcher gestopft.«

Katzenjammer rocken und grooven wie Sau

Katzenjammer rocken und grooven wie *…* – und sehen dann auch noch gut aus – Jule sagt: »Sauerei«

Katzenjammer ließen uns also ein wenig im Dampfe unseres Angesichts warten. So konnten wir z.B. einen neuen Kalenderblattspruch kreieren und kamen dazu uns in Ruhe im Club umzuschauen: der Beat!Club ist mitten in Stuttgart, zwischen Königsstraße und Marktplatz, oberhalb der Fressmeile (dieses Gebiet ist wohl auch als »Little China« bekannt). Dort würde man eine solche Location nicht wirklich vermuten: man fühlt sich an die Hamburger Schanze oder das Karolinenviertel erinnert. Ein schnuckliger kleiner dunkler Laden, Pailletten an der Bühne, Discokugel, teilweise verspiegelte Decke, rote 70er Lampen an der Wand – nur leider keine oder eine schlecht funktionierende Klimaanlage/Lüftung (aber dann wäre ja auch das Clubfeeling weg, schon klar). Faire Getränkepreise und zu 80% netter Service. Da kann man wieder hin.

Gegen zehn nach zehn tat sich dann wieder was auf der Bühne. Erste Überraschung: Turid Jørgensen hat offensichtlich denselben Stylisten wie Dolores O’Riordan, die Haare sind jetzt kürzer, dafür ist der Bass genauso groß wie wir uns dachten. Gestartet wurde das Set mit »Le Pop«, was die Meute direkt zum Pogo-Tanzen brachte. Das war Überraschung Nummer 2. Denn mit Pogo hatten wir nicht gerechnet an dem Abend. Tanzen, bewegen, Popo wackeln, hüpfen, springen, okay. Da hätten wir endlich mal wieder die guten Doc Martens mit 24-Schnürung auspacken können und nix war’s. Naja, nächstes Mal. Kleinere technische Probleme mit dem Gitarren-Amp störten die gute Laune nicht weiter, denn die Mädels sind live einfach der Kracher. Zusätzlich zu den sehr guten Deutschkenntnissen von Solveigh (damit bekommt man die Krauts ja immer) stimmt auf der Bühne alles zu 100%: geile Outfits (Marianne sah in ihrem Kleid aus wie direkt aus einem 60er Jahre-Werbefilm geschnitten, hot!), Spielspaß, Beherrschen der diversen Instrumente serviert mit sauberem Gesang (was für eine Wohltat, im Vergleich zu anderen »Mega«-Stars), und zwar auch mehrstimmig! Der berühmte Funke sprang sofort mit unbändiger Macht über, begeisterte Konzertbesucher, hervorragende Stimmung – ja, so wünscht man sich das immer. Man muss eben keine 60,- Euro pro Ticket ausgeben, um wirklich eine gute Show zu sehen ;) Neben den bekannten Songs der CD – die das Publikum zum Teil auch herzhaft mitgrölte – gab es auch einige neue Songs zu hören und eine lustige Wikingereinlage für’s Publikum. Sollte der Herr B. Herbig für Wicki II also noch einen Chor brauchen, am besten zu einem Katzenjammer-Konzert gehen und das Publikum verpflichten.

Auch in den stillen Momenten wie Jules und Thorstens Liebling »Wading in Deeper« bieten Katzenjammer ganz großes Kino. Herzzerreißend schöner Gesang, der die schwache Seele durchaus zu Tränen rühren kann. Jede Nachfolgeband wird es bei uns aufgrund dieser Vorlage erst einmal schwer haben, das Niveau der Norwegerinnen ist schon ziemlich hoch. Manchmal lohnt sich ein Studium offensichtlich doch. Jeder, der also seinen Ohren etwas Gutes antun und dabei auch noch ein paar Kalorien verbrennen möchte, dem sei Katzenjammer wärmstens empfohlen. Und wenn Ihr das Glück habt mit einem solch anständigen Party-Publikum zu feiern, kommt Ihr sicherlich auch in den Genuss von einige Zugaben. Insgesamt 1,5 Std. standen die vier Damen auf der Beat!Club-Bühne, und das sollte bei Ticketpreisen von 15,- Euro nicht nur für den sparsamen Schwaben interessant sein. Außerdem standen sie den Fans nach dem Konzert auch noch ausgiebig zur Verfügung, bis auch wirklich jeder sein Photo, Autogramm oder was auch immer hatte. Und sind auch echt nett. Im Oktober wollen Katzenjammer nochmal in Stuttgart vorbeischauen (vermutlich). Und vielleicht finden wir dann heraus, ob sie sich nun Katzenjaaamer oder Katzenjammer oder Katzendschämer nennen.

Aktuelle Termine

19. September, Lingen, Rock am Pferdemarkt
21. September, Berlin, Magnet Club
22. September, Köln, Studio 672 im Stadtgarten
23. September, Dortmund, FZW
24. September, Bremen, Lagerhaus
25. September, Hamburg, Reeperbahnfestival
26. September, Flensburg, Volksbad

5 Kommentare leave one →
  1. Katrin permalink
    21. September 2009 09:43

    in ser tat eines der allerbesten konzerte der letzten monate….jahre…
    einfach großartig…
    würde mich nicht wundern, wenn man die stimmgewaltigen 4 grazien berühmt werden sehen wird

  2. 31. Januar 2010 18:03

    Neue Termine! Auf zum Wikingergrölen, z.B.
    am 24. Februar im Kamp/Bielefeld, 25. Februar Kulturkirche/Köln, 26. Febraur im Kulturladen/Konstanz (da müssen die Mädels aber ganz schön auf die Tube drücken von Köln runter), 27. Februar im Ampere/München, 28. Februar im Alten Schlachthof/Dresden, am 2. März in der Fabrik/Hamburg, am 3. März im Pavillon/Hannover, am 4. März in Karlstorbahnhof/Heidelberg, am 5. März im Löwensaal/Nürnberg, am 6. März im Postbahnhof/Berlin, am 16. April im Lagerhaus/Bremen, am 17. April im Popsalon/Osnabrück und am 20. April im Bebel/Cottbus. Mehr Infos und Links zu den aktuellen Terminen auf der Gesichtsbuchseite von Katzenjammer http://bit.ly/b2I7tR

Trackbacks

  1. Konzertbericht: Katzenjammer – zakk (Düsseldorf) « musikblog.dulife.de
  2. Katzenjammer im zakk – Düsseldorf « duisburglife
  3. You sell tickets to a funeral ’cause… «

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