Zum Inhalt springen

Gute Kinderstube

28. August 2009

scouting
Scouting for Girls schwelgen mit ihren Texten in den 80ern und sind Die Drei !!! der Popmusik

»She’s so lovely« – über diesen Song bin ich immer wieder mal gestolpert, immer mit dem Ergebnis: geiler Song, wie hieß noch gleich die Band? Thorsten kannte die Jungs von Scouting for Girls schon von einem Live-Konzert und ein kurzes Reinhören machte mich doch neugierig. Der bekannte Song klingt ein wenig wie Keane im Albernmodus. Und auch die übrigen Songs machen verdammt gute Laune.

Die Band kennt sich noch aus Grundschulzeiten und folgerichtig verarbeitet man in den Texten hauptsächlich pubertäre Verirrungen, Wirrungen und Enttäuschungen in Sachen Liebe. Kindheitsträume kommen auch nicht zu kurz, denn wie andere kleine Jungs will auch Sänger Roy Stride eines Tages wie James Bond sein. Oder seine Kindheitsliebe aus dem britischen Fernsehen mal treffen (selbst wenn er schon vorher weiß, dass das mit den beiden wohl nix wird). Songs also mit jeder Menge – in Coacher- und Psychokreisen so gerne zitiert – »Innerem Kind«, nicht bemüht sondern vielmehr zur Schau getragen. Kostproben? »But I’ll get by, without your smile I’ll get through without you. But I wish it was me you chose…«

Scouting for Girls in ihrer Heimat England

Scouting for Girls in ihrer Heimat England

So sind die Texte auf den ersten Blick eher einfach gehalten und garantieren zumindest Schmunzeln, wenn man genauer hinhört kann man aber durchaus spontan losbrüllen und feststellen, dass dies kleine, geniale, gemeine Reime sind. Kleine Déjà-vus wie bei »It’s not about you« wären so ein Kicherbeispiel, diese Dialoge kennt man wirklich gut aus seiner Jugend (oder aus aktuellen pubertären Gesprächen mit Verflossenen). Wenn dazu noch dieses leicht trotzige und in Ansätzen auch hysterische Wehklagen dazu kommt – sorry, da hält mich nix mehr, urkomisch!

Auch musikalisch setzen die Drei aus UK ein paar kindliche Akzente mit Plastikschweineorgel (vielleicht war das auch der Casio-Sound für Bläser). Das Piano dominiert den Sound meist, und bin ich immer wieder erstaunt darüber wieviel Krach man zu dritt machen kann. Das gleichnamige Album Scouting for Girls ist gute, handgemachte, britische Popmusik, die aber durchaus auch an amerikanische oder kanadische Vertreter erinnert, mich konkret an z.B. The Feeling, nur weniger pompös. Die Schotten klingen nicht überfrachtet (wird bei drei Instrumenten auch schwierig), bieten hübsche Backing Vocals, kleinere Überraschungsmomente (wie z.B. der Harmoniewechsel beim James-Bond-Song) und einen entspannten Songaufbau. Hier geht es ganz klar nicht um verkopfte Kompositionen, sondern um den simplen Spaß an der Sache, Easy-Pop-Listening. Unbeschwertes Aufspielen, einfache, geradezu dadaistisch wirkende Textzeilen, die aber genauso »im Alter« Anwendung finden wie damals zu Schulzeiten. Ein schöner Spiegel, den man da vorgehalten bekommt. Und das gelingt für meine Ohren unkompliziert und verdammt gut. Wahrscheinlich war das Album auch deshalb insgesamt 78 Wochen in den UK Charts und einige davon gar auf Platz 1.

Wer sich ein paar Videos von den Drei Ausrufezeichen anschaut, wird zum Einen erkennen, dass die Livequalitäten zwar nicht im formvollendeten Gesang liegen, aber man sieht den Jungs die gute Laune an, die auch auf der Bühne authentisch transportiert wird. Zum Anderen erkennt man eine äußerst sympathische Seite der Band: hier steht die Musik im Vordergrund und nicht stereotype, glattgebügelte Schönheiten in der vordersten Reihe (trotzdem macht mir der Gesichtsausdruck des Sängers im Video zu »It‘s not about you« ein wenig Angst). Passt ja auch zum Schuljungen-Image.

scoutingforgirls_debutUnd dazu wiederum passt auch die Benennung ihres Fanclubs Wolfcub was quasi ein Fähnlein Fieselschweif für die Community ist. Was übrigens wiederum daher rührt, dass der Bandname eine abgewandelte Form des Handbuchs Scouting for Boys ist (ein Meilenstein der Pfadfinderlyrik). *brrrz* Klugscheißmodus aus *brrrz* Ich hab’s nämlich erstmal nicht begriffen (zumal auf der Website zu meiner Verwirrung auch an einer Stelle Wolfclub steht. Aber auf der Site stehen ja auch noch Blindtexte und Platzhalterbilder, naja Websitebetreuungsfail).

Schön auch die grafische Aufmachung des Booklets, die in ihrem Scrapbook-Stil und den Kinderbildern ganz »wunderbar zum Thema passt«. Etwas seltsam finde ich die offiziellen Pressefotos, die auf der Columbia Berlin-Seite zu sehen sind (deshalb gibt es davon auch nur einen Ausschnitt). Warum bitte mt einer Ausstellungspuppe mit sterilem Studiohintergrund? Ein Shooting in einem Klassenzimmer oder auf dem Schulklo hätte ich da deutlich witziger gefunden. Aber mich fragt ja keiner. Die gute Laune lass ich mir trotzdem nicht verderben, und deshalb stehen Scouting for Girls derzeit auf meiner Gute-Laune-Playlist direkt hinter Ben Lee.

Scouting for Girls – Scouting for Girls
Release UK: 07-27-2007
Release D: 02-06-2009 (Quellen nicht eindeutig)

Besetzung:
Roy Stride (piano, voc)
Greg ‚danger‘ Churchouse (bass, voc)
Peter Ellard (dr, voc)

Label: Columbia Berlin

bei Wikipedia
bei MySpace
Interview mit Roy Stride bei DailyMail

PS: Michaela Strachan ist quasi die UK-Ausführung von Anke Engelke oder Biggi Lechtermann:

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: